Musik existiert immer schon von, aus und in
den virtuellen Räumen unserer Imagination. Heute ist sie scheinbar ausgewandert
in eine rein technische Virtualität: die der Speicher, Gatter und digital
simulierten Räume einer boolschen Algebra. Das macht Medienmusik 'virtueller'
und 'realer' zugleich - Hyperreal. Die Turingsche Universalmaschine
simuliert und operationalisiert längst nicht mehr nur am Symbolischen
(Partituren, Steuerbefehle, Algorithmische Kompositionsverfahren, etc.)
sondern am Konkreten (Sounds, Instrumente, Räume, etc.). Klänge werden
im Rechner mit virtuellen Instrumenten in simulierten Räumen erzeugt,
bearbeitet, gemischt und über globale Netze digital distribuiert. Historisch
ist damit eine Entwicklung abgeschlossen, die mit den Arbeiten von Shannon
und Wiener als die Grundlage für den Versuch, ästhetische Produktion
zu parametrisieren und in Form von Algorithmen zu verobjektivieren und
somit rechenbasierten Verfahren zugänglich zu machen, begann.
Michael Harenberg, 1961 in Bad Wildungen geboren, studierte systematische
Musikwissenschaft in Gießen und Komposition in Darmstadt. Als freier
Komponist beschäftigt er sich mit computergenerierter Musik und interaktiven
Klanginstallationen. Neben seiner Tätigkeit als Musikwissenschaftler
ist er freiberuflich im Bereich Neue Medien tätig. Momentan arbeitet
er im Projekt 'Ästhetische Strategien in Multimedia und digitalen
Netzen. Schwerpunkt Audio' am Fachbereich
Kulturinformatik der Universität Lüneburg.