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aktuell
Angenommen man sei nicht aus München. Schwer vorstellbar, aber möglich.
Angenommen, man sei sogar nicht deutschsprachig, sondern vielleicht aus
England oder Übersee. Und würde sich dennoch für die Münchner
Kunstszene interessieren, etwa weil man eine Reise nach München plant.
Wie würde man vorgehen? Amerikaner oder Engländer würden
wahrscheinlich erst einmal versuchen, die Seite der Stadt München
aufzurufen (dass sie artechock nicht kennen, sei ihnen verziehen).
Unser Tourist gibt also als URL ein: www.munich.com.
Es öffnet sich ihm die Seite einer "internet messaging company";
was die mit München zu tun haben soll, erschließt sich nicht.
Nächster Versuch: www.muenchen.com,
vielleicht, weil er die deutsche Endung "de" nicht kennt. Dann
bekommt er die Meldung: "Diese Seite befindet sich zur Zeit noch
im Aufbau". Wer hier was aufbaut, erfährt er nicht. Sind wir
keine Spielverderber! Schon beim dritten Anlauf bekommt der Nicht-Ortskundige
unter www.munich.de
oder www.muenchen.de
die offiziellen Münchner Stadtseiten. Doch wo ".de" dranhängt
ist auch de-utsch drin. Einen Link auf eine englischsprachige Version
bekommt man bislang nur, wenn man sich über Hotels informieren will.
Ist ja auch nicht unwichtig, als Städtereisender. Und wer reist München
schon gezielt wegen der Kunst an? Eben.
Also gehen wir nun davon aus, dass der Tourist in spe sich über das
Hotelangebot freut und von Kultur nichts wissen will. Oder er des Deutschen
mächtig ist. Mächtig mächtig ist: Denn nicht Schlagworte
wie "Kunst" oder "Museum" führt zu eben solchen
Inhalten, sondern der Link "Bildung & Kultur". Dann hat
man die Wahl zwischen "Bildung online" "Kultur online",
"Münchner Kulturinstitutionen", oder "Kultur-Veranstaltungskalender
hotlinks (Veranstaltungstipps und mehr)". Das Signalwort "Kunst"
wird ebenso umschifft wie das internationale Schlüsselwort "Museum".
Angenommen der Münchenreisende will sich aber ausschließlich
über Museen informieren - er wird schon die Institutionen wählen.
Da endlich tut sich ihm die langersehnte Liste auf: nach immerhin nur
zwei Klicks (und einem dritten für die vollständige Liste).
Sieht er die Links nun nach und nach durch, eröffnen sich ihm grob
genommen dreierlei Sorten von Seiten: die im Städtischen Informations-Layout,
die im Layout Staatlicher Museen, eine artechockseite, oder die individuell
gestaltete Seite des jeweiligen Museums. Also schon ein bisschen Kraut
und Rüben.
Städtische Institutionen bedienen sich des Stadt-Layouts,
z.B. die Galerie Goethe' 53, aber ohne dass sich dafür ein eigenes
Fenster öffnet. Das gibt es nur für das www.stadtmuseum-online.de/
.Die Galerie im Rathaus und die Plattform führen zu artechock. Einen
eigenen Auftritt hat die Lothringer
13 (die sich eigentlich lothringer13 schreibt, aber das ist kleinlich),
das www.lenbachhaus.de.
Einige Staatliche Museen haben auch schon individuelle Seiten: Zum Beispiel
das Bayerische Nationalmuseum: www.bayerisches-nationalmuseum.de.
Die Seiten sind sehr professionell und gut gestaltet. Nur bitte nicht
nach Ausstellungen suchen! Die gibt es nur über: Index - Sonderausstellungen.
Die Neue Sammlung bietet auch eine eigene Seite mit ausführlichstem
Presseinfo: www.die-neue-sammlung.de/.
Das Architekturmuseum (www.architekturmuseum.de/)
und das Deutsche Museum (www.deutsches-museum.de/)
haben eigene Homepages. Die vom Haus der Kunst gefällt in dieser
Kategorie am besten: www.hausderkunst.de/.
Die Nicht-Kunst-Museen zeigen sich insgesamt trotz Standard-Layout
engagierter: die Mineralogische Staatssammlung etwa bietet die Wahl zwischen
deutschem, englischem und französischen Text (www.lrz-muenchen.de/%7EMineralogische.Staatssammlung/)!
Es gehören dazu die Bayerische Staatssammlung für Paläontologie
und Geologie (www.iaag.geo.uni-muenchen.de/sammlung/) und die Paläontologische
Sammlung: www.palaeo.de
- letztere immerhin mit "virtuellem Museum". Zwar mehr eine
Bilderschau denn virtuell, aber gut anzuschauen. Seit meinem Besuch dieser
Seite steht ein Dinosaurier-Skelett auf meiner Schreibtisch-Oberfläche.
Das Residenzmuseum hat keinen Link, was zur Annahme verleiten könnte,
alle darunter gelisteten Museen würden sich in derselben befinden...
Bayerische Schlösser sind gar nicht verlinkt, sind ja auch irgendwie
zu alt für so ein neues Medium. Das BMW Museum - auch? Die Künstlervereinigung
"gedok" und das "Josephine Beuys Forum" stecken wieder
im konventionellen Stadt-Layout ohne eigenem Fenster. Die Galerieninitiative
führt auf deren eigenen Seiten: www.artfacts.net/muenchen/frameset.php3.
Durch "Link-Losigkeit" machen das Jüdische Museum, der
Kunstverein, das Museum Mensch und Natur, das Siemens Forum und die Deutsche
Gesellschaft Christlicher Kunst auf sich aufmerksam.
Die Stadt lässt zur Zeit ein neues München-Portal erarbeiten.
Braucht man deshalb die aktiven Seiten gar nicht mehr anzuschauen? Ich
meine doch - jedenfalls solange es nichts neues gibt.