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aktuell
Die OPEN ART reflektiert
laut Presseinformation dieses Jahr über das Galerienwesen.
Welche Galerie ist eine gute Galerie - so gut, daß sogar
Andy Warhol dort austellen würde -, und was macht diese
Qualität aus? - Wie haben sich die Strukturen gewandelt?
- Wie sieht die Galerie der Zukunft aus?
Das klingt ganz nach
tabula rasa anläßlich des zehnjährigen Jubiläums
der OPEN ART-Veranstaltung. 1989 riefen sie fünf Galeristen
- Christian Gögger, Heinz Herzer, Dany Keller, Helmut Leger
und Bernhard Wittenbrink ins Leben. Anlaß war der Wunsch
nach Kooperation, und seitdem bestand auch die Initiative
Münchner Galerien, die vielen durch ihr Terminplakat
mit dem mittigen Stadtplan ein Begriff ist. Bereits als die Häuser
zum ersten Mal alle gleichzeitig öffneten, wurden Besucherrekordzahlen
gemessen. Begleitveranstaltungen machten die Riesenvernissage
zum Event, beziehungsweise ließen und lassen sie denjenigen,
der gerne alles mitnehmen möchte, schier verzweifeln.
Heuer
wird versucht, die Individualität jeder Galerie vor dem
Hintergrund ihrer Gemeinsamkeiten herauszustellen. Wert wird
auf die persönliche Geschichte der einzelnen Ausstellungsräume
gelegt, deren jede ein Stück Münchner Kulturhistorie
ausmacht. In der Gegenwart fragt man daraufhin nach dem Selbstverständnis
- ist man Dienstleister, Elfenbeinturm oder Experimentierfeld?
Was können Galerien vermitteln, Rezipienten wie Kunstschaffenden?
Ist sie wahr, die Legende, der zufolge geniale Künstler
erst von ebensolchen Galeristen erkannt und gefördert werden
müssen, um internationalen Ruhm und Anerkennung zu erlangen?
- Gespannt sein darf man, wie diese ambitiöse Introspektion
nächstes Wochenende in die Tat umgesetzt werden wird.
Auch
die prekäre Balance zwischen Intitution und kommerziellem
Unternehmertum soll zur Sprache kommen, und wird gleich - unwillkürlich?
- beantwortet, indem die Nennung der Sponsoren der OPEN ART stark
im Vordergrund steht. Dieses Jahr helfen die Deutsche Bahn AG,
die Bahnhöfe zu Erlebniszentren aufwerten möchte, die
Sparda-Bank, die eine Bahnhofsplakatwand zur Verfügung stellt,
sowie Mercedes-Benz, die die Shuttle-Busse besorgen. Vertreter
dieser „Institutionen“ nahmen auch an der Podiumsdiskussion „Kunstbetrieb
im Wandel“ teil, die schon im Juli vorab stattfand. Im Hauptbahnhof
wird ein Wandrelief von Michel Majerus installiert werden, an
der Wand hinter dem Eingang Bayerstraße, in zehn Meter
Höhe. Das dortige Times Square Online Bistro wird in ein
Zentrum medialer Ereignisse umgedeutet. Christian Gögger
entwickelte ein „Screening“, einen clipartigen Zusammenschnitt
von Videoarbeiten renommierter Künstler, die gleichzeitig
einen Ausschnitt der Sammlungstätigkeit der Kulturwerkstatt
in der Lothringerstraße („der spiegel“) geben. Zudem stellen
dort Andreas Binder und Oliver Schweden junge Medienkünstler
aus. Dann werden dort noch „Bookmark-Listings“ angeboten, also
Adressverzeichnisse von kunstrelevanten Websides im Internet
(ob Artechock auch dabei sein wird?).
Abgesehen vom Ereignisfeld
Hauptbahnhof ist die Rathausgalerie wieder das Zentrum aller
Aktivitäten. Eine dortige Installation von Skulpturen und
Objekten Künstlerarbeiten, die noch keine Galerie vertritt.
Außerdem werden auch alle Galerieausstellungen vorgestellt,
was einer Vorentscheidung dienlich ist. Dann starten ebenda die
Busse zu den verkehrsungünstig gelegenen Ausstellern, die
wie alle anderen das ganze Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet
haben.
Den Höhepunkt stellt die OPEN ART-Party im Nachtcafé
dar. Der schweizer Künstler Götz Bury fertigt zu diesem
Zweck zwei essbare Bilder an: Der rote Salon von Henri Matisse
besteht aus Sandwiches, die „Partie de Campagne“ von Fernand
Léger aus Hors d’oeuvres. Vielleicht liefert dies auch schon
eine zumindest vorläufige Antwort auf all die eingangs gestellten
Fragen. Kulturbetrieb als ein Katalysator, der Menschen zusammenströhmen
läßt - leider oft genug ohne selber Spuren zu hinterlassen.
spezial-beitrag zur open-art ‘98 (I. teil)
Ein rundes Jubiläum gilt es ausschweifend zu feiern. Nach dem einige einschlägige Galerien in diesem Jahr bereits ihr zehnjähriges Bestehen begossen haben, gilt es nun, eine Institution zu würdigen, die als Initiative Münchner Galerien dem hiesigen Ausstellungsbetrieb zumindest einmal im Jahr medien- und öffentlichkeitswirksames Leben zu spenden versucht. Zehn Jahre ‘open art’ stehen für das Bestreben, die Hemmschwellen gegenüber zeitgenössischer Kunst und ihren Agenten abzubauen. In der Tat ist es traurig, daß das Angebot Kunst und Künstler in den Galerien kennen- und verstehenzulernen, noch immer verhältnismäßig wenig genutzt wird. Fragt man nach den Gründen, so mag die Fülle an Ausstellungsräumen abschrecken, kombiniert mit dem fehlenden Vermögen, die jeweilige Qualität einschätzen zu können. Zuviele populär-kommerzielle ‘Galerien’ verschleiern den Blick der ‘Nichteingeweihten’. Doch selbst an den Orten, an denen man ein Interesse an offener Auseinandersetzung erwarten muß, wird vor Galerienbesuchen zurückgeschreckt. So gibt es an dem Institut für Kunstgeschichte beispielsweise kein Seminar, das sich - notfalls auch außerhalb der festgelegten Unterrichtsstunden - zu den Galerien und Institutionen jenseits der heiligen Staatsgemäldehallen aufmacht. Hier wird deutlich, daß es wohl auch die Verbindung von Kunst und Geld ist, die die hehre Begriffsdefinition von Kunst immer noch und immer wieder zu bedrohen scheint. Mit dieser Begriffsdefinition nur schwer vereinbar scheinen auch die künstlerischen Ausdruckmittel zu sein, die nicht dem klassischen ästhetischen und handwerklichen Urteil entsprechen. Ein paar Anlaufstellen gibt es jedoch auch in München, um ‘multimediale’ Kunst zu sehen. Was muß man tun, um mehr Menschen für das Galerienwesen zu interessieren? Wie darf sich die Ausstellungsstruktur in München verändern, um spannender, bedeutender zu werden?
Der neue Hoffnungsträger der Münchner Kultur, der städtische Referent Julian Nida-Rümelin, wird am Freitag, den 11. September die ‘open art ‘98’ eröffnen, die sich jedoch keineswegs zufrieden selbst feiern wird. Denn das große Thema dieses Jahres betrifft die Zukunft des Ausstellungswesens in München und ist somit ein gehöriges Stück konstruktive Selbstkritik. In Zeiten knapper Haushaltsmittel gepaart mit einer übergroßen Dominanz populär-kulturistischer Erscheinungen stellt sich die Frage nach den Perspektiven des Kunst- und Ausstellungswesens vehement. Konkret muß nach dem Standort München gefragt werden, der sich etwas einfallen lassen darf, um sich gegen die nationale ‘Konkurrenz’ etwa aus Berlin oder Köln behaupten zu können.
Das offizielle Motto der diesjährigen ‘open art lautet 'Modell Galerie'. Die Presseankündigung weckt hohe Ansprüche an das Gesamtkonzept der ‘open art und es bleibt fraglich, ob diese erfüllt werden können. Gespannt jedenfalls darf man auf den "faktenreichen Katalog" sein, der hoffentlich Perspektiven für die Münchner Kunstszene aufweisen und nicht nur ein Rückblick auf zehn Jahre Galerieninitiative sein wird.
Aus diesem Anlaß
erscheint bei Artechock die kommenden Wochen eine Reihe,
die diese Diskussionen kritisch begleiten will. Schon in dieser
Ausgabe findet sich ein weiterer Beitrag zur
open
art' 98 sowie eine Auflistung, der an der 'open art '98
beteiligten Galerien
Christian Schoen
“‘Plastik und Multimedia’ - Szenen einer Beziehung” lautet der Titel des diesjährigen Kunstbunker Beitrags zur open art. ‘Plastik und Multimedia’ ist zuallererst der Name eines Fachs an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Die Klasse wurde dort von Marie-Jo Lafontaine gegründet, jetzt leitet sie Jai-Young Park, der diese Ausstellung im Kunstbunker dementsprechend auch kuratiert hat.
‘Plastik und Multimedia’ ist im Zwischenfeld von Technologie und traditioneller Plastik angesiedelt. Die beiden Begriffe erzeugen eine gewisse Spannung, denn bei der Plastik handelt es sich um einen klassischen Gattungsbegriff aus der bildenden Kunst, bei ‘Multimedia’ läuten ersteinmal medieneuphorische Glocken, die an Cyberspace, Virtual Reality, Computerkunst usw. denken lassen. In den Räumen des Kunstbunkers werden sie heute mit 14 Video- und Fotoarbeiten sowie Installationen konfrontiert, die unterschiedlichste Themenbereiche des menschlichen Miteinanders ansprechen. Doch dazu später.
Wenn man von
der traditionellen Definition eines ‘plastischen Werks’ ausgeht,
dann thematisiert und gestaltet die Materie - sei es Gips, Bronze
oder Marmor - in der Art und Weise ihrer Ausdehnung, den sie
umgebenden Raum. Sie kann weit ausgreifen, mehr Platz als den
ihr zugedachten für sich beanspruchen, sie kann sich aber
auch auf ihren engsten Umkreis beschränken. Denkt man an
Multimedia, so hat man vielleicht als erstes den allgegenwärtigen
Fernsehbildschirm oder eine andere Projektionsform (etwa das
Dia) vor dem geistigen Auge. Abgesehen von der kubischen Form
des Monitors bzw. der Beschaffenheit der Wand konzentriert sich
das Interesse des Betrachters (paradoxerweise) in erster Linie
auf die illusionierte Räumlichkeit. Weniger läßt
er sich gefangennehmen von der realexistiernden Umgebung als
von der imaginierten. Der Schein verdrängt das Sein. Ergibt
der Titel ‘Plastik und Mulitmedia’ nicht somit einen Widerspruch?
‘Steffi
bleibt’ heißt die Arbeit von Patrizia Karda, eine Diaprojektion
auf Papier und Wände. Ich möchte ihre Arbeit fast als
Raumkollage ansprechen, denn sie spielt mit der Beziehung zwischen
der Befindlichkeit im Realraum der Bunkerzelle und dem projizierten
Bild einer Abrißwohnung. Im Raum und an der Wand hängende
Papierstreifen lösen das Raumgefüge noch weiter auf,
heben Einzelemente hervor, anderes tritt zurück. Wo befinden
wir uns?
Bei Beate Kameckes Arbeit beobachten wir eine projizierte
Labormaus, die unter einem realen Glas gefangen zu sein scheint.
Die Verhältnisse kehren sich jedoch um, wenn wir merken,
daß wir von einer übergroßen Mausprojektion
observiert werden. Wer sieht wen? Wer inszeniert wen? Raumbezüge
verändern sich, Gewohntes wird in Frage gestellt. Auch die
Arbeit von Ji-Young Rhee ‘Türen’ beschäftigt sich mit
der Raumerfahrung. Sie faßt die Architektur eine Bauwerks
als Körper auf, konzentriert ihren Blick (der Videokamera)
auf das Gesicht des Gebäudes - auf die Türen und Tore
durch die wir Menschen schreiten.
Ein anderes Thema, das in unserer Zeit gerade wegen der neuen Informationstechnologien zu einem wichtigen geworden ist, ist das der Kommunikation. Die Arbeit von Marita Maul, eine Installation aus Gazestoff und kleinen insektenähnlichen Lautsprechern, rekonstruiert ein Kaffeetischszenario, das als Metapher für das Zustandekommen eines Dialogs zu verstehen ist. Demgegenüber zeigt die Videoarbeit von Eva Keil - mit dem Titel ‘Grün’ - eine Tischgesellschaft. Die Szenerie läßt an ein Theaterstück denken, ohne daß jedoch ein Protagonist oder eine bedeutungsvolle, stringente Handlung auszumachen wären. Es dominiert das Nebeneinander, das Auf-sich-selbst-bezogen-Sein der Personen, ein Eindruck, der durch die separat geschnittene Tonspur und die flankierenden Projektionen noch verstärkt wird. Auch die Arbeit von Stephen Haigh Greenwood ‘An Exile’s Letter to who knows where’ handelt vom Drama eines nichtzustandegekommenen Dialogs. Hier sind es die geschriebenen Worte eines Strafgefangenen des 18. Jahrhunderts, der seinen Brief auf seinem Transport zum Verbannungsort Australien verfaßt hat. Als Flaschenpost ist er an einen unbekannten Adressaten gerichtet und wie bei einem barocken Zerrbild können wir die im Strudel des Meeres untergehende Schrift in der Spiegelung korrekt lesen.
An dieser Stelle muß bemerkt werden, daß
die Erwartungen ausgehend von dem Stichwort ‘Multimedia’ in Verbindung
mit den zukunftsorientierten Häusern in Karlsruhe (also
dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) u. der
Hochschule f. Gestaltung) vielleicht nicht erfüllt werden.
Da muß es doch eigentlich verwundern wieso die Künstler,
statt begeistert mit den verschiedensten Techniken zu experimentieren,
auf das Video als Dokument einer Performance zurückgreifen?
Das war vor einem Vierteljahrhundert modern - wenn denn Modernität
ein Kriterium ist.
Betrachtet man die Arbeiten vor dem Hintergrund
der Geschichte des Künstlervideos bzw. vor der vor nicht
allzulanger Zeit abgeflauten Euphorie, mit der die ach so neuen
Medien bedacht wurden, dann muß man erstaunt zur Kenntnis
nehmen, daß immer noch und immer wieder sehr klassisch
mit dem Video umgegangen wird. Wie bei der eindrucksvollen Arbeit
von Chun-Chi Lin beispielsweise, dient das Medium in erster Linie
der Dokumentation einer Performance. Drei Stunden dauert die
zum Ritual werdende Handlung, bei der sich der Künstler
schwarz-weiß Kopien seines eigenen Gesichts auf eine übergestülpte
Gipsmaske klebt. ‘Ich suche mich, bis ich es nicht mehr ertragen
kann’ lautet der Titel seiner Performance. Um Grenzerfahrung
einer wesentlich direkteren Art geht es Nadine Böll, die
mit einer Kamera die Kräfteeinwirkung des freien Falls dokumentiert.
Wenngleich sie sich hier unweigerlich dem Reality oder Action
TV annähert, wird deutlich, daß sie das Medium in
erster Linie zur Selbsterfahrung und Selbstaussage nutzt. Es
ist nicht der voyeuristische Blick, der uns beim Sprung aus dem
Flugzeug mitfiebern läßt, sondern das subjektiv und
unperfekt (auf-)bzw. wahrgenommene.
Die während der
Eröffnung entstandene Videoperformance von Sandra Ließmann
ist in diesem Zusammenhang ebenfalls zu nennen. Sie nimmt den
Diskurs mit dem Fernsehen auf - allerdings auf eine sehr indirekte,
emotionale Weise.
Eine auf Schnelligkeit ausgerichtete laute
Welt, wie sie im Fernsehen insbesondere bei MTV eine spezielle
Ästhetik entwickelt hat, wurde auch immer wieder in jüngster
Zeit im Künstlervideo thematisiert. Auffällig ist,
daß die einzige Arbeit, die sich im Rahmen dieser Ausstellung
diesem Thema direkt annimmt, eine Arbeit stillstehender Bilder
ist. Gemeint ist der Fotozyklus von Sven Erik Klein, die folgerichtig
den Titel ‘Quicktime’ trägt. In diesem Bezug ist auch das
‘Holo TV’ von Nadja Schöning zu sehen, das der erwarteten
Schnelligkeit der Bilder auf dem Fernsehbildschirm, das Hologramm
des Fernseherinneren gegenüberstellt. Während sich
der Zuschauer normalerweise faul auf seinem Sofa räkelt,
während die Bilder auf ihn einstürmen, muß er
sich vor dem Holo TV um das Bild bemühen. Ein Hologramm
erschließt sich nur durch die Bewegung des Betrachters.
Hervorzuheben als einzig interaktive Arbeit, ist die Installation
von Shuichi Fukazawa. Hier wird durch die Bewegung im Raum, der
Betrachter Gegenstand in einem sich anscheinend zufällig
konstituierenden Bild, das sich im nächsten Moment wieder
verflüchtigt hat.
Zeit- bzw. Technikkritisches findet
sich in der Installation von Anja Kempe und Julia Pfeffer, die
auf zwei Monitoren mit veralteten Gegensprechanlagen versuchen
miteinander zu kommunizieren. Ein gewisser Anachronismus liegt
nicht nur in der veralteten Kommunikationstechnik, die sie hier
verwenden, sondern auch in der Anlehnung an das ‘Closed-curcuit-Verfahren’,
das in der Videoperformance der 70er Jahre große Bedeutung
erlangte. Eine ironische Zuspitzung erfährt die Szenerie
durch die auf Amerika - dem Land des informationstechnischen
Heils -verweisenden Symbole.
In den letzten Jahren ist viel über die neuen Informationstechnologien diskutiert worden. Kürzlich ist in einem Kunstmagazin kritisiert worden, daß innerhalb der fast monopolisierten multimedialen Kunst- u. Kunsttheoriefabrik in Karlsruhe, keine kritische Reflexion über die Medien stattfände, die eingesetzt werden. Angesichts dieser Ausstellung ließe sich dieser Vorwurf (mit einigen Ausnahmen) vielleicht bestätigen, doch stellt sich die Frage, ob ein medialer Autodiskurs tatsächlich ständig vonnöten ist. In dem selbstverständlichen Umgang mit multimedialen Ausdruckformen kennzeichnet sich die junge Kunst in der ‘Post-Medien-Euphorie’-Phase. Es wird sich zeigen welche Kunst, welches Medium auf Dauer die Kraft haben wird, gesellschaftsrelevante Aussagen zu transportieren. Doch hier und heute ist sicherlich nicht der Ort, um dieses zu entscheiden. “Die Frage nach der Kunst wird nicht von der Technologie entschieden, sondern liegt im Selbstverständnis der einzelnen Studierenden begründet.” schreibt Hans Belting in dem Katalog zu dieser Ausstellung.
Christian Schoen
Fürstenfelderstraße, Sattlerstraße und Färbergraben sind die Grenzlinien zu einem Ort im öffentlichen Raum, der sich nicht als Platz definiert, da er nach allen Seiten offen und durch befahrene Straßen eingegrenzt ist. Seine einzige Ruhezone, die ihn als Platz ausweisen könnte, ist ein Parkplatz für wenige Autos vor dem Postgebäude. Die Umrahmung des Ortes findet durch folgende Gebäude statt: Dem Postgebäude, der Rückseite des Verlagshauses Süddeutsche Zeitung, dem Parkhaus und der Einkaufsgalerie Richtung Kaufingerstraße.
Die
umlaufenden Straßen führen zur Sendlinger Straße.
Sie geben dem Ort den Charakter des Durchgangs. Also kein Platz
zum Verweilen. Und alle Gebäude, die ihn bestimmen, sind
ebenfalls von dem Begriff "Zeit" im Sinne der Vergänglichkeit
geprägt:
- Zeitungsverlag: Öffentlicher InformationstrÄger
und -vermittler von ephemeren Meldungen. Was heute geschrieben
wird, gehÖrt morgen bereits der Vergangenheit an - wird
im günstigsten Fall noch archiviert.
- Post: Kommunikationsträger,
ebenfalls Vermittler von Informationen, öffentlicher aber
auch privater Natur. Transfer von Wissen, Geheimnissen und Geld.
-
Parkhaus: steht für Mobilitat. Ermöglicht den raschen
Zugriff zu einem Transportmittel. Ist Garant für die Geschaftswelt,
daß Ware rasch umgesetzt werden kann, ohne den Kunden in
Streß zu versetzen. Dies heißt jedoch nicht verweilen.
Der Schein trügt. Jede Sekunde kostet. Mobilitat ist damit
ein existentielles Prinzip, ein Grundprinzip unserer Zeit.
-
Überdachte Geschäftsgalerie: (mit Eingang zum Kaufhof)
Warentausch, Konsum. Angeboten werden: Kleidung, Schuhe, Fahrräder,
Lebensmittel, Teeladen, Geschenk-Haushaltsartikel. In der Passage
ein kleiner Hof mit Cafe, also direkte Kommunikation.
Die Topographie dieses Ortes, im sogenannten ,,Hinterhof" zum großen, von Touristen besetzten Marienplatz und der so stark frequentierten Sendlinger Straße, läßt sich also einerseits definieren durch das Prinzip (Zeit) "Vergänglichkeit" und andererseits durch das Prinzip (Ort) "Transit" im Sinne von Durchgangsverkehr oder im Sinne von "Transfer", nämlich Transport von Waren. Ort und Zeit behaupten sich jedoch nicht im konkreten Handlungsraum, sondern bereits im virtuellen Raum, bedingt durch die Gebäude, deren Inhalt und Aufgabe auf der Ebene neuer Medien undKommunikationsmethoden basieren (elektronische Datenübertragung, Vermittlung, bargeldloser Verkehr etc.) Ein solcher Ort ist zwar in seiner städtischen Struktur noch im traditionellen Sinne zu verstehen, enthält aber durch die Gebäude, die ihn markieren eine neue, zukünftige Dimension, nämlich den des virtuellen Raumes. So sehr er im Hintergrund des aktiven Geschehens der Innenstadt als vergessener Ort erscheinen mag, so sehr behauptet er sich durch die Bedeutung der Gebäude.
Das Lebensgefühl dieses Ortes bestimmt sich nicht wirklich durch die Architektur - vor allem auch deshalb nicht, weil sich kein Gestaltungswille erkennen laßt - sondern durch den Antagonismus "konkreter Alltags-Ort / nicht faßbare Inhalte". So entpuppt er sich bei naherer Betrachtung nicht etwa als ein verlorenes Nichts, sondern vielmehr als Ort zukünftiger Realitäten - vielleicht nüchtern, vielleicht illusionslos, ohne erkennbare Ästhetik, aber niemals kommunikationslos. Also vielleicht die neue Piazza des 21. Jahrhunderts, - ein Utopia à la Thomas Morus - wo die Erinnerung an die alte Piazza, auf der sich alles traf, sich austauschte, lachte und trank, eine neue Form erhält und die Sehnsucht nach dem Miteinander neue Kriterien zulassen muß.
Elisabeth Schweeger
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