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Angst und Schrecken Die Comic-Welt wird bedroht durch eine Asterix-Realverfilmung
Die treuen Fans des französischen Comic-Meilensteins werden
dennoch mit dem Schlimmsten zu rechnen haben, schließlich waren
schon die Zeichentrickverfilmungen völlig unzureichend, so daß
"Asterix und Obelix gegen Cäsar" - so der Arbeitstitel - nur eine
künstlerisch mindere Antäuschung eines Mega-Film-Werks werden
dürfte. Um Otto Waalkes, der gerüchteweise als Asterix gehandelt
wurde, sind wir zwar noch herumgekommen, und das Gedankenspiel mit
der Besetzung der Charaktere ist recht vergnüglich, aber die
Vorstellung, Gerard Depardieu über 90 Minuten in blau-weißen
Streifenhosen sehen zu müssen, verbreitet bei Comic-Lesern durchaus
noch Angst und Schrecken.
Das Gedrängel beim Pressetermin am
Drehort in München, Geiselgasteig, war dem großspurigen Anlaß
entsprechend groß, auch wenn die Journalisten nicht so recht
wußten, was man Schauspieler fragt, die Comic-Figuren darstellen
sollen. Gottfried John, der den Cäsar spielt, mußte Auskunft geben,
ob er nicht befürchtet, auf die Rolle festgelegt zu werden. Hardy
Krüger jr. (Tragicomix) wurde gefragt, ob er sich auf die Rolle
vorbereitet hat. Herbert Fux (Überdrus), der eingestand, nie einen
Asterix-Comic gelesen zu haben, aber den Spruch "Die spinnen, die
Römer." kannte, wurde aufgefordert, den Satz zu interpretieren.
Der Star der Konferenz machte sich rar, doch Gerard Depardieu hatte schon lange vor der Verfilmung verlauten lassen, daß er leidenschaftlich gern den Obelix spielen würde. Asterix-Darsteller Clavier sorgte für Skepsis in der Reihe der Experten, denn er ist zwar klein, aber ziemlich schwarzhaarig und seine Nase ist wenig knollig, sondern eher hakenförmig. Roberto Benignis kinnloses Clowns-Gesicht von der Seite betrachtet, dazu die nach oben gebogenen Augenbrauen, das paßt schon besser in den gallischen Comic-Kosmos Trotzdem schien keiner der Schauspieler von dem Projekt herzlich begeistert zu sein, nur Marianne Sägebrecht (Gutemine) referierte über die leuchtenden Augen der Menschen jeden Alters, wenn sie von Asterix hören. Dieses Leuchten dürfte schätzungsweise just in dem Moment erlöschen, da sie von der Realverfilmung erfahren.
Asterix-Erfinder Albert Uderzo, der höchstpersönlich angereist war, hielt sich eher im Hintergrund und beschränkte sich auf diplomatische Statements. Was soll er auch groß sagen, nachdem er sein Lebenswerk für solch niedrige Zwecke verschachert hat. Eine Journalistin vom Bayrischen Rundfunk, die ihn interviewen wollte, beklagte verzweifelt den Verlust ihrer gesamten Englischkenntnisse: "My English is gone. I can't speak English any more." Halb so schlimm, Monsieur Uderzo hätte eh kein Wort versanden. Die "große europäische Filmwelt" werden wir wohl alle noch üben müssen.
Richard Oehmann