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aufstieg und fall der photographie
besprechung
Von Louis Auguste Bisson dem Älteren wird sogar vermutet, daß er die Ausbildung durch Daguerre persönlich genoß. Seinen Ambitionen in der Chemie und einem regen Forschungsgeist ist es zu verdanken, daß er bald darauf verschiedene Patente zur Beschleunigung der Belichtungszeit sowie zur Beschichtung der Metallplatte per Elektrolyse anmeldete. Stilistisch blieb er aber konventionell und damit hinter seinem jüngeren Bruder und Geschäftspartner Auguste Rosalie zurück.
Porträtdaguerrotypien galt ab 1841 als erste Einnahmequelle die Aufmerksamkeit. Jedoch, so will es das Historikerurteil, nur von der starken Persönlichkeit eines Victor Hugos, der übrigens fürchtete, daß er per Aufnahme seiner Seele entledigt werde, gelang ein ausdrucksstarkes Bildnis. Das Jahr 1851 ist dann als großer Wendepunkt der Entwicklung allgemein angesehen. Das talbotsche Negativ-Positiv-Verfahren löste auch in Frankreich die Daguerrotypie, die nur Unikate hervorbringen konnte, ab. Ein Jahr später gründen die Brüder ihr Unternehmen „Bisson Frères“.
Doch merkwürdigerweise, und das kann auch die Forschung bislang
nur unzureichend erklären, versuchten die Geschäftspartner nicht,
einen der nun grassierenden staatlichen Aufträge an sich zu ziehen.
Hie und da lieferten sie Reproduktionen für Bücher oder fertigen
für Privatpersonen. In erster Linie traten sie als Verleger auf und
versuchten Architekturansichten an den Mann zu bringen. 1854 erzielten
sie im Zuge dessen mit einem Panorama von Paris Aufsehen, das aus drei
Positiven zusammengesetzt die Maße 105x45cm aufwies.
1856 bezog man ein luxuriöses Atelier am Boulevard des Capucines,
ermöglicht durch die Kapitalanlage eines stillen Teilhabers. Nachdem
dieser seine Einlage zurückforderte, war der Konkurs des Unternehmens,
der 1863 eintrat, nur noch eine Frage der Zeit. Dabei orientieren sich
die Bissons beinahe starrköpfig noch immer nicht an lukrativen Modeerscheinungen,
wie z.B. die der Carte de Visite, einem kleinformatigen Porträtbild,
mit dem Kollege Disdéri sein großes Geld machte.