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das imperium schlägt zurück -
besprechung
Der Direktor der Staatlichen Museen Berlins, der - man wird sich
erinnern - ein kurzes Intermezzo als Leiter der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen
gab, kam zur Eröffnung einer Ausstellung ins Münchner Haus
der Kunst. Daran wäre an sich nichts besonderes, doch handelte
es sich um eine Premiere der besonderen Art.
Vorgestellt wurde die Sammlung Brandhorst, deren fulminante Kollektion
von Werken des 20. Jahrhunderts die alten Räume der Statsgalerie
für Moderne Kunst noch bis zum 8. Oktober in selten gesehener
Pracht erstrahlen läßt. Steht man im zentralen Saal und
läßt den Blick umherschweifen, drängt sich der Vergleich
mit dem Hamburger Bahnhof in Berlin auf und man ist versucht, den
Coup der Münchner Kulturpolitik, die bedeutende Sammlung dem
Freistaat für seine Pinakothek der Moderne gesichert zu haben,
als Punktgewinn gegenüber dem "Erzrivalen" anzurechnen.
Von dieser Rivalität, die genau vor hundert Jahren die kulturpolitischen
Beziehungen zwischen München und der Reichshauptstadt prägten,
will heute freilich niemand mehr etwas wissen. So dokumentiert der
Besuch von Peter-Klaus Schuster, die Zustimmung der Berliner. Allerdings
wird er wohl auch keine grosse Wahl gehabt haben, denn immerhin ist
es auch seinem Engagement als ehemaliger Direktor der Bayerischen
Staatsgemäldesammlungen zuzuschreiben, dass diese großzügige
Spende an den Freistaat ging und nicht an ein Museum im Rheinland,
wie ursprünglich geplant.
Die Sammlung von Udo und Anette Brandhorst ist mehr als nur eine Ergänzung zu den Beständen der Staatsgalerie (die sich schon zuvor durch zahlreiche Schenkungen, etwa der Theo-Wormland-Stiftung, nicht zu verstecken brauchten). Doch nun können sich die Staatlichen Museen mit zeitgenössischen Künstlern wie Bruce Nauman, Mike Kelley, Alex Katz, Damien Hirst, Katharina Fritsch oder Rebecca Horn schmücken und ihre Schätze werden ergänzt durch weitere Werke wie Warhol, Beuys, Polke oder Richter. Besonders hervorgehoben werden muß aber die Affinität der Brandhorsts also der Sammler zu Cy Twombly, in dessen Arbeiten die Malerei mit der Schrift eine ebenso starke Beziehung eingeht wie - auf ganz anderer Ebene freilich - in der nahezu vollständigen Sammlung der illustrierten Bücher von Pablo Picasso. In den Bann ziehen aber auch kleine, eher unscheinbare Arbeiten, wie etwa die kleinen Kollagen von Schwitters (nie hätte ich zuvor geglaubt, ich könnte mich in einen Schwitters verlieben) oder die Zeichnungen von Malewitsch.
Doch ohne Frage wird das, was letztlich als Pinakotheken-Verbund mit den nahegelegenen Häusern der Glyptothek, des Lenbachhauses und der zahlreich sich dort ansiedelnden Galerien das Kunstzentrum München bilden; kultureller Magnet, der tausende von Touristen täglich anziehen wird und gegen den sich andere Institutionen in der "Peripherie" behaupten werden müssen. Das Kunstzentrum oder "Museumsforum" (wie der Bayerische Staatsminister für Kunst Hans Zehetmair sein Kind nennt), wird es getrost mit Berlins Kulturforum aufnehmen können. Dieses wird kaum auf den Münchner Paukenschlag reagieren können, denn zuerst muß es sich selbst gegenüber den gigantomanischen Kommerztempeln in der unmittelbaren Nachbarschaft am Potsdamer Platz in Szene setzen. Hier wie dort herrscht also kulturelle Anspannung.