kunst_article
der schöpfer
besprechung
Es hat lange gedauert, bis die Kunstwissenschaft die Photographie für betrachtungswürdig erklärte. Bezeichnenderweise war es dabei die wechselseitige Beziehung zwischen Malerei und dem 'neuen' Bildmedium, die im Zentrum des Interesses stand. Dabei wurde jedoch meist der Standpunkt vertreten, es sei entweder gegen die Photographie gemalt oder gegen die klassische Malerei photographiert worden. Die Kunstwürdigkeit der Photographie sollte im Rahmen dieser Fragestellung genauso bewiesen werden, wie die ungeschwächte Bedeutung der Malerei. Daß für einen Künstler jedoch andere Kriterien zählen, das vermittelt die Ausstellung im Stadtmuseum eindrucksvoll.
Die Postkarten von afrikanischen Eingeborenen sind jedoch auf eine ganz besondere Art aufschlußreich. Für den Künstler fungierten die Aufnahmen der nackten Eingeborenen quasi als archaische 'Modelle', die er auf seiner Suche nach der reinen, 'primitiven' Form gebrauchte. Ihn mag nicht interessiert haben, daß diese Aufnahmen den touristischen (imperialistischen) Blickwinkel auf die exotischen Dinge einnehmen, denn es ist der westlich, 'zivilisierte' Photograph (und Betrachter), für den die Menschen hier posieren.
Auch die Künstlerselbstdarstellungen erscheinen ob ihrer Direktheit weniger spannend. Häufig inszeniert sich Picasso, mal als kraftstrotzender Potenzling, mal als halbseidener Intellektueller. Was uns an diesen Aufnahmen fasziniert, resultiert vor allem aus unserem Bedürfnis, den Menschen Picasso zu ergründen. Von vergleichbarer Neugier geprägt, ist auch unser Blick auf die Lichtbilder, die den Entstehungsprozeß seiner Werke dokumentieren. Dieses ist auch insofern interessant, da hier der Photoapparat dem Künstler dazu diente, eine Distanz zwischen sich und dem Werk aufzubauen. Schon in der Renaissance empfahl man das 'Spiegelurteil', um so die Wirkung des Bildes 'objektiver' beurteilen zu können. Den Spiegel ersetzte hier die Photographie.
Die Postkarten von afrikanischen Eingeborenen sind jedoch auf eine ganz besondere Art aufschlußreich. Für den Künstler fungierten die Aufnahmen der nackten Eingeborenen quasi als archaische 'Modelle', die er auf seiner Suche nach der reinen, 'primitiven' Form gebrauchte. Ihn mag nicht interessiert haben, daß diese Aufnahmen den touristischen (imperialistischen) Blickwinkel auf die exotischen Dinge einnehmen, denn es ist der westlich, 'zivilisierte' Photograph (und Betrachter), für den die Menschen hier posieren.
Auch die Künstlerselbstdarstellungen
erscheinen ob ihrer Direktheit weniger spannend. Häufig
inszeniert sich Picasso, mal als kraftstrotzender Potenzling,
mal als halbseidener Intellektueller. Was uns an diesen Aufnahmen
fasziniert, resultiert vor allem aus unserem Bedürfnis,
den Menschen Picasso zu ergründen. Doch: "die Photographie
lügt". Diese Auffassung teilte Picasso mit Rodin, der dennoch
vergleichbar intensiv mit dem Medium experimentierte. Von vergleichbarer
Neugier geprägt, ist auch unser Blick auf die Lichtbilder,
die den Entstehungsprozeß seiner Werke dokumentieren. Dieses
ist auch insofern interessant, da hier der Photoapparat dem Künstler
dazu diente, eine Distanz zwischen sich und dem Werk aufzubauen.
Schon in der Renaissance empfahl man das 'Spiegelurteil', um
so die Wirkung des Bildes 'objektiver' beurteilen zu können.
Den Spiegel ersetzte hier die Photographie.
Über Picassos
Verhältnis zur Photographie lernen wir hier jedoch auch
noch nichts Entscheidendes, auch wenn er oftmals selbst hinter
der Kamera steht. Erst mit seinen photographischen Experimenten
wird sein Interesse an dem Medium mehr und mehr deutlich, und
das nicht nur weil es durch 'Verfremdungstechniken' einen 'Kunstcharakter'
bekommt. Picasso beschneidet Negative, zeichnet auf Abzüge
und kombiniert photographische und druckgraphische Techniken.
Eindrucksvoll gestaltet er seine Bildräume, und mehr und
mehr wird deutlich, daß er die Photographie als künstlerisches
Ausdrucksmittel mit ganz spezifischen Qualitäten versteht.
Er spielt mit dem Trug, dem das Auge zum Opfer fällt, wenn
es hinter dem Bild einen Realraum vermutet; der klassische Gegensatz
von Motiv und Hintergrund wird aufgehoben. Es verschwimmen die
Realitätsebenen, die räumlichen und zeitlichen Koordinaten.
Seine photographischen Arbeiten vermitteln die gleiche nicht
zu bremsende kreative Energie wie seine Zeichnungen, Gemälde
oder Skulpturen, sofern man sich von dem klassischen Vorurteil
freimacht, die Photographie könne nur als Hilfsmittel gedient
haben. Mit dieser Einsicht kann man sich dann auch getrost nochmals
den eben kritisierten Aufnahmen zuwenden, um sie aus neuem Blickwinkel
zu betrachten und den schöpferischen Geist Picassos auch
hier zu entdecken.
Im Archiv des Musée Picasso schlummern ca. 17.000 Photodokumente. Eine ungeheure Sammlung, die für den schöpferischen und allumfassend interessierten Geist Pablo Picassos spricht und die für die kommenden Jahre noch weitere spannende Entdeckungen erhoffen läßt.