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Die Ausstellung in der

Besonders die Fotomontagen und Portraits, die an die gemeinsame Arbeit mit Ellen Auerbach in dem Fotostudio „ringl + pit“ erinnern, stechen hervor. Die Fotomontagen Ende der 40er Jahre, die die fotografische Illustration der interpretierten Texte der Serie „Die Psychoanalyse wird Ihnen helfen“ in der Frauenzeitschrift „Idilio“ darstellen, faszinieren durch ihre Zeichenhaftigkeit, die nicht nur auf eine Wirklichkeit außerhalb des Bildes verweisen, sondern auch auf eine andere Welt, als der von uns rational erfaßbaren. Betrachtet man Bilder wie „Elektronische Haushaltswaren“ oder „Made in England“ auf der semiotischen Ebene wird der erweiterte Begriff von Wirklichkeitsreproduktion, den Grete Stern hier anklingen läßt, deutlich. Die Auffassung von Fotografie in der Funktion von Reproduktion, hat sie von ihrem Bauhauslehrer, Walter Peterhans, übernommen und in diesen Fotomontagen weiterentwickelt. Wenn Fotografie eine nicht reale Welt, die der Träume, reproduzieren soll, dann nur mit den Mitteln der Zeichen, die, jedes für sich, bedeutungsbeladen sind und erst im gemeinsamen Zusammenspiel einen neuen Kontext bilden. Die hierzu gewählte Technik der Fotomontage und die Art ihrer Handhabung weist Grete Stern als eine herausragende Fotografin aus.
Stark an die funktionale Auffassung der Fotografie des Bauhauses anlehnend, unterscheiden sich die Portraitbilder gerade von den Landschafts- und Städteaufnahmen. Das Melancholisch-Ernsthafte, das von diesen Portraitaufnahmen ausgeht, zeigt ihre Stärke. Die sensibel hinter die Fassade des Gesichtes schauenden Aufnahmen zeigen das Wesen und Schicksal der einzelnen Person. Durch ihre untheatralische Präsentationsform und Technik, durch die die Menschen seltsam farblos und flach erscheinen, schafft die Fotografin eine Direktheit im Ausdruck, die nicht von dem direkten Blick in die Kamera stammt, sondern von der Gesamtpräsenz der Menschen im Bild.

Einen neuen Abschnitt von Fotografie beginnt Grete Stern mit ihrer sozialkritischen Reportagefotografien Mitte der 60er Jahre, in der sie das Leben der „Indios di gran chaco“ darstellt. Gerade die Arbeiten seit den 60er Jahre unterscheiden sich grundlegend von ihrem Frühwerk. Die Kraft und Funktionalität ist der harmonischen, beobachtenden Wiedergabe von Wirklichkeit gewichen. Ihre subtiles Gespür für Stimmungen und Beziehungen innerhalb des Bildes kommt auch hier zum Ausdruck.

Extra zur Eröffnung der Ausstellung ist Ellen Auerbach aus den USA angereist. Sie erzählte lebhaft Geschichten aus der gemeinsamen Zeit im Studio „ringl + pit“, die das gegenseitige Beeinflussen der beiden Bauhausschüler näher beleuchten und Lust macht, mehr aus dieser Zeit zu sehen, da die Arbeiten, die im Studio "ringl + pit" entstanden sind wohl ihre stärksten waren. Leider findet die Ausstellung in den unteren Räumen der Villa Stuck statt, da die übrigen von der Jubiläumsausstellung Franz von Stucks belegt sind.