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die pinakothek der moderne - ein centre pompidou
besprechung
Weitaus schwieriger
gestaltet sich jedoch die Zusammenarbeit mit den anderen beiden Institutionen,
die als Nutzer der Pinakothek der Moderne vorgesehen sind. Die Graphische
Sammlung, deren Schwerpunkt eindeutig nicht auf modernen Werken, sondern
auf Klassikern von Leonardo bis Cézanne liegt, wird sich in den neuen
Räumen schwer tun. Zwar plant man, auch weiterhin in der Alten und
der Neuen Pinakothek Ausstellungen präsentieren zu können - doch wird
man dort den Gast "Graphische Sammlung" zunehmend weniger herzlich
aufnehmen, wenn die Sammlung erst einmal eigene Schauräume in der
Pinakothek der Moderne bezogen hat. Das heißt, dass eine feinlinige
Dürerzeichnung demnächst eben nur noch im Kontext von quäkenden Computerinstallationen
und krachendem Design zu sehen sein wird. Natürlich gibt es innerhalb
der Pinakothek der Moderne noch eine räumliche Trennung der vier Nutzer,
doch ist die Architektur von Braunfels so angelegt, dass alle Abschnitte
miteinander kommunizieren --auch dort wo nicht viel zu kommunizieren
ist. Dasselbe Problem wird das Architekturmuseum haben. Die Highlights
dieser Sammlung stammen vielfach aus dem 19. oder auch 18., gar 17.
Jahrhundert. Wird man, wie beabsichtigt, weiter historische Ausstellungen
mit diesem Material machen, und damit die Epochengrenze, die die Bezeichnung
"Pinakothek der Moderne" beinhaltet, verletzen? Oder wird man, der
Harmonie im Hause zu liebe, verstärkt Architekten des 20. Jahrhunderts
zeigen?
Die eine Lösung
scheint genauso unbefriedigend wie die andere. Jetzt rächt sich, dass
München nicht frühzeitig ein wirkliches Museum für die Moderne geplant
hat. Stattdessen müssen jetzt alle bisher baulich vernachlässigten
Institutionen unter dieselbe Decke schlüpfen. Und da zieht's: von
mindestens zwei Richtungen.
nina zimmer