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Die sichtbaren Macher
Zwischenbilanz vom 27. Internationalen Dokumentarfilmfestival München
Von Natascha Gerold
Das wichtige Wochenende beim Dok.fest München ist gleich rum. Wichtige Themen der Filme waren die Erinnerung, die faszinierendste aller (Un-) Fähigkeiten des menschlichen Gedächtnisses, und die Einsamkeit, die schmerzhafteste aller Empfindungen – mitunter auch als gnadenloses Duo. Vor allem eines konnte man bei den Filmen des Dok.fests bislang beobachten: Dokumentarfilmer von heute stellen sich für ihre Arbeit zunehmend selbst vor die Kamera oder sind aus dem Off zu hören. Sie werden unmittelbar sichtbar und hörbar und bekunden ihre subjektive Sichtweise von Beziehungen oder Ereignissen. Objektivität, die im Dokumentarfilm ohnehin nur eine Behauptung sein kann, wird mit dieser deutlichen Positionierung als gestaltender und vermittelnder Autor als obsolete Konstruktion verabschiedet. Bei vielen Filmen wird klar, dass Selbstreferentialität auf Macher und Medium dringlicher sind denn je.