kunst_article
dokumentarist der deutschen
besprechung
Stefan Moses Werk ist eine Mischung aus Konzept- und Lifefotografie.
So hat er beispielsweise ausgestorbene oder im Aussterben begriffene
Berufsgruppen wie Straßenbahnschaffnerinnen gleichsam auf einer Bühne
präsentiert. In ihrer Arbeitskleidung posierend, werden sie durch
ein im Hintergrund gespanntes Tuch aus der städtischen Kulisse herausgehoben.
Persönlich angesprochen wurde ich durch eine Abbildung von Schülerinnen
einer Gesamtschule in den frühen 1980er Jahren. Der Anblick von Karottenhosen,
Löchergürteln und Fönfrisuren weckten in mir Erinnerungen an eine
längst versunkenen Zeit, an meine Jugendzeit. Ähnlich dürfte es vielen
anderen aller Altersgruppen gehen, so dass Besucher einander zuraunen
können: "Weißt du noch - damals?".
Bekannt ist Stefan Moses auch für seine Porträts berühmter deutscher
Persönlichkeiten wie Theodor W. Adorno, Ingeborg Bachmann, Ernst Bloch,
Erich Kästner und weiteren Künstlern. Die deutsche intellektuelle
Elite fotografierte er vor einer für Deutschland symbolhaften, Kulisse
- dem "deutschen" Wald.
Wieder waren es deutsche Prominente, die für eine weitere Serie beeindruckender
Fotografien posierten: Stefan Moses fotografierte ihre Spiegelbilder.
Moses konfrontiert den Besucher mit sich selbst und führt nicht nur
vor. Dem Betrachter wird klar, dass er sich nur über sein Spiegelbild
kennt und hoffen kann, dass sich seine Mitmenschen annähernd das Bild
machen, das er selbst von sich hat. Jede Ausstellungseinheit wird
von kurzen, manchmal etwas zu philosophisch anmutenden Texten begleitet.
Deutschland und die Deutschen des vergangenen Jahrhunderts werden
eindrucksvoll in variierten Sichtweisen gezeigt, so dass Raum für
eigene Erinnerungen, Gefühle und Meinungen bleibt.