kunst_article
Einen Zugang zu dieser Ausstellung zu finden, ist zunächst
Doch auch Ernstes hat "Deep Storage" zu bieten. Piero Steinles und Julian Rosenfeldts Gemeinschaftsarbeit "Detonation Deutschland" erregte bereits 1996 in der Münchner Orangerie Aufsehen. Die Videoinstallation zeigt auf sieben Leinwänden im abgedunkelten Raum Gebäudesprengungen in Deutschland, chronologisch sortiert von 1945 bis heute (Bild). Die dokumentarische Zusammenfassung verzichtet auf Stilisierung und fasziniert durch die Visualisierung der Katastrophe. Geschichte wird wachgerufen und Gedanken über die Vergänglichkeit ebenso wie Gefühle des Verlustes. Bernd und Hilla Bechers "Wassertürme" (1963-93) als Antithese können im Anschluß an dieses Erlebnis nur steril wirken.
Christian Boltanskis beklemmende Installation "Archives of the Carnegie International 1896-1991" (1991), leitet durch einen schmalen Gang von deckenhoch aufgetürmten rostigen Blechkisten mit unzähligen Künstlernamen und weckt Friedhofsatmosphäre. Erinnern wird hier vom Kollektiven zum Persönlichen geleitet und führt hin zu der dokumentarischen Fotoserie Ute Weiss-Leders "Intimate Spaces - Chicago" (1995), für die Fotografien von Tätowierungen mit Bildern der Küchen des Tätowierten kombiniert wurden.
Die "Camera Silens" Olaf Arndts und Rob Moonens (1994) zwingt den reizüberfluteten Betrachter an dieser Stelle zum Nullpunkt. Eine schallgedämpfte Stahlkammer erlaubt es einzelnen Besuchern, auf einem Zahnarztstuhl zwischen weißen Schaumstoffwänden Abstand zu nehmen. Das Anti-Archiv bietet die Möglichkeit, einen Ausgangspunkt für eigene Erinnerungs- und Sammeltätigkeit zu finden. Die Künstler empfehlen eine durchschnittliche Verweildauer von 10 Minuten - wenig Zeit, um sich nach einer solchen Fülle von Information zu sammeln, sollte man meinen; doch noch vor Ablauf der Zeit wird die absolute Stille unerträglich und der Rückschritt in die Bilderwelt dieser erlebenswerten Ausstellung zur Erleichterung.