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farbe! experimentelle malerei bei häusler
besprechung
Noch bis zum 6.
Juli sind in einer Gruppenausstellung Werke unter dem Titel "Farbe!"
in der Galerie Häusler Contemporary zu sehen. Obwohl sich auf den
ersten Blick einige der Exponate jenseits des Mediums der Malerei
zu bewegen scheinen, stellt sich die Ausstellung das Ziel, experimentelle
Malerei mit dem Schwerpunkt Farbe zu präsentieren.
Besonders ins
Augenmerk fällt Sébastien de Ganay, der sich von der Leinwand
distanziert und als Malgrund Kunststofffolie verwendet. Entweder spannt
er sie konventionell wie Leinwand auf oder verarbeitet sie beispielsweise
zu beutelartigen Objekten. Dabei integriert er dreidimensionale Formen
wie Würfel, die in die farbgetränkte Folie gewickelt werden. Durch
die Bewegung des Würfels an der Innenseite der Kunststofffolie werden
Farbschlieren sichtbar.
In gleicher Tradition arbeitet Fabian Marcaccio. Computermanipulierte
Fotos (oftmals aus einem politischen Kontext) werden im Siebdruckverfahren
auf Leinwand abgebildet. In einem nächsten Schritt überarbeitet er
das Motiv mit Pinselstrichen. Dadurch, dass er den Pinsel in flüssiges
Silikon taucht, erreicht er eine plastische Wirkung.
Ein Gegensatzpaar der Ausstellung bildet das Oeuvre der beiden Künstlerinnen
Ingrid Calame und Jessica Stockholder. Während Ingrid
Calame Motive aus dem Räumlichen in die Fläche überträgt, will Jessica
Stockholder die Malerei von der Zweidimensionalität befreien.
Ingrid Calame bestreitet den Weg zur Fläche, indem sie auf ihren Gemälden
mit dem Computer bearbeitete Zeichnungen oder Fotos von Strukturen
oder Flecken abbildet. Diese kopiert sie von der Straße oder findet
in konkreten Räumen. Im Bild werden sie farbig hervorgehoben. Bemerkenswert
in Jessica Stockholders Werk ist der Einbezug von vorgefundenen Materialien,
wie zum Beispiel einer abgebrochenen Holzleiter, die gestaltet wird.
Auf diese Weise erinnern ihre Arbeiten eher an Skulpturen oder Installationen
als an Malerei.
Zusammen mit diesen jungen und jüngsten Positionen werden wenige Arbeiten
von Mary Heilmann gezeigt. Diese Malerin, die im malereifeindlichen
Kontext der 70er Jahre neue malerische Strategien anwandte, wird als
eine Art Vorläuferin der heutigen postmodernen Malexperimente präsentiert.
In komprimierter
Form wird dem Besucher der Ausstellung nicht nur der Aspekt der Farbe
zeitgenössischer experimenteller Kunst dargelegt, sondern auch die
unterschiedliche Umsetzung der Räumlichkeit in der Malerei vermittelt.