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fotoform und toni schneider
besprechung
1949 wurde die Gruppe fotoform gegegründet, als Reaktion auf die Ausjurierung zu einer Ausstellung in Neustadt, die, so ein zeitgenössischer Beobachter, sonst nur „kleinbürgerliche Überlieferung“ zu bieten hatte. Wolfgang Reisewitz, Peter Keetman, Siegfried Lauterwasser, Otto Steinert, Heinz Hajek-Halke, Christer Christian sowie Toni Schneiders wurden Mitglieder. Auf der photokina 1950 gelang der Gruppe der Durchbruch, ein Journalist bezeichnete sie gar als „Atombombe im Misthaufen“.
Eine drückende Lücke klaffte in der Kunstlandschaft, die man nur durch Eigeninitiative füllen konnte. Die „zornigen jungen Männer“ schlossen sich vielleicht auch deshalb zu fotoform zusammen, weil sie innerhalb der Gruppe Halt suchten gegen die herrschende Orientierungslosigkeit. Dafür spricht, daß sie ihre Werke rigiden Maßstäben unterwarfen. Nur Bilder, die von allen Mitgliedern auf der Rückseite des Abzugs abgesegnet wurden, durften unter dem Gruppennamen ausgestellt werden.
Wie sieht sie aber nun aus, die fotoform-Fotografie? Karl Steinorth
schrieb, ihr Ziel war das „geformte Foto“... Am besten erklärt
die Intention vielleicht eine Aufnahme von Reisewitz: In ein stilles Studio
mit einem konventionellen Aufbau für ein Stilleben bricht mittels
Doppelmontage ein Treppenhaus mit aller Gewalt ein und wirft die räumliche
Orientierung um, zerreißt die Stille, läßt die temperierten
Lichtverhältnisse bersten. Die Bombe bringt die Kleinbürgerlichkeit
zum Einsturz. Doch ist das Treppenhausrepertoire von den Tendenzen der
20er Jahre überkommen und stellt nicht eigentlich etwas neues dar.
Toni Schneiders Fotos sind weniger spektakulär. Sie erscheinen hin- und
hergerissen zwischen figurativer Darstellung und formaler Konzentration.
Die „Spiegelnden Scheiben“ von 1952 zeigen es: der Mensch hinter dem Glas
verschwindet nahezu zu Gunsten der überbordenden Spiegeleffekte in der
Scheibe. Zum Ausdruck der menschlichen Einsamkeit ging Schneiders nicht
nahe genug ran. Das Fenster wollte er doch ganz aufnehmen, da geriet der
Mensch ins Hintertreffen. Die formale Abstraktion wird aber von dessen
schweigender Silhouette unterbrochen. Wie bei Reisewitz wendet man sich
einmal diesem, dann wieder jenem Bild im Bild zu, und dieser Dualismus
vermag die stilistische Unsicherheit nach dem Krieg am besten widerzuspiegeln.