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gustav
besprechung
"Sammeln, Speichern, Archivieren in der Kunst" lautet der Untertitel der Ausstellung, die vor allem in der Gegenwartskunst fündig geworden ist. Die Ortsmetaphern Archiv/Sammlung, Atelier, Kiste und Datenraum helfen bei der Orientierung und zahlreiche Texttafeln zu den einzelnen Werken befriedigen das offensichtlich hoch eingeschätzte Informationsbedürfnis der Besucher. Konzeptuell geht es weiter mit Hanne Darbovens "Wunschkonzert - 144 Gedichte" (1984), für das die Künstlerin die Verslängen der Gedichte in ein musikalisches Notensystem übertragen hat. Dieses logische Gedankenpiel steht in Opposition zu Andy Warhols "Time Capsules" (1964-1987), die eigentlich aus Pappkartons bestehen, in denen der Pop-Papst all die Dinge verpackte, von denen er sich nicht trennen wollte. Einpacken gehört untrennbar zum Sammeln dazu, das ist eigentlich jedem klar, doch in dieser Ausstellung wird deutlich, das der Verpackung in der Kunst ein eigener Stellenwert zukommt. Bei Richard Artschwager kann sie sogar zum Selbstzweck werden. Transportkisten für Ausstellungsstücke zeigt er - aber es sind keine Kunstwerke drinnen, ist anzunehmen. Bei Wilhelm Mundt weiß man, was drin ist: Müll. In den "Trashstones" wird in Plastik eingeschweißter Ateliermüll entsorgt. Sehen will man den vielleicht gar nicht, aber man kommt nicht darum herum, denn gleich gegenüber steht Armans "Poubelle" (1971), immer wieder eklig, und man fragt sich, durch wieviele Ausstellungen dieser Abfall noch wandern soll, bevor er anfängt zu stinken. Ästhetik des Häßlichen.