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junge comic-zeichner aus spanien
besprechung
Sicher, da ist Miguelanxo Prado, ein international bekannter Künstler,
und man erinnert sich auch, dass Clever und Smart aus der Feder eines
Spaniers stammt. Aber das sind zwei Extreme, das eine ein routiniert-kommerzieller
Serien-Funny, das andere vielschichtige, sensible, aber auch bitterböse
Autorencomics, die zu recht als Werke von Weltrang gelten. Dazwischen
ist vieles möglich, was die Bandbreite der von den NachwuchszeichnerInnen
eingesetzten Stile und Techniken eindrucksvoll belegt. Erstaunlich
auch, dass offenbar niemand von ihnen in die stilistischen Fusstapfen
der großen nationalen Galeonsfiguren, also etwa eines Prado
oder gar des zuletzt mit Alexandro Jodorowsky im Team verbundenen
Juan Gimenez treten will. Diese jungen Talente verfügen alle
über einen mehr oder minder unverwechselbaren Stil.
Da ist vor allem der 30jährige erste Preisträger, Francisco
José Marchante, dessen Panels sich bei genauerer Betrachtung
als auf Glas gemalte Positivformen entpuppen, die vor einem hinterlegten
dunklen Untergrund wie die Negative eines Films erscheinen und eine
ganz eigenwillige, traumhafte Stimmung ausstrahlen. Als das Künstlerpaar
"Juan Sin Miedo" treten die Zweitplazierten, Alfonso Abad
und Germin Tejerina auf. Sie experimentieren mit verschiedensten Ästhetiken,
darunter auch der mittelalterlichen Buchmalerei, die sie beispielsweise
in eine aberwitzige, ungemein authentisch wirkende Version der Cid-Legende
ummünzen.