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münchen im kunstlicht - ein schnellschuß
besprechung
So bleibt etwa unerklärlich, warum die Wahl auf die New Yorker Künstlerin Jenny Holzer gefallen ist. Hat Jenny Holzer doch schon im Literaturhaus bewiesen, daß ihre Kunst nicht nur teuer, sondern mitunter auch ziemlich flach ist, schießt sie im Kunstlichtprojekt den Vogel ab. Da hängen müde Transparente zwischen Baustellen, temporären Rigipswänden und einem Kabelgewirr lose und verdreht im Wind und verbreiten Weisheiten wie „Reise mit leichtem Gepäck". Gesetz dem Fall, daß man über 100%ige Sehstärke verfügt (die Transparente sind nicht beleuchtet, und die fluoreszierende Farbe der Buchstaben ist inmitten erleuchteter Schaufenster natürlich nicht zu sehen), sollen dem erschöpften Weihnachtseinkäufer hier offenbar schnell noch einmal die Schlechtigkeiten der Welt eingeimpft werden, bevor er berauscht vom Glühweinduft weiter zieht: Konsum, Gewalt und unverantwortliche Leichtlebigkeit werden in kurzen, pseudophilosophischen Sätzen angeprangert, um gleichzeitig - laut Veranstalter - oberflächliches Schauen zu kritisieren. Ob solche Sätze wie der oben genannte dabei wirklich etwas bewegen können (oder wollen) bleibt doch mehr als fraglich.
Daß Jenny Holzer sich der Oberflächlichkeit auch selbst nicht ganz erwehren kann, wird einem spätestens in der Begleitausstellung des Kommunikationszentrums klar: Mit ihren moralschweren Sinnsprüchen wurde Holzer in München im Zusammenhang mit den vergewaltigten Frauen Jugoslawiens bekannt. In einer Künstleredition des SZ-Magazins zeigte sie auf tätowierten Hautflächen Sätze, von der vor allem einer besonders prägnant war: „Protect me from what I want". Die Assoziation dieses Satzes mit einem potentiellen Vergewaltiger war dabei gleichermaßen erschütternd wie eindrucksvoll. Den gleichen Satz hat Holzer nun auf einem Rennwagen der Marke BMW (und als Disco-Spot auf der BMW-Party) verwirklicht. Daß sich bei einer solchen Beliebigkeit in Hinsicht auf das Sujet auch der moralischste Zeigefinger einmal abnützt, dürfte schließlich auch Jenny Holzer nicht verborgen bleiben. Und wenn doch, dann nur, weil die Künstlerin weder bei dem Aufbau ihrer Arbeit noch bei der Eröffnung anwesend war. Das Risiko, daß der Kunstort eine Baustelle und die Installation technisch völlig unbefriedigend ist, hat sie dabei wohl in Kauf genommen. Schließlich wird bei einem Gesamtbetrag von 1,5 Millionen für das ganze Projekt immerhin ihre Gage zufriedenstellend gewesen sein !
Etwas aufwendiger zeigt sich da das Projekt von Marco Gastini.
In der Liebfrauenstraße leuchtet vor schönster Domkulisse ein bunter
Lichterzauber aus Buchumrissen. Worte wie Sensibilität, Geste oder
Malerei sollen dem Betrachter die Poesie näher bringen, ihn vielleicht
sogar „erleuchten". Daß die Nähe zum Christkindlmarkt, ein paar Meter
nur, dabei ein wenig aufdringlich ist, stört nur denjenigen, der merkt,
daß es sich hier um Kunst und nicht um eine ungewöhnliche Weihnachtslichterkettenbeleuchtung
handelt. Und das sind in dem Umfeld der gut besuchten Fußgängerzone
wohl kaum besonders viele.
Kiki Smith und Ugo Dossi haben mit ihrem Kunstlicht
auf Bewährtes zurückgegriffen: Kiki Smith hat mythologische Figuren
und allerlei Nachtgetier an Drahtseile gehangen, die die Residenzstraße
durchspannen und vor allem Kinder erfreuen dürften. Und Ugo Dossi
hat weiße Tafeln in der Sendlingerstraße aufgestellt, auf denen im
Takt der U-Bahnen verschiedene Motive als Blitzlichter auftauchen.
Dabei muß man sich viel Zeit nehmen, um zu erkennen, welche Motive
sich auf den Tafeln abzeichnen (etwa die Gesetzestafeln oder ein küssendes
Paar), obwohl - auch wenn man meistens nichts sieht - die Verbindung
von öffentlichem Raum und öffentlichem Verkehrsmittel als Konzept
zumindest gut ist.