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nächtliches?
besprechung
Das Umfeld des Menschen war schon immer das, was ihn prägte, weil er darin leben und handeln mußte. Er muß es gestalten und bearbeiten, um seinen Raum zu finden, indem er für sich eine Ewigkeit spüren kann. Vielen Menschen erscheint die Nacht oft ewig lang, doch sind auch gerade nachts viele besonders aktiv. Dem Thema " Nacht" wurde in der Galerie der Künstler eine Ausstellung gewidmet.
Am Anfang steht die Grundfrage: Wer ist und was macht der Mensch?
Wo steht der Mensch?
In den Installationen von Robert Hutterer- derzeit in der Galerie
der Künstler zu sehen - steht er nicht, nirgends. Entweder wird der
leblose Menschenleib im Sand vergraben um anschließend wieder ausgegraben
zu werden, oder er hängt, an den Beinen festgemacht, in der Luft und
dreht sich unaufhörlich im Kreis. Der Kopf ist abgeschnitten. Die
Zirkelhaftigkeit des Geschehens ist unübersehbar. In der ewigen Kreisdrehung
ist der leblose Körper gefangen und erträgt, daß an ihm gehandelt
wird. Es entsteht ein Kontrast zwischen der Passivität des Körpers
und der Aktivität der anonym bleibenden Handelnden.
"Ich befrage die Welt, die nie lange genug stillsteht, um überzeugende
Antworten zu geben."
So lautet der Kommentar, der um den Körper, der mit Sand zugeschüttet
wird, projiziert wird. Ja, sie muß sich ununterbrochen im Kreis drehen
und so, wie man keine Antwort erhält, kehren auch die Fragen immer
wieder.
Der zweite Künstler Herbert Nauderer beschäftigt sich in der
Hauptsache mit Köpfen und mit Musik. Er spricht persönlich an. Durch
spontane musikinspirierte Gesten wachsen auf großformatigen Leinwänden
viele kleine Köpfe, die nie vollstandig "fertig" gezeichnet sind,
oft nur eine Ahnung eines Kopfes zulassen und auch durch einen Strich
vernichtet werden. Die Kopffragmente bieten dem Betrachter Assoziationsanreize
zu Vorstellungen, Stimmungen, Gefühlen. Zwischen Abstraktion und Figuration
- so eine Art Schwebezustand.
Die Gemeinschaftsarbeiten dieser beiden Künstler bringen den Dialog
zwischen der Introvertiertheit der Figuren und dem ungegenständlichen
Umraum stärker hervor.
Auf andere Weise zeigt Christoph Loos seine Holzschnitte. Seine Werke bestehen aus zwei Teilen. Den jeweils sechs bedruckten dünnen Holzblättern steht der bearbeitete Druckstock als Pendant gegenüber - beides Teile ein und desselben Arbeitsprozeßes. Der Ausgangspunkt des Arbeitsganges ist durch die dünnen Holzseiten vertreten, die er anstelle der Leinwand bedruckt Damit bleibt die ursprüngliche Materialität sichtbar. Man kann den Stoff nicht vom fertigen Kunstwerk trennen, sondern man muß sich an ihn erinnern.
Was hat das alles nun mit dem Thema der Ausstellung "Erste Nacht
Letzte Nacht" zu tun? Vielleicht die Tatsache, daß die Nacht für jeden
andere Freuden, Ängste, Heimlichkeiten und Phantasien birgt, freisetzt,
etwas, was künstlerische Arbeiten auch tun - so wie Nauderer, dessen
Bilder immer nachts entstehen.