kunst_article
naturphotographie
besprechung
Nach einer schwierigen Phototour in die urbane Brachlandschaft zurückgekehrt, zeigt sich das Resultat erst nach aufwendiger Prozedur im Labor. Dann aber enthüllen die Aufnahmen plötzlich und in fremder Umgebung einen Blick in die Vergangenheit, auf eine Natur, die es nicht mehr zu geben scheint - anscheinend gesehen mit den Augen eines Photographen des 19.Jahrhunderts. Und wie im vorigen Jahrhundert stellt jeder „Fineprint“ für sich das Zeugnis von etwas Dagewesenen dar; den-noch aber aufgeladen mit der Magie, mit der die frühe Lichtbildnerei ihre Motive durchwirkte. Desgleichen leuchtet aus den Aufnahmen der Eifer des Naturforschers. Inventarisierung und Katalogisierung seiner Vorlagen sind ihm nur ein Vorwand, um präzise Detailiertheit mit der nebeligen Gischt der Bachläufe zu verschmelzen. Er ist ein Spurensucher und ahnt gleichzeitig, daß sich im schroffen Gestein doch eine Geheimsprache verbirgt. Die Technik ist sein Mittel, die Elemente unter Zuhilfenahme des universalen Lichts nachzuzeichnen und in letzter Instanz auf Papier zu bannen. Indem er den Erscheinungsformen einen schwarzweißen Schleier überstülpt, kommen Strukturen zum Vorschein, die den Ausschnitt als Teil eines Ganzen, als immerwährende Allgemeingültigkeit offenbaren. So wie das nasse Gestein die Sonne widerspiegelt, so wirft die Photographie das Antlitz der Natur zurück.