kunst_article
neue
Liebe Leser,
Sommerpause ade, und diesmal mischt auch artechock im Kunstherbst mit.
Erstmalig bieten wir eine Veranstaltung in den Räumen des Literaturhauses
an zum Thema... Netz.kunst natürlich! Bei unseren Internetrecherchen
stoßen wir immer wieder auf so interessante Projekte, und jedes
Mal stellt sich neu die Frage: Sieht es jemand ? Hat web.kunst ein Publikum
? Viele Fragen hoffen wir zu klären in der Podiumsdiskussion und
viele Zuhörer erhoffen wir uns auch. Also, auf ins Literaturhaus,
am Sonntag den 12.9, 11 Uhr. Danach kann man dann prima zum Frühstücken
gehen, um sich gut gestärkt ins Open Art-Getümmel zu stürzen.
Viele neue Künstler, viele neue Galerien (eine Auswahl s. u.) und
überhaupt endlich wieder Kunst in der vom Sommer lahm gelegten Kunststadt.
Viel Spaß beim Rundgang wünscht
eure redaktion
| neue galerien in münchen |
|
galerie
katia rid
|
ia rid
Etwas abseits vom herkömmlichen Galerien-Zentrum befindet sich in der Pienzenauer Straße 39 in Bogenhausen die Galerie Katia Rid. Für Katia Rid kein Novum. Bereits Ende der Sechziger Jahre eröffnete sie zusammen mit Jörg Schellmann und Bernd Klüser in der Barerstrasse eine Galerie, in der Joseph Beuys erstmals ausstellte. Nach einer längeren Pause als Galeristin, entstanden im Frühjahr '97 ihre eigenen Ausstellungsräume. Nach einem zähen Anfang und schwacher Presseresonanz ist Katia Rid nun dabei sich im Münchener Kunstgeschehen zu etablieren. Trotz der Galeriendichte kommt es ihr nicht darauf an, eine "Marktlücke" zu füllen, sondern mit einem vielseitigen Ausstellungsprogramm, das Malerei, Skulptur und Fotografie umfasst, für Abwechslung zu sorgen. Dabei fördert sie besonders junge Künstler, die als "Aussenseiter nicht mit dem Strom schwimmen" und die durch ungewöhnliche Sujets bestechen, wie der Goldschmied Rudolf Bott. Fasziniert von Asphaltrissen, bildete Bott diese als goldene Ansteckbroschen nach. Zu sehen ist die Ausstellung "13Artikulationen" vom 10. September bis 8. Oktober.
|
galerie
christa burger
|

Durch ihre Präsenz auf verschiedenen Messen und das grosse Medieninteresse, war es für die Galerie nicht schwer, Fuss zu fassen. Besonders positiv bewertet Christa Burger dabei, dass sich neben dem Glockenbachviertel allmählich auch die Maxvorstadt zu einem Galerienviertel entwickelt.
Gezeigt werden Einzelpositionen junger internationaler Künstler, die sich in Fotografien, Installationen, Objekten und Zeichnungen mit den Themen Identiät und Körper, aber auch Migration beschäftigen. Dabei sind es hauptsächlich Künstlerinnen die Christa Burger ausstellt, da "Frauen einfach innovativer mit bestimmten Themen umgehen".
Zur Open Art wird die Ausstellung "Sunrise" der Schwedin Carin Ellberg zu sehen sein. Kleidungsstücke und Alltagsgegenstände werden zu Skulpturen und Objekten geformt, die "körperliche und sinnliche Assoziationen wecken" sollen.
|
galerie
isart
|
Erstmals bei der Open Art vertreten ist die im März eröffnete
Galerie Isart in der Westermühlstrasse 3. Die ersten sechs Monate
liefen für die Betreiber Thomas Huber und Régine Goueffon
"besser an, als erwartet". Die Galeriendichte im Glockenbachviertel
sieht Huber nicht als Konkurrenz, sondern bewertet sie eher positiv: je
mehr Galerien, desto größer sei der Publikumszuspruch, da in
München durchaus großes Interesse an junger Kunst bestehe.
Einen künstlerischen Schwerpunkt legt die Galerie nicht. Stilistisch
wird es keine Eingrenzungen geben, wobei jedoch die Gattung Malerei im
Vordergrund stehen wird.
Ab Freitag werden die Arbeiten Manuel Terra Eitners zu sehen sein. Aus
verschiedenen Materialien fertigt der Münchner Künstler Gemälde,
Collagen, Objekte und Reliefs, die es in solcher Form jedoch nicht zu
sehen gibt. Die Kunstwerke werden fotografiert und anschliessend zerstört.
Erhalten bleiben Ektachrome oder Kleinbilddias, die dann in Leuchtkästen
oder anderen Sehapperaturen präsentiert werden.
|
galerie
philomene magers
|
Zusammen mit Monika Sprüth zeigt Philomene Magers Programme ihrer seit '91 in Köln bestehenden Galerie. Neben Einzelausstellungen zeitgenössischer europäischer und amerikanischer Künstler, wird es auch "programmatische Gruppenausstellungen zu den aktuellsten Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst" geben.
Von 10. 9. bis 2. 10. wird die Schweizer Konzeptkünstlerin Sylvie Fleury zu sehen sein.
alexandra wolfelsperger

| |

Biologie und Kunstgeschichte? - Um die anatomiegerechte Zeichnung des
Hasen im Bild geht es hier nicht. Viel komplizierter erscheint das, was
sich auf den naturwissenschaftlich unbeleckten Kulturhistoriker zubewegt.
Auf das angestammte Parkett der philosophischen Wissenschaften drängen
zu Hauf Biologen, Neurophysiologen und Hirnforscher. Ihre Fortschritte
in der Erforschung unseres Menschseins, genauer der Strukturen unseres
Bewußtseins, treibt diese Kaste nun deutlich in die Nähe von
alten philosophischen Fragestellungen: nach dem Verhältnis von Körper
und Geist, von Natur und Kultur, von Außen und Innen. In der Geschichte
der Philosophie mit unterschiedlichen Bewertungen immer wieder getrennt
gesehen, erscheint die alte Differenz nun unter biologischen Aspekten
endgültig als unzertrennbar.
Da ist vor allem die philosophische Grundfrage, ob die Realität,
in der wir uns wähnen, eine objektive Welt da draußen ist,
oder ob sie etwas rein Subjektives ist. Im Grunde scheint sie heute weder
im Menschen allein begründet, noch außerhalb des Menschen existent.
Sie entsteht primär aus der Wechselwirkung von Subjekt und Objekt.
Das was wir wahrnehmen: sehen, hören, schmecken, tasten, riechen
prägt unser Verständnis von der Welt. Klar! Doch nicht so, als
ob sich diese Welt 1 zu 1 in unserem Gehirn ablichten ließe. Was
wir wahrnehmen ist geprägt von dem, was wir bereits wahrgenommen
haben. Und auch nicht so, als ob sich diese Erfahrungen als Erinnerungen
im Gehirn fest abspeichern und abrufen ließen oder eben auch mal
verloren gingen. Nein, diese Erinnerungen verändern sich durch fortlaufende
Erfahrungen, die wir machen. Man spricht von einem dynamischen Bewußtsein.
Das Gehirn vergleicht ständig.
Man stelle sich vor, man habe eine alten Freund seit 10 Jahren nicht mehr
zu Gesicht bekommen. Diesen dürfte man tatsächlich so in Erinnerung
behalten, wie er gewesen ist. Unsere Erinnerungen hingegen an Personen,
mit denen wir regelmäßig zu tun haben, aktualisieren sich ständig.
Wie sie uns vor 10 Jahren erschienen sind, könnten wir lediglich
anhand einer Photographie erinnern.
|
|
Der Hirnforscher, so lesen wir erst kürzlich, unterscheidet zwischen 3 Mechanismen, über welche Wissen in das Gehirn kommt: die Evolution, die Wissen über die Welt in den Genen speichert und dieses Wissen im neu ausreifenden Gehirn festhält; dann die Ontogenese, während der erworbenes Erfahrungswissen in irreversible Verschaltungsänderungen umgesetzt wird (die wohl kaum von den genetisch bedingten zu unterscheiden sind); schließlich die normalen Lernvorgänge, die erworbenes Wissen durch Änderungen der Effizienz bereits konsolidierter Verbindungen speichern.
Da die von den Kulturwissenschaften bearbeiteten Phänomene nichts anderes sind als die Erzeugnisse jener kollektiven Hirnleistungen, die der kulturellen Evolution zugrunde liegen, sollte es möglich sein, so der Hirnforscher, die Beschreibungssysteme, die Hirnfunktionen auf Wechselwirkungen materieller Komponenten zurückführen, Beschreibungssystemen anzunähern, die sich mit den Produkten individueller und kollektiver Hirnfunktionen befassen.
Soweit, so gut! Doch dann die Frage: Ist die Hirnforschung dabei ihren reduktionistischen Ansatz auf alle relevanten Ebenen lückenlos auszudehnen? Wird sie die Phänomene neuronaler Kommunikation auf ihre molekularen und zellulären Grundlagen zurückführen und ist sie dabei, Verhaltensphänomene, einschließlich psychischer und mentaler Funktionen, durch neuronale Kommunikationsprozesse zu erklären.
Schließlich die noch wichtigere Frage: Wie verhält es sich aber dann mit unserer Erfahrung, daß wir frei entscheiden können? Wie verhält es sich mit Schuldzuschreibungen und unserem Kulturgut der Verantwortlichkeit? Wo sollen wir das selbstbestimmte Ich verorten, das wir wahrnehmen, als sei es von Hirnfunktionen losgelöst?
Hat der Hirnforscher hier nicht eines vergessen? Hat er nicht selbst gesagt, daß jede Beobachtung die Realität erzeugt, die sie beobachten will. Befindet nicht jeder Beobachter sich in der unbefriedigenden Situation, daß er nur beobachtet, was die Beobachtung ihn beobachten läßt? Hat er nicht selbst der Vorstellung widersprochen, daß in der Außenwelt Tatbestände vorliegen, welche unabhängig vom Beobachtungsprozeß ein objektives Dasein besitzen?
Es läge also ein naturalistischer Fehlschluß vor, würden
die philosophischen Wissenschaften nur auf naturwissenschaftlich-materialistischer
Basis erklärt werden. Andererseits ist tatsächlich zu überlegen,
ob nicht philosophische Fragen heutzutage unter Berücksichtigung
der neurophysiologischen Basis noch interessanter würden, realistischer?.
Von jeher will die Biologie, das erfassen, was ist, und geht es in der
Philosophie um das, was es sein soll. Im Grunde ist dies die alte Differenz
zwischen Körper und Geist.
Und vielleicht ist es so, wir müssen so tun als ob, es eine Realität
gibt, aber gleichzeitig uns bewußt sein, daß wir diese nur
konstruieren.
|
galerie
katia rid
|
ia rid
Etwas abseits vom herkömmlichen Galerien-Zentrum befindet sich in der Pienzenauer Straße 39 in Bogenhausen die Galerie Katia Rid. Für Katia Rid kein Novum. Bereits Ende der Sechziger Jahre eröffnete sie zusammen mit Jörg Schellmann und Bernd Klüser in der Barerstrasse eine Galerie, in der Joseph Beuys erstmals ausstellte. Nach einer längeren Pause als Galeristin, entstanden im Frühjahr '97 ihre eigenen Ausstellungsräume. Nach einem zähen Anfang und schwacher Presseresonanz ist Katia Rid nun dabei sich im Münchener Kunstgeschehen zu etablieren. Trotz der Galeriendichte kommt es ihr nicht darauf an, eine "Marktlücke" zu füllen, sondern mit einem vielseitigen Ausstellungsprogramm, das Malerei, Skulptur und Fotografie umfasst, für Abwechslung zu sorgen. Dabei fördert sie besonders junge Künstler, die als "Aussenseiter nicht mit dem Strom schwimmen" und die durch ungewöhnliche Sujets bestechen, wie der Goldschmied Rudolf Bott. Fasziniert von Asphaltrissen, bildete Bott diese als goldene Ansteckbroschen nach. Zu sehen ist die Ausstellung "13Artikulationen" vom 10. September bis 8. Oktober.
|
galerie
christa burger
|

Durch ihre Präsenz auf verschiedenen Messen und das grosse Medieninteresse, war es für die Galerie nicht schwer, Fuss zu fassen. Besonders positiv bewertet Christa Burger dabei, dass sich neben dem Glockenbachviertel allmählich auch die Maxvorstadt zu einem Galerienviertel entwickelt.
Gezeigt werden Einzelpositionen junger internationaler Künstler, die sich in Fotografien, Installationen, Objekten und Zeichnungen mit den Themen Identiät und Körper, aber auch Migration beschäftigen. Dabei sind es hauptsächlich Künstlerinnen die Christa Burger ausstellt, da "Frauen einfach innovativer mit bestimmten Themen umgehen".
Zur Open Art wird die Ausstellung "Sunrise" der Schwedin Carin Ellberg zu sehen sein. Kleidungsstücke und Alltagsgegenstände werden zu Skulpturen und Objekten geformt, die "körperliche und sinnliche Assoziationen wecken" sollen.
|
galerie
isart
|
Erstmals bei der Open Art vertreten ist die im März eröffnete
Galerie Isart in der Westermühlstrasse 3. Die ersten sechs Monate
liefen für die Betreiber Thomas Huber und Régine Goueffon
"besser an, als erwartet". Die Galeriendichte im Glockenbachviertel
sieht Huber nicht als Konkurrenz, sondern bewertet sie eher positiv: je
mehr Galerien, desto größer sei der Publikumszuspruch, da in
München durchaus großes Interesse an junger Kunst bestehe.
Einen künstlerischen Schwerpunkt legt die Galerie nicht. Stilistisch
wird es keine Eingrenzungen geben, wobei jedoch die Gattung Malerei im
Vordergrund stehen wird.
Ab Freitag werden die Arbeiten Manuel Terra Eitners zu sehen sein. Aus
verschiedenen Materialien fertigt der Münchner Künstler Gemälde,
Collagen, Objekte und Reliefs, die es in solcher Form jedoch nicht zu
sehen gibt. Die Kunstwerke werden fotografiert und anschliessend zerstört.
Erhalten bleiben Ektachrome oder Kleinbilddias, die dann in Leuchtkästen
oder anderen Sehapperaturen präsentiert werden.
|
galerie
philomene magers
|
Zusammen mit Monika Sprüth zeigt Philomene Magers Programme ihrer seit '91 in Köln bestehenden Galerie. Neben Einzelausstellungen zeitgenössischer europäischer und amerikanischer Künstler, wird es auch "programmatische Gruppenausstellungen zu den aktuellsten Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst" geben.
Von 10. 9. bis 2. 10. wird die Schweizer Konzeptkünstlerin Sylvie Fleury zu sehen sein.
alexandra wolfelsperger

| |

Biologie und Kunstgeschichte? - Um die anatomiegerechte Zeichnung des
Hasen im Bild geht es hier nicht. Viel komplizierter erscheint das, was
sich auf den naturwissenschaftlich unbeleckten Kulturhistoriker zubewegt.
Auf das angestammte Parkett der philosophischen Wissenschaften drängen
zu Hauf Biologen, Neurophysiologen und Hirnforscher. Ihre Fortschritte
in der Erforschung unseres Menschseins, genauer der Strukturen unseres
Bewußtseins, treibt diese Kaste nun deutlich in die Nähe von
alten philosophischen Fragestellungen: nach dem Verhältnis von Körper
und Geist, von Natur und Kultur, von Außen und Innen. In der Geschichte
der Philosophie mit unterschiedlichen Bewertungen immer wieder getrennt
gesehen, erscheint die alte Differenz nun unter biologischen Aspekten
endgültig als unzertrennbar.
Da ist vor allem die philosophische Grundfrage, ob die Realität,
in der wir uns wähnen, eine objektive Welt da draußen ist,
oder ob sie etwas rein Subjektives ist. Im Grunde scheint sie heute weder
im Menschen allein begründet, noch außerhalb des Menschen existent.
Sie entsteht primär aus der Wechselwirkung von Subjekt und Objekt.
Das was wir wahrnehmen: sehen, hören, schmecken, tasten, riechen
prägt unser Verständnis von der Welt. Klar! Doch nicht so, als
ob sich diese Welt 1 zu 1 in unserem Gehirn ablichten ließe. Was
wir wahrnehmen ist geprägt von dem, was wir bereits wahrgenommen
haben. Und auch nicht so, als ob sich diese Erfahrungen als Erinnerungen
im Gehirn fest abspeichern und abrufen ließen oder eben auch mal
verloren gingen. Nein, diese Erinnerungen verändern sich durch fortlaufende
Erfahrungen, die wir machen. Man spricht von einem dynamischen Bewußtsein.
Das Gehirn vergleicht ständig.
Man stelle sich vor, man habe eine alten Freund seit 10 Jahren nicht mehr
zu Gesicht bekommen. Diesen dürfte man tatsächlich so in Erinnerung
behalten, wie er gewesen ist. Unsere Erinnerungen hingegen an Personen,
mit denen wir regelmäßig zu tun haben, aktualisieren sich ständig.
Wie sie uns vor 10 Jahren erschienen sind, könnten wir lediglich
anhand einer Photographie erinnern.
|
|
Der Hirnforscher, so lesen wir erst kürzlich, unterscheidet zwischen 3 Mechanismen, über welche Wissen in das Gehirn kommt: die Evolution, die Wissen über die Welt in den Genen speichert und dieses Wissen im neu ausreifenden Gehirn festhält; dann die Ontogenese, während der erworbenes Erfahrungswissen in irreversible Verschaltungsänderungen umgesetzt wird (die wohl kaum von den genetisch bedingten zu unterscheiden sind); schließlich die normalen Lernvorgänge, die erworbenes Wissen durch Änderungen der Effizienz bereits konsolidierter Verbindungen speichern.
Da die von den Kulturwissenschaften bearbeiteten Phänomene nichts anderes sind als die Erzeugnisse jener kollektiven Hirnleistungen, die der kulturellen Evolution zugrunde liegen, sollte es möglich sein, so der Hirnforscher, die Beschreibungssysteme, die Hirnfunktionen auf Wechselwirkungen materieller Komponenten zurückführen, Beschreibungssystemen anzunähern, die sich mit den Produkten individueller und kollektiver Hirnfunktionen befassen.
Soweit, so gut! Doch dann die Frage: Ist die Hirnforschung dabei ihren reduktionistischen Ansatz auf alle relevanten Ebenen lückenlos auszudehnen? Wird sie die Phänomene neuronaler Kommunikation auf ihre molekularen und zellulären Grundlagen zurückführen und ist sie dabei, Verhaltensphänomene, einschließlich psychischer und mentaler Funktionen, durch neuronale Kommunikationsprozesse zu erklären.
Schließlich die noch wichtigere Frage: Wie verhält es sich aber dann mit unserer Erfahrung, daß wir frei entscheiden können? Wie verhält es sich mit Schuldzuschreibungen und unserem Kulturgut der Verantwortlichkeit? Wo sollen wir das selbstbestimmte Ich verorten, das wir wahrnehmen, als sei es von Hirnfunktionen losgelöst?
Hat der Hirnforscher hier nicht eines vergessen? Hat er nicht selbst gesagt, daß jede Beobachtung die Realität erzeugt, die sie beobachten will. Befindet nicht jeder Beobachter sich in der unbefriedigenden Situation, daß er nur beobachtet, was die Beobachtung ihn beobachten läßt? Hat er nicht selbst der Vorstellung widersprochen, daß in der Außenwelt Tatbestände vorliegen, welche unabhängig vom Beobachtungsprozeß ein objektives Dasein besitzen?
Es läge also ein naturalistischer Fehlschluß vor, würden
die philosophischen Wissenschaften nur auf naturwissenschaftlich-materialistischer
Basis erklärt werden. Andererseits ist tatsächlich zu überlegen,
ob nicht philosophische Fragen heutzutage unter Berücksichtigung
der neurophysiologischen Basis noch interessanter würden, realistischer?.
Von jeher will die Biologie, das erfassen, was ist, und geht es in der
Philosophie um das, was es sein soll. Im Grunde ist dies die alte Differenz
zwischen Körper und Geist.
Und vielleicht ist es so, wir müssen so tun als ob, es eine Realität
gibt, aber gleichzeitig uns bewußt sein, daß wir diese nur
konstruieren.
Etwas abseits vom herkömmlichen Galerien-Zentrum befindet sich in der Pienzenauer Straße 39 in Bogenhausen die Galerie Katia Rid. Für Katia Rid kein Novum. Bereits Ende der Sechziger Jahre eröffnete sie zusammen mit Jörg Schellmann und Bernd Klüser in der Barerstrasse eine Galerie, in der Joseph Beuys erstmals ausstellte. Nach einer längeren Pause als Galeristin, entstanden im Frühjahr '97 ihre eigenen Ausstellungsräume. Nach einem zähen Anfang und schwacher Presseresonanz ist Katia Rid nun dabei sich im Münchener Kunstgeschehen zu etablieren. Trotz der Galeriendichte kommt es ihr nicht darauf an, eine "Marktlücke" zu füllen, sondern mit einem vielseitigen Ausstellungsprogramm, das Malerei, Skulptur und Fotografie umfasst, für Abwechslung zu sorgen. Dabei fördert sie besonders junge Künstler, die als "Aussenseiter nicht mit dem Strom schwimmen" und die durch ungewöhnliche Sujets bestechen, wie der Goldschmied Rudolf Bott. Fasziniert von Asphaltrissen, bildete Bott diese als goldene Ansteckbroschen nach. Zu sehen ist die Ausstellung "13Artikulationen" vom 10. September bis 8. Oktober.
|
galerie
christa burger
|

Durch ihre Präsenz auf verschiedenen Messen und das grosse Medieninteresse, war es für die Galerie nicht schwer, Fuss zu fassen. Besonders positiv bewertet Christa Burger dabei, dass sich neben dem Glockenbachviertel allmählich auch die Maxvorstadt zu einem Galerienviertel entwickelt.
Gezeigt werden Einzelpositionen junger internationaler Künstler, die sich in Fotografien, Installationen, Objekten und Zeichnungen mit den Themen Identiät und Körper, aber auch Migration beschäftigen. Dabei sind es hauptsächlich Künstlerinnen die Christa Burger ausstellt, da "Frauen einfach innovativer mit bestimmten Themen umgehen".
Zur Open Art wird die Ausstellung "Sunrise" der Schwedin Carin Ellberg zu sehen sein. Kleidungsstücke und Alltagsgegenstände werden zu Skulpturen und Objekten geformt, die "körperliche und sinnliche Assoziationen wecken" sollen.
|
galerie
isart
|
Erstmals bei der Open Art vertreten ist die im März eröffnete
Galerie Isart in der Westermühlstrasse 3. Die ersten sechs Monate
liefen für die Betreiber Thomas Huber und Régine Goueffon
"besser an, als erwartet". Die Galeriendichte im Glockenbachviertel
sieht Huber nicht als Konkurrenz, sondern bewertet sie eher positiv: je
mehr Galerien, desto größer sei der Publikumszuspruch, da in
München durchaus großes Interesse an junger Kunst bestehe.
Einen künstlerischen Schwerpunkt legt die Galerie nicht. Stilistisch
wird es keine Eingrenzungen geben, wobei jedoch die Gattung Malerei im
Vordergrund stehen wird.
Ab Freitag werden die Arbeiten Manuel Terra Eitners zu sehen sein. Aus
verschiedenen Materialien fertigt der Münchner Künstler Gemälde,
Collagen, Objekte und Reliefs, die es in solcher Form jedoch nicht zu
sehen gibt. Die Kunstwerke werden fotografiert und anschliessend zerstört.
Erhalten bleiben Ektachrome oder Kleinbilddias, die dann in Leuchtkästen
oder anderen Sehapperaturen präsentiert werden.
|
galerie
philomene magers
|
Zusammen mit Monika Sprüth zeigt Philomene Magers Programme ihrer seit '91 in Köln bestehenden Galerie. Neben Einzelausstellungen zeitgenössischer europäischer und amerikanischer Künstler, wird es auch "programmatische Gruppenausstellungen zu den aktuellsten Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst" geben.
Von 10. 9. bis 2. 10. wird die Schweizer Konzeptkünstlerin Sylvie Fleury zu sehen sein.
alexandra wolfelsperger

| |

Biologie und Kunstgeschichte? - Um die anatomiegerechte Zeichnung des
Hasen im Bild geht es hier nicht. Viel komplizierter erscheint das, was
sich auf den naturwissenschaftlich unbeleckten Kulturhistoriker zubewegt.
Auf das angestammte Parkett der philosophischen Wissenschaften drängen
zu Hauf Biologen, Neurophysiologen und Hirnforscher. Ihre Fortschritte
in der Erforschung unseres Menschseins, genauer der Strukturen unseres
Bewußtseins, treibt diese Kaste nun deutlich in die Nähe von
alten philosophischen Fragestellungen: nach dem Verhältnis von Körper
und Geist, von Natur und Kultur, von Außen und Innen. In der Geschichte
der Philosophie mit unterschiedlichen Bewertungen immer wieder getrennt
gesehen, erscheint die alte Differenz nun unter biologischen Aspekten
endgültig als unzertrennbar.
Da ist vor allem die philosophische Grundfrage, ob die Realität,
in der wir uns wähnen, eine objektive Welt da draußen ist,
oder ob sie etwas rein Subjektives ist. Im Grunde scheint sie heute weder
im Menschen allein begründet, noch außerhalb des Menschen existent.
Sie entsteht primär aus der Wechselwirkung von Subjekt und Objekt.
Das was wir wahrnehmen: sehen, hören, schmecken, tasten, riechen
prägt unser Verständnis von der Welt. Klar! Doch nicht so, als
ob sich diese Welt 1 zu 1 in unserem Gehirn ablichten ließe. Was
wir wahrnehmen ist geprägt von dem, was wir bereits wahrgenommen
haben. Und auch nicht so, als ob sich diese Erfahrungen als Erinnerungen
im Gehirn fest abspeichern und abrufen ließen oder eben auch mal
verloren gingen. Nein, diese Erinnerungen verändern sich durch fortlaufende
Erfahrungen, die wir machen. Man spricht von einem dynamischen Bewußtsein.
Das Gehirn vergleicht ständig.
Man stelle sich vor, man habe eine alten Freund seit 10 Jahren nicht mehr
zu Gesicht bekommen. Diesen dürfte man tatsächlich so in Erinnerung
behalten, wie er gewesen ist. Unsere Erinnerungen hingegen an Personen,
mit denen wir regelmäßig zu tun haben, aktualisieren sich ständig.
Wie sie uns vor 10 Jahren erschienen sind, könnten wir lediglich
anhand einer Photographie erinnern.
|
|
Der Hirnforscher, so lesen wir erst kürzlich, unterscheidet zwischen 3 Mechanismen, über welche Wissen in das Gehirn kommt: die Evolution, die Wissen über die Welt in den Genen speichert und dieses Wissen im neu ausreifenden Gehirn festhält; dann die Ontogenese, während der erworbenes Erfahrungswissen in irreversible Verschaltungsänderungen umgesetzt wird (die wohl kaum von den genetisch bedingten zu unterscheiden sind); schließlich die normalen Lernvorgänge, die erworbenes Wissen durch Änderungen der Effizienz bereits konsolidierter Verbindungen speichern.
Da die von den Kulturwissenschaften bearbeiteten Phänomene nichts anderes sind als die Erzeugnisse jener kollektiven Hirnleistungen, die der kulturellen Evolution zugrunde liegen, sollte es möglich sein, so der Hirnforscher, die Beschreibungssysteme, die Hirnfunktionen auf Wechselwirkungen materieller Komponenten zurückführen, Beschreibungssystemen anzunähern, die sich mit den Produkten individueller und kollektiver Hirnfunktionen befassen.
Soweit, so gut! Doch dann die Frage: Ist die Hirnforschung dabei ihren reduktionistischen Ansatz auf alle relevanten Ebenen lückenlos auszudehnen? Wird sie die Phänomene neuronaler Kommunikation auf ihre molekularen und zellulären Grundlagen zurückführen und ist sie dabei, Verhaltensphänomene, einschließlich psychischer und mentaler Funktionen, durch neuronale Kommunikationsprozesse zu erklären.
Schließlich die noch wichtigere Frage: Wie verhält es sich aber dann mit unserer Erfahrung, daß wir frei entscheiden können? Wie verhält es sich mit Schuldzuschreibungen und unserem Kulturgut der Verantwortlichkeit? Wo sollen wir das selbstbestimmte Ich verorten, das wir wahrnehmen, als sei es von Hirnfunktionen losgelöst?
Hat der Hirnforscher hier nicht eines vergessen? Hat er nicht selbst gesagt, daß jede Beobachtung die Realität erzeugt, die sie beobachten will. Befindet nicht jeder Beobachter sich in der unbefriedigenden Situation, daß er nur beobachtet, was die Beobachtung ihn beobachten läßt? Hat er nicht selbst der Vorstellung widersprochen, daß in der Außenwelt Tatbestände vorliegen, welche unabhängig vom Beobachtungsprozeß ein objektives Dasein besitzen?
Es läge also ein naturalistischer Fehlschluß vor, würden
die philosophischen Wissenschaften nur auf naturwissenschaftlich-materialistischer
Basis erklärt werden. Andererseits ist tatsächlich zu überlegen,
ob nicht philosophische Fragen heutzutage unter Berücksichtigung
der neurophysiologischen Basis noch interessanter würden, realistischer?.
Von jeher will die Biologie, das erfassen, was ist, und geht es in der
Philosophie um das, was es sein soll. Im Grunde ist dies die alte Differenz
zwischen Körper und Geist.
Und vielleicht ist es so, wir müssen so tun als ob, es eine Realität
gibt, aber gleichzeitig uns bewußt sein, daß wir diese nur
konstruieren.
|
galerie
christa burger
|

Durch ihre Präsenz auf verschiedenen Messen und das grosse Medieninteresse, war es für die Galerie nicht schwer, Fuss zu fassen. Besonders positiv bewertet Christa Burger dabei, dass sich neben dem Glockenbachviertel allmählich auch die Maxvorstadt zu einem Galerienviertel entwickelt.
Gezeigt werden Einzelpositionen junger internationaler Künstler, die sich in Fotografien, Installationen, Objekten und Zeichnungen mit den Themen Identiät und Körper, aber auch Migration beschäftigen. Dabei sind es hauptsächlich Künstlerinnen die Christa Burger ausstellt, da "Frauen einfach innovativer mit bestimmten Themen umgehen".
Zur Open Art wird die Ausstellung "Sunrise" der Schwedin Carin Ellberg zu sehen sein. Kleidungsstücke und Alltagsgegenstände werden zu Skulpturen und Objekten geformt, die "körperliche und sinnliche Assoziationen wecken" sollen.
|
galerie
isart
|
Erstmals bei der Open Art vertreten ist die im März eröffnete
Galerie Isart in der Westermühlstrasse 3. Die ersten sechs Monate
liefen für die Betreiber Thomas Huber und Régine Goueffon
"besser an, als erwartet". Die Galeriendichte im Glockenbachviertel
sieht Huber nicht als Konkurrenz, sondern bewertet sie eher positiv: je
mehr Galerien, desto größer sei der Publikumszuspruch, da in
München durchaus großes Interesse an junger Kunst bestehe.
Einen künstlerischen Schwerpunkt legt die Galerie nicht. Stilistisch
wird es keine Eingrenzungen geben, wobei jedoch die Gattung Malerei im
Vordergrund stehen wird.
Ab Freitag werden die Arbeiten Manuel Terra Eitners zu sehen sein. Aus
verschiedenen Materialien fertigt der Münchner Künstler Gemälde,
Collagen, Objekte und Reliefs, die es in solcher Form jedoch nicht zu
sehen gibt. Die Kunstwerke werden fotografiert und anschliessend zerstört.
Erhalten bleiben Ektachrome oder Kleinbilddias, die dann in Leuchtkästen
oder anderen Sehapperaturen präsentiert werden.
|
galerie
philomene magers
|
Zusammen mit Monika Sprüth zeigt Philomene Magers Programme ihrer seit '91 in Köln bestehenden Galerie. Neben Einzelausstellungen zeitgenössischer europäischer und amerikanischer Künstler, wird es auch "programmatische Gruppenausstellungen zu den aktuellsten Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst" geben.
Von 10. 9. bis 2. 10. wird die Schweizer Konzeptkünstlerin Sylvie Fleury zu sehen sein.
alexandra wolfelsperger

| |

Biologie und Kunstgeschichte? - Um die anatomiegerechte Zeichnung des
Hasen im Bild geht es hier nicht. Viel komplizierter erscheint das, was
sich auf den naturwissenschaftlich unbeleckten Kulturhistoriker zubewegt.
Auf das angestammte Parkett der philosophischen Wissenschaften drängen
zu Hauf Biologen, Neurophysiologen und Hirnforscher. Ihre Fortschritte
in der Erforschung unseres Menschseins, genauer der Strukturen unseres
Bewußtseins, treibt diese Kaste nun deutlich in die Nähe von
alten philosophischen Fragestellungen: nach dem Verhältnis von Körper
und Geist, von Natur und Kultur, von Außen und Innen. In der Geschichte
der Philosophie mit unterschiedlichen Bewertungen immer wieder getrennt
gesehen, erscheint die alte Differenz nun unter biologischen Aspekten
endgültig als unzertrennbar.
Da ist vor allem die philosophische Grundfrage, ob die Realität,
in der wir uns wähnen, eine objektive Welt da draußen ist,
oder ob sie etwas rein Subjektives ist. Im Grunde scheint sie heute weder
im Menschen allein begründet, noch außerhalb des Menschen existent.
Sie entsteht primär aus der Wechselwirkung von Subjekt und Objekt.
Das was wir wahrnehmen: sehen, hören, schmecken, tasten, riechen
prägt unser Verständnis von der Welt. Klar! Doch nicht so, als
ob sich diese Welt 1 zu 1 in unserem Gehirn ablichten ließe. Was
wir wahrnehmen ist geprägt von dem, was wir bereits wahrgenommen
haben. Und auch nicht so, als ob sich diese Erfahrungen als Erinnerungen
im Gehirn fest abspeichern und abrufen ließen oder eben auch mal
verloren gingen. Nein, diese Erinnerungen verändern sich durch fortlaufende
Erfahrungen, die wir machen. Man spricht von einem dynamischen Bewußtsein.
Das Gehirn vergleicht ständig.
Man stelle sich vor, man habe eine alten Freund seit 10 Jahren nicht mehr
zu Gesicht bekommen. Diesen dürfte man tatsächlich so in Erinnerung
behalten, wie er gewesen ist. Unsere Erinnerungen hingegen an Personen,
mit denen wir regelmäßig zu tun haben, aktualisieren sich ständig.
Wie sie uns vor 10 Jahren erschienen sind, könnten wir lediglich
anhand einer Photographie erinnern.
|
|
Der Hirnforscher, so lesen wir erst kürzlich, unterscheidet zwischen 3 Mechanismen, über welche Wissen in das Gehirn kommt: die Evolution, die Wissen über die Welt in den Genen speichert und dieses Wissen im neu ausreifenden Gehirn festhält; dann die Ontogenese, während der erworbenes Erfahrungswissen in irreversible Verschaltungsänderungen umgesetzt wird (die wohl kaum von den genetisch bedingten zu unterscheiden sind); schließlich die normalen Lernvorgänge, die erworbenes Wissen durch Änderungen der Effizienz bereits konsolidierter Verbindungen speichern.
Da die von den Kulturwissenschaften bearbeiteten Phänomene nichts anderes sind als die Erzeugnisse jener kollektiven Hirnleistungen, die der kulturellen Evolution zugrunde liegen, sollte es möglich sein, so der Hirnforscher, die Beschreibungssysteme, die Hirnfunktionen auf Wechselwirkungen materieller Komponenten zurückführen, Beschreibungssystemen anzunähern, die sich mit den Produkten individueller und kollektiver Hirnfunktionen befassen.
Soweit, so gut! Doch dann die Frage: Ist die Hirnforschung dabei ihren reduktionistischen Ansatz auf alle relevanten Ebenen lückenlos auszudehnen? Wird sie die Phänomene neuronaler Kommunikation auf ihre molekularen und zellulären Grundlagen zurückführen und ist sie dabei, Verhaltensphänomene, einschließlich psychischer und mentaler Funktionen, durch neuronale Kommunikationsprozesse zu erklären.
Schließlich die noch wichtigere Frage: Wie verhält es sich aber dann mit unserer Erfahrung, daß wir frei entscheiden können? Wie verhält es sich mit Schuldzuschreibungen und unserem Kulturgut der Verantwortlichkeit? Wo sollen wir das selbstbestimmte Ich verorten, das wir wahrnehmen, als sei es von Hirnfunktionen losgelöst?
Hat der Hirnforscher hier nicht eines vergessen? Hat er nicht selbst gesagt, daß jede Beobachtung die Realität erzeugt, die sie beobachten will. Befindet nicht jeder Beobachter sich in der unbefriedigenden Situation, daß er nur beobachtet, was die Beobachtung ihn beobachten läßt? Hat er nicht selbst der Vorstellung widersprochen, daß in der Außenwelt Tatbestände vorliegen, welche unabhängig vom Beobachtungsprozeß ein objektives Dasein besitzen?
Es läge also ein naturalistischer Fehlschluß vor, würden
die philosophischen Wissenschaften nur auf naturwissenschaftlich-materialistischer
Basis erklärt werden. Andererseits ist tatsächlich zu überlegen,
ob nicht philosophische Fragen heutzutage unter Berücksichtigung
der neurophysiologischen Basis noch interessanter würden, realistischer?.
Von jeher will die Biologie, das erfassen, was ist, und geht es in der
Philosophie um das, was es sein soll. Im Grunde ist dies die alte Differenz
zwischen Körper und Geist.
Und vielleicht ist es so, wir müssen so tun als ob, es eine Realität
gibt, aber gleichzeitig uns bewußt sein, daß wir diese nur
konstruieren.
Durch ihre Präsenz auf verschiedenen Messen und das grosse Medieninteresse, war es für die Galerie nicht schwer, Fuss zu fassen. Besonders positiv bewertet Christa Burger dabei, dass sich neben dem Glockenbachviertel allmählich auch die Maxvorstadt zu einem Galerienviertel entwickelt.
Gezeigt werden Einzelpositionen junger internationaler Künstler, die sich in Fotografien, Installationen, Objekten und Zeichnungen mit den Themen Identiät und Körper, aber auch Migration beschäftigen. Dabei sind es hauptsächlich Künstlerinnen die Christa Burger ausstellt, da "Frauen einfach innovativer mit bestimmten Themen umgehen".
Zur Open Art wird die Ausstellung "Sunrise" der Schwedin Carin Ellberg zu sehen sein. Kleidungsstücke und Alltagsgegenstände werden zu Skulpturen und Objekten geformt, die "körperliche und sinnliche Assoziationen wecken" sollen.
|
galerie
isart
|
Erstmals bei der Open Art vertreten ist die im März eröffnete
Galerie Isart in der Westermühlstrasse 3. Die ersten sechs Monate
liefen für die Betreiber Thomas Huber und Régine Goueffon
"besser an, als erwartet". Die Galeriendichte im Glockenbachviertel
sieht Huber nicht als Konkurrenz, sondern bewertet sie eher positiv: je
mehr Galerien, desto größer sei der Publikumszuspruch, da in
München durchaus großes Interesse an junger Kunst bestehe.
Einen künstlerischen Schwerpunkt legt die Galerie nicht. Stilistisch
wird es keine Eingrenzungen geben, wobei jedoch die Gattung Malerei im
Vordergrund stehen wird.
Ab Freitag werden die Arbeiten Manuel Terra Eitners zu sehen sein. Aus
verschiedenen Materialien fertigt der Münchner Künstler Gemälde,
Collagen, Objekte und Reliefs, die es in solcher Form jedoch nicht zu
sehen gibt. Die Kunstwerke werden fotografiert und anschliessend zerstört.
Erhalten bleiben Ektachrome oder Kleinbilddias, die dann in Leuchtkästen
oder anderen Sehapperaturen präsentiert werden.
|
galerie
philomene magers
|
Zusammen mit Monika Sprüth zeigt Philomene Magers Programme ihrer seit '91 in Köln bestehenden Galerie. Neben Einzelausstellungen zeitgenössischer europäischer und amerikanischer Künstler, wird es auch "programmatische Gruppenausstellungen zu den aktuellsten Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst" geben.
Von 10. 9. bis 2. 10. wird die Schweizer Konzeptkünstlerin Sylvie Fleury zu sehen sein.
alexandra wolfelsperger

| |

Biologie und Kunstgeschichte? - Um die anatomiegerechte Zeichnung des
Hasen im Bild geht es hier nicht. Viel komplizierter erscheint das, was
sich auf den naturwissenschaftlich unbeleckten Kulturhistoriker zubewegt.
Auf das angestammte Parkett der philosophischen Wissenschaften drängen
zu Hauf Biologen, Neurophysiologen und Hirnforscher. Ihre Fortschritte
in der Erforschung unseres Menschseins, genauer der Strukturen unseres
Bewußtseins, treibt diese Kaste nun deutlich in die Nähe von
alten philosophischen Fragestellungen: nach dem Verhältnis von Körper
und Geist, von Natur und Kultur, von Außen und Innen. In der Geschichte
der Philosophie mit unterschiedlichen Bewertungen immer wieder getrennt
gesehen, erscheint die alte Differenz nun unter biologischen Aspekten
endgültig als unzertrennbar.
Da ist vor allem die philosophische Grundfrage, ob die Realität,
in der wir uns wähnen, eine objektive Welt da draußen ist,
oder ob sie etwas rein Subjektives ist. Im Grunde scheint sie heute weder
im Menschen allein begründet, noch außerhalb des Menschen existent.
Sie entsteht primär aus der Wechselwirkung von Subjekt und Objekt.
Das was wir wahrnehmen: sehen, hören, schmecken, tasten, riechen
prägt unser Verständnis von der Welt. Klar! Doch nicht so, als
ob sich diese Welt 1 zu 1 in unserem Gehirn ablichten ließe. Was
wir wahrnehmen ist geprägt von dem, was wir bereits wahrgenommen
haben. Und auch nicht so, als ob sich diese Erfahrungen als Erinnerungen
im Gehirn fest abspeichern und abrufen ließen oder eben auch mal
verloren gingen. Nein, diese Erinnerungen verändern sich durch fortlaufende
Erfahrungen, die wir machen. Man spricht von einem dynamischen Bewußtsein.
Das Gehirn vergleicht ständig.
Man stelle sich vor, man habe eine alten Freund seit 10 Jahren nicht mehr
zu Gesicht bekommen. Diesen dürfte man tatsächlich so in Erinnerung
behalten, wie er gewesen ist. Unsere Erinnerungen hingegen an Personen,
mit denen wir regelmäßig zu tun haben, aktualisieren sich ständig.
Wie sie uns vor 10 Jahren erschienen sind, könnten wir lediglich
anhand einer Photographie erinnern.
|
|
Der Hirnforscher, so lesen wir erst kürzlich, unterscheidet zwischen 3 Mechanismen, über welche Wissen in das Gehirn kommt: die Evolution, die Wissen über die Welt in den Genen speichert und dieses Wissen im neu ausreifenden Gehirn festhält; dann die Ontogenese, während der erworbenes Erfahrungswissen in irreversible Verschaltungsänderungen umgesetzt wird (die wohl kaum von den genetisch bedingten zu unterscheiden sind); schließlich die normalen Lernvorgänge, die erworbenes Wissen durch Änderungen der Effizienz bereits konsolidierter Verbindungen speichern.
Da die von den Kulturwissenschaften bearbeiteten Phänomene nichts anderes sind als die Erzeugnisse jener kollektiven Hirnleistungen, die der kulturellen Evolution zugrunde liegen, sollte es möglich sein, so der Hirnforscher, die Beschreibungssysteme, die Hirnfunktionen auf Wechselwirkungen materieller Komponenten zurückführen, Beschreibungssystemen anzunähern, die sich mit den Produkten individueller und kollektiver Hirnfunktionen befassen.
Soweit, so gut! Doch dann die Frage: Ist die Hirnforschung dabei ihren reduktionistischen Ansatz auf alle relevanten Ebenen lückenlos auszudehnen? Wird sie die Phänomene neuronaler Kommunikation auf ihre molekularen und zellulären Grundlagen zurückführen und ist sie dabei, Verhaltensphänomene, einschließlich psychischer und mentaler Funktionen, durch neuronale Kommunikationsprozesse zu erklären.
Schließlich die noch wichtigere Frage: Wie verhält es sich aber dann mit unserer Erfahrung, daß wir frei entscheiden können? Wie verhält es sich mit Schuldzuschreibungen und unserem Kulturgut der Verantwortlichkeit? Wo sollen wir das selbstbestimmte Ich verorten, das wir wahrnehmen, als sei es von Hirnfunktionen losgelöst?
Hat der Hirnforscher hier nicht eines vergessen? Hat er nicht selbst gesagt, daß jede Beobachtung die Realität erzeugt, die sie beobachten will. Befindet nicht jeder Beobachter sich in der unbefriedigenden Situation, daß er nur beobachtet, was die Beobachtung ihn beobachten läßt? Hat er nicht selbst der Vorstellung widersprochen, daß in der Außenwelt Tatbestände vorliegen, welche unabhängig vom Beobachtungsprozeß ein objektives Dasein besitzen?
Es läge also ein naturalistischer Fehlschluß vor, würden
die philosophischen Wissenschaften nur auf naturwissenschaftlich-materialistischer
Basis erklärt werden. Andererseits ist tatsächlich zu überlegen,
ob nicht philosophische Fragen heutzutage unter Berücksichtigung
der neurophysiologischen Basis noch interessanter würden, realistischer?.
Von jeher will die Biologie, das erfassen, was ist, und geht es in der
Philosophie um das, was es sein soll. Im Grunde ist dies die alte Differenz
zwischen Körper und Geist.
Und vielleicht ist es so, wir müssen so tun als ob, es eine Realität
gibt, aber gleichzeitig uns bewußt sein, daß wir diese nur
konstruieren.
|
galerie
isart
|
Erstmals bei der Open Art vertreten ist die im März eröffnete
Galerie Isart in der Westermühlstrasse 3. Die ersten sechs Monate
liefen für die Betreiber Thomas Huber und Régine Goueffon
"besser an, als erwartet". Die Galeriendichte im Glockenbachviertel
sieht Huber nicht als Konkurrenz, sondern bewertet sie eher positiv: je
mehr Galerien, desto größer sei der Publikumszuspruch, da in
München durchaus großes Interesse an junger Kunst bestehe.
Einen künstlerischen Schwerpunkt legt die Galerie nicht. Stilistisch
wird es keine Eingrenzungen geben, wobei jedoch die Gattung Malerei im
Vordergrund stehen wird.
Ab Freitag werden die Arbeiten Manuel Terra Eitners zu sehen sein. Aus
verschiedenen Materialien fertigt der Münchner Künstler Gemälde,
Collagen, Objekte und Reliefs, die es in solcher Form jedoch nicht zu
sehen gibt. Die Kunstwerke werden fotografiert und anschliessend zerstört.
Erhalten bleiben Ektachrome oder Kleinbilddias, die dann in Leuchtkästen
oder anderen Sehapperaturen präsentiert werden.
|
galerie
philomene magers
|
Zusammen mit Monika Sprüth zeigt Philomene Magers Programme ihrer seit '91 in Köln bestehenden Galerie. Neben Einzelausstellungen zeitgenössischer europäischer und amerikanischer Künstler, wird es auch "programmatische Gruppenausstellungen zu den aktuellsten Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst" geben.
Von 10. 9. bis 2. 10. wird die Schweizer Konzeptkünstlerin Sylvie Fleury zu sehen sein.
alexandra wolfelsperger

| |

Biologie und Kunstgeschichte? - Um die anatomiegerechte Zeichnung des
Hasen im Bild geht es hier nicht. Viel komplizierter erscheint das, was
sich auf den naturwissenschaftlich unbeleckten Kulturhistoriker zubewegt.
Auf das angestammte Parkett der philosophischen Wissenschaften drängen
zu Hauf Biologen, Neurophysiologen und Hirnforscher. Ihre Fortschritte
in der Erforschung unseres Menschseins, genauer der Strukturen unseres
Bewußtseins, treibt diese Kaste nun deutlich in die Nähe von
alten philosophischen Fragestellungen: nach dem Verhältnis von Körper
und Geist, von Natur und Kultur, von Außen und Innen. In der Geschichte
der Philosophie mit unterschiedlichen Bewertungen immer wieder getrennt
gesehen, erscheint die alte Differenz nun unter biologischen Aspekten
endgültig als unzertrennbar.
Da ist vor allem die philosophische Grundfrage, ob die Realität,
in der wir uns wähnen, eine objektive Welt da draußen ist,
oder ob sie etwas rein Subjektives ist. Im Grunde scheint sie heute weder
im Menschen allein begründet, noch außerhalb des Menschen existent.
Sie entsteht primär aus der Wechselwirkung von Subjekt und Objekt.
Das was wir wahrnehmen: sehen, hören, schmecken, tasten, riechen
prägt unser Verständnis von der Welt. Klar! Doch nicht so, als
ob sich diese Welt 1 zu 1 in unserem Gehirn ablichten ließe. Was
wir wahrnehmen ist geprägt von dem, was wir bereits wahrgenommen
haben. Und auch nicht so, als ob sich diese Erfahrungen als Erinnerungen
im Gehirn fest abspeichern und abrufen ließen oder eben auch mal
verloren gingen. Nein, diese Erinnerungen verändern sich durch fortlaufende
Erfahrungen, die wir machen. Man spricht von einem dynamischen Bewußtsein.
Das Gehirn vergleicht ständig.
Man stelle sich vor, man habe eine alten Freund seit 10 Jahren nicht mehr
zu Gesicht bekommen. Diesen dürfte man tatsächlich so in Erinnerung
behalten, wie er gewesen ist. Unsere Erinnerungen hingegen an Personen,
mit denen wir regelmäßig zu tun haben, aktualisieren sich ständig.
Wie sie uns vor 10 Jahren erschienen sind, könnten wir lediglich
anhand einer Photographie erinnern.
|
|
Der Hirnforscher, so lesen wir erst kürzlich, unterscheidet zwischen 3 Mechanismen, über welche Wissen in das Gehirn kommt: die Evolution, die Wissen über die Welt in den Genen speichert und dieses Wissen im neu ausreifenden Gehirn festhält; dann die Ontogenese, während der erworbenes Erfahrungswissen in irreversible Verschaltungsänderungen umgesetzt wird (die wohl kaum von den genetisch bedingten zu unterscheiden sind); schließlich die normalen Lernvorgänge, die erworbenes Wissen durch Änderungen der Effizienz bereits konsolidierter Verbindungen speichern.
Da die von den Kulturwissenschaften bearbeiteten Phänomene nichts anderes sind als die Erzeugnisse jener kollektiven Hirnleistungen, die der kulturellen Evolution zugrunde liegen, sollte es möglich sein, so der Hirnforscher, die Beschreibungssysteme, die Hirnfunktionen auf Wechselwirkungen materieller Komponenten zurückführen, Beschreibungssystemen anzunähern, die sich mit den Produkten individueller und kollektiver Hirnfunktionen befassen.
Soweit, so gut! Doch dann die Frage: Ist die Hirnforschung dabei ihren reduktionistischen Ansatz auf alle relevanten Ebenen lückenlos auszudehnen? Wird sie die Phänomene neuronaler Kommunikation auf ihre molekularen und zellulären Grundlagen zurückführen und ist sie dabei, Verhaltensphänomene, einschließlich psychischer und mentaler Funktionen, durch neuronale Kommunikationsprozesse zu erklären.
Schließlich die noch wichtigere Frage: Wie verhält es sich aber dann mit unserer Erfahrung, daß wir frei entscheiden können? Wie verhält es sich mit Schuldzuschreibungen und unserem Kulturgut der Verantwortlichkeit? Wo sollen wir das selbstbestimmte Ich verorten, das wir wahrnehmen, als sei es von Hirnfunktionen losgelöst?
Hat der Hirnforscher hier nicht eines vergessen? Hat er nicht selbst gesagt, daß jede Beobachtung die Realität erzeugt, die sie beobachten will. Befindet nicht jeder Beobachter sich in der unbefriedigenden Situation, daß er nur beobachtet, was die Beobachtung ihn beobachten läßt? Hat er nicht selbst der Vorstellung widersprochen, daß in der Außenwelt Tatbestände vorliegen, welche unabhängig vom Beobachtungsprozeß ein objektives Dasein besitzen?
Es läge also ein naturalistischer Fehlschluß vor, würden
die philosophischen Wissenschaften nur auf naturwissenschaftlich-materialistischer
Basis erklärt werden. Andererseits ist tatsächlich zu überlegen,
ob nicht philosophische Fragen heutzutage unter Berücksichtigung
der neurophysiologischen Basis noch interessanter würden, realistischer?.
Von jeher will die Biologie, das erfassen, was ist, und geht es in der
Philosophie um das, was es sein soll. Im Grunde ist dies die alte Differenz
zwischen Körper und Geist.
Und vielleicht ist es so, wir müssen so tun als ob, es eine Realität
gibt, aber gleichzeitig uns bewußt sein, daß wir diese nur
konstruieren.
Erstmals bei der Open Art vertreten ist die im März eröffnete
Galerie Isart in der Westermühlstrasse 3. Die ersten sechs Monate
liefen für die Betreiber Thomas Huber und Régine Goueffon
"besser an, als erwartet". Die Galeriendichte im Glockenbachviertel
sieht Huber nicht als Konkurrenz, sondern bewertet sie eher positiv: je
mehr Galerien, desto größer sei der Publikumszuspruch, da in
München durchaus großes Interesse an junger Kunst bestehe.
Einen künstlerischen Schwerpunkt legt die Galerie nicht. Stilistisch
wird es keine Eingrenzungen geben, wobei jedoch die Gattung Malerei im
Vordergrund stehen wird.
Ab Freitag werden die Arbeiten Manuel Terra Eitners zu sehen sein. Aus
verschiedenen Materialien fertigt der Münchner Künstler Gemälde,
Collagen, Objekte und Reliefs, die es in solcher Form jedoch nicht zu
sehen gibt. Die Kunstwerke werden fotografiert und anschliessend zerstört.
Erhalten bleiben Ektachrome oder Kleinbilddias, die dann in Leuchtkästen
oder anderen Sehapperaturen präsentiert werden.
|
galerie
philomene magers
|
Zusammen mit Monika Sprüth zeigt Philomene Magers Programme ihrer seit '91 in Köln bestehenden Galerie. Neben Einzelausstellungen zeitgenössischer europäischer und amerikanischer Künstler, wird es auch "programmatische Gruppenausstellungen zu den aktuellsten Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst" geben.
Von 10. 9. bis 2. 10. wird die Schweizer Konzeptkünstlerin Sylvie Fleury zu sehen sein.
alexandra wolfelsperger

| |

Biologie und Kunstgeschichte? - Um die anatomiegerechte Zeichnung des
Hasen im Bild geht es hier nicht. Viel komplizierter erscheint das, was
sich auf den naturwissenschaftlich unbeleckten Kulturhistoriker zubewegt.
Auf das angestammte Parkett der philosophischen Wissenschaften drängen
zu Hauf Biologen, Neurophysiologen und Hirnforscher. Ihre Fortschritte
in der Erforschung unseres Menschseins, genauer der Strukturen unseres
Bewußtseins, treibt diese Kaste nun deutlich in die Nähe von
alten philosophischen Fragestellungen: nach dem Verhältnis von Körper
und Geist, von Natur und Kultur, von Außen und Innen. In der Geschichte
der Philosophie mit unterschiedlichen Bewertungen immer wieder getrennt
gesehen, erscheint die alte Differenz nun unter biologischen Aspekten
endgültig als unzertrennbar.
Da ist vor allem die philosophische Grundfrage, ob die Realität,
in der wir uns wähnen, eine objektive Welt da draußen ist,
oder ob sie etwas rein Subjektives ist. Im Grunde scheint sie heute weder
im Menschen allein begründet, noch außerhalb des Menschen existent.
Sie entsteht primär aus der Wechselwirkung von Subjekt und Objekt.
Das was wir wahrnehmen: sehen, hören, schmecken, tasten, riechen
prägt unser Verständnis von der Welt. Klar! Doch nicht so, als
ob sich diese Welt 1 zu 1 in unserem Gehirn ablichten ließe. Was
wir wahrnehmen ist geprägt von dem, was wir bereits wahrgenommen
haben. Und auch nicht so, als ob sich diese Erfahrungen als Erinnerungen
im Gehirn fest abspeichern und abrufen ließen oder eben auch mal
verloren gingen. Nein, diese Erinnerungen verändern sich durch fortlaufende
Erfahrungen, die wir machen. Man spricht von einem dynamischen Bewußtsein.
Das Gehirn vergleicht ständig.
Man stelle sich vor, man habe eine alten Freund seit 10 Jahren nicht mehr
zu Gesicht bekommen. Diesen dürfte man tatsächlich so in Erinnerung
behalten, wie er gewesen ist. Unsere Erinnerungen hingegen an Personen,
mit denen wir regelmäßig zu tun haben, aktualisieren sich ständig.
Wie sie uns vor 10 Jahren erschienen sind, könnten wir lediglich
anhand einer Photographie erinnern.
|
|
Der Hirnforscher, so lesen wir erst kürzlich, unterscheidet zwischen 3 Mechanismen, über welche Wissen in das Gehirn kommt: die Evolution, die Wissen über die Welt in den Genen speichert und dieses Wissen im neu ausreifenden Gehirn festhält; dann die Ontogenese, während der erworbenes Erfahrungswissen in irreversible Verschaltungsänderungen umgesetzt wird (die wohl kaum von den genetisch bedingten zu unterscheiden sind); schließlich die normalen Lernvorgänge, die erworbenes Wissen durch Änderungen der Effizienz bereits konsolidierter Verbindungen speichern.
Da die von den Kulturwissenschaften bearbeiteten Phänomene nichts anderes sind als die Erzeugnisse jener kollektiven Hirnleistungen, die der kulturellen Evolution zugrunde liegen, sollte es möglich sein, so der Hirnforscher, die Beschreibungssysteme, die Hirnfunktionen auf Wechselwirkungen materieller Komponenten zurückführen, Beschreibungssystemen anzunähern, die sich mit den Produkten individueller und kollektiver Hirnfunktionen befassen.
Soweit, so gut! Doch dann die Frage: Ist die Hirnforschung dabei ihren reduktionistischen Ansatz auf alle relevanten Ebenen lückenlos auszudehnen? Wird sie die Phänomene neuronaler Kommunikation auf ihre molekularen und zellulären Grundlagen zurückführen und ist sie dabei, Verhaltensphänomene, einschließlich psychischer und mentaler Funktionen, durch neuronale Kommunikationsprozesse zu erklären.
Schließlich die noch wichtigere Frage: Wie verhält es sich aber dann mit unserer Erfahrung, daß wir frei entscheiden können? Wie verhält es sich mit Schuldzuschreibungen und unserem Kulturgut der Verantwortlichkeit? Wo sollen wir das selbstbestimmte Ich verorten, das wir wahrnehmen, als sei es von Hirnfunktionen losgelöst?
Hat der Hirnforscher hier nicht eines vergessen? Hat er nicht selbst gesagt, daß jede Beobachtung die Realität erzeugt, die sie beobachten will. Befindet nicht jeder Beobachter sich in der unbefriedigenden Situation, daß er nur beobachtet, was die Beobachtung ihn beobachten läßt? Hat er nicht selbst der Vorstellung widersprochen, daß in der Außenwelt Tatbestände vorliegen, welche unabhängig vom Beobachtungsprozeß ein objektives Dasein besitzen?
Es läge also ein naturalistischer Fehlschluß vor, würden
die philosophischen Wissenschaften nur auf naturwissenschaftlich-materialistischer
Basis erklärt werden. Andererseits ist tatsächlich zu überlegen,
ob nicht philosophische Fragen heutzutage unter Berücksichtigung
der neurophysiologischen Basis noch interessanter würden, realistischer?.
Von jeher will die Biologie, das erfassen, was ist, und geht es in der
Philosophie um das, was es sein soll. Im Grunde ist dies die alte Differenz
zwischen Körper und Geist.
Und vielleicht ist es so, wir müssen so tun als ob, es eine Realität
gibt, aber gleichzeitig uns bewußt sein, daß wir diese nur
konstruieren.
|
galerie
philomene magers
|
Zusammen mit Monika Sprüth zeigt Philomene Magers Programme ihrer seit '91 in Köln bestehenden Galerie. Neben Einzelausstellungen zeitgenössischer europäischer und amerikanischer Künstler, wird es auch "programmatische Gruppenausstellungen zu den aktuellsten Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst" geben.
Von 10. 9. bis 2. 10. wird die Schweizer Konzeptkünstlerin Sylvie Fleury zu sehen sein.
alexandra wolfelsperger

| |

Biologie und Kunstgeschichte? - Um die anatomiegerechte Zeichnung des
Hasen im Bild geht es hier nicht. Viel komplizierter erscheint das, was
sich auf den naturwissenschaftlich unbeleckten Kulturhistoriker zubewegt.
Auf das angestammte Parkett der philosophischen Wissenschaften drängen
zu Hauf Biologen, Neurophysiologen und Hirnforscher. Ihre Fortschritte
in der Erforschung unseres Menschseins, genauer der Strukturen unseres
Bewußtseins, treibt diese Kaste nun deutlich in die Nähe von
alten philosophischen Fragestellungen: nach dem Verhältnis von Körper
und Geist, von Natur und Kultur, von Außen und Innen. In der Geschichte
der Philosophie mit unterschiedlichen Bewertungen immer wieder getrennt
gesehen, erscheint die alte Differenz nun unter biologischen Aspekten
endgültig als unzertrennbar.
Da ist vor allem die philosophische Grundfrage, ob die Realität,
in der wir uns wähnen, eine objektive Welt da draußen ist,
oder ob sie etwas rein Subjektives ist. Im Grunde scheint sie heute weder
im Menschen allein begründet, noch außerhalb des Menschen existent.
Sie entsteht primär aus der Wechselwirkung von Subjekt und Objekt.
Das was wir wahrnehmen: sehen, hören, schmecken, tasten, riechen
prägt unser Verständnis von der Welt. Klar! Doch nicht so, als
ob sich diese Welt 1 zu 1 in unserem Gehirn ablichten ließe. Was
wir wahrnehmen ist geprägt von dem, was wir bereits wahrgenommen
haben. Und auch nicht so, als ob sich diese Erfahrungen als Erinnerungen
im Gehirn fest abspeichern und abrufen ließen oder eben auch mal
verloren gingen. Nein, diese Erinnerungen verändern sich durch fortlaufende
Erfahrungen, die wir machen. Man spricht von einem dynamischen Bewußtsein.
Das Gehirn vergleicht ständig.
Man stelle sich vor, man habe eine alten Freund seit 10 Jahren nicht mehr
zu Gesicht bekommen. Diesen dürfte man tatsächlich so in Erinnerung
behalten, wie er gewesen ist. Unsere Erinnerungen hingegen an Personen,
mit denen wir regelmäßig zu tun haben, aktualisieren sich ständig.
Wie sie uns vor 10 Jahren erschienen sind, könnten wir lediglich
anhand einer Photographie erinnern.
|
|
Der Hirnforscher, so lesen wir erst kürzlich, unterscheidet zwischen 3 Mechanismen, über welche Wissen in das Gehirn kommt: die Evolution, die Wissen über die Welt in den Genen speichert und dieses Wissen im neu ausreifenden Gehirn festhält; dann die Ontogenese, während der erworbenes Erfahrungswissen in irreversible Verschaltungsänderungen umgesetzt wird (die wohl kaum von den genetisch bedingten zu unterscheiden sind); schließlich die normalen Lernvorgänge, die erworbenes Wissen durch Änderungen der Effizienz bereits konsolidierter Verbindungen speichern.
Da die von den Kulturwissenschaften bearbeiteten Phänomene nichts anderes sind als die Erzeugnisse jener kollektiven Hirnleistungen, die der kulturellen Evolution zugrunde liegen, sollte es möglich sein, so der Hirnforscher, die Beschreibungssysteme, die Hirnfunktionen auf Wechselwirkungen materieller Komponenten zurückführen, Beschreibungssystemen anzunähern, die sich mit den Produkten individueller und kollektiver Hirnfunktionen befassen.
Soweit, so gut! Doch dann die Frage: Ist die Hirnforschung dabei ihren reduktionistischen Ansatz auf alle relevanten Ebenen lückenlos auszudehnen? Wird sie die Phänomene neuronaler Kommunikation auf ihre molekularen und zellulären Grundlagen zurückführen und ist sie dabei, Verhaltensphänomene, einschließlich psychischer und mentaler Funktionen, durch neuronale Kommunikationsprozesse zu erklären.
Schließlich die noch wichtigere Frage: Wie verhält es sich aber dann mit unserer Erfahrung, daß wir frei entscheiden können? Wie verhält es sich mit Schuldzuschreibungen und unserem Kulturgut der Verantwortlichkeit? Wo sollen wir das selbstbestimmte Ich verorten, das wir wahrnehmen, als sei es von Hirnfunktionen losgelöst?
Hat der Hirnforscher hier nicht eines vergessen? Hat er nicht selbst gesagt, daß jede Beobachtung die Realität erzeugt, die sie beobachten will. Befindet nicht jeder Beobachter sich in der unbefriedigenden Situation, daß er nur beobachtet, was die Beobachtung ihn beobachten läßt? Hat er nicht selbst der Vorstellung widersprochen, daß in der Außenwelt Tatbestände vorliegen, welche unabhängig vom Beobachtungsprozeß ein objektives Dasein besitzen?
Es läge also ein naturalistischer Fehlschluß vor, würden
die philosophischen Wissenschaften nur auf naturwissenschaftlich-materialistischer
Basis erklärt werden. Andererseits ist tatsächlich zu überlegen,
ob nicht philosophische Fragen heutzutage unter Berücksichtigung
der neurophysiologischen Basis noch interessanter würden, realistischer?.
Von jeher will die Biologie, das erfassen, was ist, und geht es in der
Philosophie um das, was es sein soll. Im Grunde ist dies die alte Differenz
zwischen Körper und Geist.
Und vielleicht ist es so, wir müssen so tun als ob, es eine Realität
gibt, aber gleichzeitig uns bewußt sein, daß wir diese nur
konstruieren.
Zusammen mit Monika Sprüth zeigt Philomene Magers Programme ihrer seit '91 in Köln bestehenden Galerie. Neben Einzelausstellungen zeitgenössischer europäischer und amerikanischer Künstler, wird es auch "programmatische Gruppenausstellungen zu den aktuellsten Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst" geben.
Von 10. 9. bis 2. 10. wird die Schweizer Konzeptkünstlerin Sylvie Fleury zu sehen sein.
alexandra wolfelsperger

| |

Biologie und Kunstgeschichte? - Um die anatomiegerechte Zeichnung des
Hasen im Bild geht es hier nicht. Viel komplizierter erscheint das, was
sich auf den naturwissenschaftlich unbeleckten Kulturhistoriker zubewegt.
Auf das angestammte Parkett der philosophischen Wissenschaften drängen
zu Hauf Biologen, Neurophysiologen und Hirnforscher. Ihre Fortschritte
in der Erforschung unseres Menschseins, genauer der Strukturen unseres
Bewußtseins, treibt diese Kaste nun deutlich in die Nähe von
alten philosophischen Fragestellungen: nach dem Verhältnis von Körper
und Geist, von Natur und Kultur, von Außen und Innen. In der Geschichte
der Philosophie mit unterschiedlichen Bewertungen immer wieder getrennt
gesehen, erscheint die alte Differenz nun unter biologischen Aspekten
endgültig als unzertrennbar.
Da ist vor allem die philosophische Grundfrage, ob die Realität,
in der wir uns wähnen, eine objektive Welt da draußen ist,
oder ob sie etwas rein Subjektives ist. Im Grunde scheint sie heute weder
im Menschen allein begründet, noch außerhalb des Menschen existent.
Sie entsteht primär aus der Wechselwirkung von Subjekt und Objekt.
Das was wir wahrnehmen: sehen, hören, schmecken, tasten, riechen
prägt unser Verständnis von der Welt. Klar! Doch nicht so, als
ob sich diese Welt 1 zu 1 in unserem Gehirn ablichten ließe. Was
wir wahrnehmen ist geprägt von dem, was wir bereits wahrgenommen
haben. Und auch nicht so, als ob sich diese Erfahrungen als Erinnerungen
im Gehirn fest abspeichern und abrufen ließen oder eben auch mal
verloren gingen. Nein, diese Erinnerungen verändern sich durch fortlaufende
Erfahrungen, die wir machen. Man spricht von einem dynamischen Bewußtsein.
Das Gehirn vergleicht ständig.
Man stelle sich vor, man habe eine alten Freund seit 10 Jahren nicht mehr
zu Gesicht bekommen. Diesen dürfte man tatsächlich so in Erinnerung
behalten, wie er gewesen ist. Unsere Erinnerungen hingegen an Personen,
mit denen wir regelmäßig zu tun haben, aktualisieren sich ständig.
Wie sie uns vor 10 Jahren erschienen sind, könnten wir lediglich
anhand einer Photographie erinnern.
|
|
Der Hirnforscher, so lesen wir erst kürzlich, unterscheidet zwischen 3 Mechanismen, über welche Wissen in das Gehirn kommt: die Evolution, die Wissen über die Welt in den Genen speichert und dieses Wissen im neu ausreifenden Gehirn festhält; dann die Ontogenese, während der erworbenes Erfahrungswissen in irreversible Verschaltungsänderungen umgesetzt wird (die wohl kaum von den genetisch bedingten zu unterscheiden sind); schließlich die normalen Lernvorgänge, die erworbenes Wissen durch Änderungen der Effizienz bereits konsolidierter Verbindungen speichern.
Da die von den Kulturwissenschaften bearbeiteten Phänomene nichts anderes sind als die Erzeugnisse jener kollektiven Hirnleistungen, die der kulturellen Evolution zugrunde liegen, sollte es möglich sein, so der Hirnforscher, die Beschreibungssysteme, die Hirnfunktionen auf Wechselwirkungen materieller Komponenten zurückführen, Beschreibungssystemen anzunähern, die sich mit den Produkten individueller und kollektiver Hirnfunktionen befassen.
Soweit, so gut! Doch dann die Frage: Ist die Hirnforschung dabei ihren reduktionistischen Ansatz auf alle relevanten Ebenen lückenlos auszudehnen? Wird sie die Phänomene neuronaler Kommunikation auf ihre molekularen und zellulären Grundlagen zurückführen und ist sie dabei, Verhaltensphänomene, einschließlich psychischer und mentaler Funktionen, durch neuronale Kommunikationsprozesse zu erklären.
Schließlich die noch wichtigere Frage: Wie verhält es sich aber dann mit unserer Erfahrung, daß wir frei entscheiden können? Wie verhält es sich mit Schuldzuschreibungen und unserem Kulturgut der Verantwortlichkeit? Wo sollen wir das selbstbestimmte Ich verorten, das wir wahrnehmen, als sei es von Hirnfunktionen losgelöst?
Hat der Hirnforscher hier nicht eines vergessen? Hat er nicht selbst gesagt, daß jede Beobachtung die Realität erzeugt, die sie beobachten will. Befindet nicht jeder Beobachter sich in der unbefriedigenden Situation, daß er nur beobachtet, was die Beobachtung ihn beobachten läßt? Hat er nicht selbst der Vorstellung widersprochen, daß in der Außenwelt Tatbestände vorliegen, welche unabhängig vom Beobachtungsprozeß ein objektives Dasein besitzen?
Es läge also ein naturalistischer Fehlschluß vor, würden
die philosophischen Wissenschaften nur auf naturwissenschaftlich-materialistischer
Basis erklärt werden. Andererseits ist tatsächlich zu überlegen,
ob nicht philosophische Fragen heutzutage unter Berücksichtigung
der neurophysiologischen Basis noch interessanter würden, realistischer?.
Von jeher will die Biologie, das erfassen, was ist, und geht es in der
Philosophie um das, was es sein soll. Im Grunde ist dies die alte Differenz
zwischen Körper und Geist.
Und vielleicht ist es so, wir müssen so tun als ob, es eine Realität
gibt, aber gleichzeitig uns bewußt sein, daß wir diese nur
konstruieren.
| |

Biologie und Kunstgeschichte? - Um die anatomiegerechte Zeichnung des
Hasen im Bild geht es hier nicht. Viel komplizierter erscheint das, was
sich auf den naturwissenschaftlich unbeleckten Kulturhistoriker zubewegt.
Auf das angestammte Parkett der philosophischen Wissenschaften drängen
zu Hauf Biologen, Neurophysiologen und Hirnforscher. Ihre Fortschritte
in der Erforschung unseres Menschseins, genauer der Strukturen unseres
Bewußtseins, treibt diese Kaste nun deutlich in die Nähe von
alten philosophischen Fragestellungen: nach dem Verhältnis von Körper
und Geist, von Natur und Kultur, von Außen und Innen. In der Geschichte
der Philosophie mit unterschiedlichen Bewertungen immer wieder getrennt
gesehen, erscheint die alte Differenz nun unter biologischen Aspekten
endgültig als unzertrennbar.
Da ist vor allem die philosophische Grundfrage, ob die Realität,
in der wir uns wähnen, eine objektive Welt da draußen ist,
oder ob sie etwas rein Subjektives ist. Im Grunde scheint sie heute weder
im Menschen allein begründet, noch außerhalb des Menschen existent.
Sie entsteht primär aus der Wechselwirkung von Subjekt und Objekt.
Das was wir wahrnehmen: sehen, hören, schmecken, tasten, riechen
prägt unser Verständnis von der Welt. Klar! Doch nicht so, als
ob sich diese Welt 1 zu 1 in unserem Gehirn ablichten ließe. Was
wir wahrnehmen ist geprägt von dem, was wir bereits wahrgenommen
haben. Und auch nicht so, als ob sich diese Erfahrungen als Erinnerungen
im Gehirn fest abspeichern und abrufen ließen oder eben auch mal
verloren gingen. Nein, diese Erinnerungen verändern sich durch fortlaufende
Erfahrungen, die wir machen. Man spricht von einem dynamischen Bewußtsein.
Das Gehirn vergleicht ständig.
Man stelle sich vor, man habe eine alten Freund seit 10 Jahren nicht mehr
zu Gesicht bekommen. Diesen dürfte man tatsächlich so in Erinnerung
behalten, wie er gewesen ist. Unsere Erinnerungen hingegen an Personen,
mit denen wir regelmäßig zu tun haben, aktualisieren sich ständig.
Wie sie uns vor 10 Jahren erschienen sind, könnten wir lediglich
anhand einer Photographie erinnern.
|
|
Der Hirnforscher, so lesen wir erst kürzlich, unterscheidet zwischen 3 Mechanismen, über welche Wissen in das Gehirn kommt: die Evolution, die Wissen über die Welt in den Genen speichert und dieses Wissen im neu ausreifenden Gehirn festhält; dann die Ontogenese, während der erworbenes Erfahrungswissen in irreversible Verschaltungsänderungen umgesetzt wird (die wohl kaum von den genetisch bedingten zu unterscheiden sind); schließlich die normalen Lernvorgänge, die erworbenes Wissen durch Änderungen der Effizienz bereits konsolidierter Verbindungen speichern.
Da die von den Kulturwissenschaften bearbeiteten Phänomene nichts anderes sind als die Erzeugnisse jener kollektiven Hirnleistungen, die der kulturellen Evolution zugrunde liegen, sollte es möglich sein, so der Hirnforscher, die Beschreibungssysteme, die Hirnfunktionen auf Wechselwirkungen materieller Komponenten zurückführen, Beschreibungssystemen anzunähern, die sich mit den Produkten individueller und kollektiver Hirnfunktionen befassen.
Soweit, so gut! Doch dann die Frage: Ist die Hirnforschung dabei ihren reduktionistischen Ansatz auf alle relevanten Ebenen lückenlos auszudehnen? Wird sie die Phänomene neuronaler Kommunikation auf ihre molekularen und zellulären Grundlagen zurückführen und ist sie dabei, Verhaltensphänomene, einschließlich psychischer und mentaler Funktionen, durch neuronale Kommunikationsprozesse zu erklären.
Schließlich die noch wichtigere Frage: Wie verhält es sich aber dann mit unserer Erfahrung, daß wir frei entscheiden können? Wie verhält es sich mit Schuldzuschreibungen und unserem Kulturgut der Verantwortlichkeit? Wo sollen wir das selbstbestimmte Ich verorten, das wir wahrnehmen, als sei es von Hirnfunktionen losgelöst?
Hat der Hirnforscher hier nicht eines vergessen? Hat er nicht selbst gesagt, daß jede Beobachtung die Realität erzeugt, die sie beobachten will. Befindet nicht jeder Beobachter sich in der unbefriedigenden Situation, daß er nur beobachtet, was die Beobachtung ihn beobachten läßt? Hat er nicht selbst der Vorstellung widersprochen, daß in der Außenwelt Tatbestände vorliegen, welche unabhängig vom Beobachtungsprozeß ein objektives Dasein besitzen?
Es läge also ein naturalistischer Fehlschluß vor, würden
die philosophischen Wissenschaften nur auf naturwissenschaftlich-materialistischer
Basis erklärt werden. Andererseits ist tatsächlich zu überlegen,
ob nicht philosophische Fragen heutzutage unter Berücksichtigung
der neurophysiologischen Basis noch interessanter würden, realistischer?.
Von jeher will die Biologie, das erfassen, was ist, und geht es in der
Philosophie um das, was es sein soll. Im Grunde ist dies die alte Differenz
zwischen Körper und Geist.
Und vielleicht ist es so, wir müssen so tun als ob, es eine Realität
gibt, aber gleichzeitig uns bewußt sein, daß wir diese nur
konstruieren.
Biologie und Kunstgeschichte? - Um die anatomiegerechte Zeichnung des
Hasen im Bild geht es hier nicht. Viel komplizierter erscheint das, was
sich auf den naturwissenschaftlich unbeleckten Kulturhistoriker zubewegt.
Auf das angestammte Parkett der philosophischen Wissenschaften drängen
zu Hauf Biologen, Neurophysiologen und Hirnforscher. Ihre Fortschritte
in der Erforschung unseres Menschseins, genauer der Strukturen unseres
Bewußtseins, treibt diese Kaste nun deutlich in die Nähe von
alten philosophischen Fragestellungen: nach dem Verhältnis von Körper
und Geist, von Natur und Kultur, von Außen und Innen. In der Geschichte
der Philosophie mit unterschiedlichen Bewertungen immer wieder getrennt
gesehen, erscheint die alte Differenz nun unter biologischen Aspekten
endgültig als unzertrennbar.
Da ist vor allem die philosophische Grundfrage, ob die Realität,
in der wir uns wähnen, eine objektive Welt da draußen ist,
oder ob sie etwas rein Subjektives ist. Im Grunde scheint sie heute weder
im Menschen allein begründet, noch außerhalb des Menschen existent.
Sie entsteht primär aus der Wechselwirkung von Subjekt und Objekt.
Das was wir wahrnehmen: sehen, hören, schmecken, tasten, riechen
prägt unser Verständnis von der Welt. Klar! Doch nicht so, als
ob sich diese Welt 1 zu 1 in unserem Gehirn ablichten ließe. Was
wir wahrnehmen ist geprägt von dem, was wir bereits wahrgenommen
haben. Und auch nicht so, als ob sich diese Erfahrungen als Erinnerungen
im Gehirn fest abspeichern und abrufen ließen oder eben auch mal
verloren gingen. Nein, diese Erinnerungen verändern sich durch fortlaufende
Erfahrungen, die wir machen. Man spricht von einem dynamischen Bewußtsein.
Das Gehirn vergleicht ständig.
Man stelle sich vor, man habe eine alten Freund seit 10 Jahren nicht mehr
zu Gesicht bekommen. Diesen dürfte man tatsächlich so in Erinnerung
behalten, wie er gewesen ist. Unsere Erinnerungen hingegen an Personen,
mit denen wir regelmäßig zu tun haben, aktualisieren sich ständig.
Wie sie uns vor 10 Jahren erschienen sind, könnten wir lediglich
anhand einer Photographie erinnern.
|
|
Der Hirnforscher, so lesen wir erst kürzlich, unterscheidet zwischen 3 Mechanismen, über welche Wissen in das Gehirn kommt: die Evolution, die Wissen über die Welt in den Genen speichert und dieses Wissen im neu ausreifenden Gehirn festhält; dann die Ontogenese, während der erworbenes Erfahrungswissen in irreversible Verschaltungsänderungen umgesetzt wird (die wohl kaum von den genetisch bedingten zu unterscheiden sind); schließlich die normalen Lernvorgänge, die erworbenes Wissen durch Änderungen der Effizienz bereits konsolidierter Verbindungen speichern.
Da die von den Kulturwissenschaften bearbeiteten Phänomene nichts anderes sind als die Erzeugnisse jener kollektiven Hirnleistungen, die der kulturellen Evolution zugrunde liegen, sollte es möglich sein, so der Hirnforscher, die Beschreibungssysteme, die Hirnfunktionen auf Wechselwirkungen materieller Komponenten zurückführen, Beschreibungssystemen anzunähern, die sich mit den Produkten individueller und kollektiver Hirnfunktionen befassen.
Soweit, so gut! Doch dann die Frage: Ist die Hirnforschung dabei ihren reduktionistischen Ansatz auf alle relevanten Ebenen lückenlos auszudehnen? Wird sie die Phänomene neuronaler Kommunikation auf ihre molekularen und zellulären Grundlagen zurückführen und ist sie dabei, Verhaltensphänomene, einschließlich psychischer und mentaler Funktionen, durch neuronale Kommunikationsprozesse zu erklären.
Schließlich die noch wichtigere Frage: Wie verhält es sich aber dann mit unserer Erfahrung, daß wir frei entscheiden können? Wie verhält es sich mit Schuldzuschreibungen und unserem Kulturgut der Verantwortlichkeit? Wo sollen wir das selbstbestimmte Ich verorten, das wir wahrnehmen, als sei es von Hirnfunktionen losgelöst?
Hat der Hirnforscher hier nicht eines vergessen? Hat er nicht selbst gesagt, daß jede Beobachtung die Realität erzeugt, die sie beobachten will. Befindet nicht jeder Beobachter sich in der unbefriedigenden Situation, daß er nur beobachtet, was die Beobachtung ihn beobachten läßt? Hat er nicht selbst der Vorstellung widersprochen, daß in der Außenwelt Tatbestände vorliegen, welche unabhängig vom Beobachtungsprozeß ein objektives Dasein besitzen?
Es läge also ein naturalistischer Fehlschluß vor, würden
die philosophischen Wissenschaften nur auf naturwissenschaftlich-materialistischer
Basis erklärt werden. Andererseits ist tatsächlich zu überlegen,
ob nicht philosophische Fragen heutzutage unter Berücksichtigung
der neurophysiologischen Basis noch interessanter würden, realistischer?.
Von jeher will die Biologie, das erfassen, was ist, und geht es in der
Philosophie um das, was es sein soll. Im Grunde ist dies die alte Differenz
zwischen Körper und Geist.
Und vielleicht ist es so, wir müssen so tun als ob, es eine Realität
gibt, aber gleichzeitig uns bewußt sein, daß wir diese nur
konstruieren.
|
|
Der Hirnforscher, so lesen wir erst kürzlich, unterscheidet zwischen 3 Mechanismen, über welche Wissen in das Gehirn kommt: die Evolution, die Wissen über die Welt in den Genen speichert und dieses Wissen im neu ausreifenden Gehirn festhält; dann die Ontogenese, während der erworbenes Erfahrungswissen in irreversible Verschaltungsänderungen umgesetzt wird (die wohl kaum von den genetisch bedingten zu unterscheiden sind); schließlich die normalen Lernvorgänge, die erworbenes Wissen durch Änderungen der Effizienz bereits konsolidierter Verbindungen speichern.
Da die von den Kulturwissenschaften bearbeiteten Phänomene nichts anderes sind als die Erzeugnisse jener kollektiven Hirnleistungen, die der kulturellen Evolution zugrunde liegen, sollte es möglich sein, so der Hirnforscher, die Beschreibungssysteme, die Hirnfunktionen auf Wechselwirkungen materieller Komponenten zurückführen, Beschreibungssystemen anzunähern, die sich mit den Produkten individueller und kollektiver Hirnfunktionen befassen.
Soweit, so gut! Doch dann die Frage: Ist die Hirnforschung dabei ihren reduktionistischen Ansatz auf alle relevanten Ebenen lückenlos auszudehnen? Wird sie die Phänomene neuronaler Kommunikation auf ihre molekularen und zellulären Grundlagen zurückführen und ist sie dabei, Verhaltensphänomene, einschließlich psychischer und mentaler Funktionen, durch neuronale Kommunikationsprozesse zu erklären.
Schließlich die noch wichtigere Frage: Wie verhält es sich aber dann mit unserer Erfahrung, daß wir frei entscheiden können? Wie verhält es sich mit Schuldzuschreibungen und unserem Kulturgut der Verantwortlichkeit? Wo sollen wir das selbstbestimmte Ich verorten, das wir wahrnehmen, als sei es von Hirnfunktionen losgelöst?
Hat der Hirnforscher hier nicht eines vergessen? Hat er nicht selbst gesagt, daß jede Beobachtung die Realität erzeugt, die sie beobachten will. Befindet nicht jeder Beobachter sich in der unbefriedigenden Situation, daß er nur beobachtet, was die Beobachtung ihn beobachten läßt? Hat er nicht selbst der Vorstellung widersprochen, daß in der Außenwelt Tatbestände vorliegen, welche unabhängig vom Beobachtungsprozeß ein objektives Dasein besitzen?
Es läge also ein naturalistischer Fehlschluß vor, würden
die philosophischen Wissenschaften nur auf naturwissenschaftlich-materialistischer
Basis erklärt werden. Andererseits ist tatsächlich zu überlegen,
ob nicht philosophische Fragen heutzutage unter Berücksichtigung
der neurophysiologischen Basis noch interessanter würden, realistischer?.
Von jeher will die Biologie, das erfassen, was ist, und geht es in der
Philosophie um das, was es sein soll. Im Grunde ist dies die alte Differenz
zwischen Körper und Geist.
Und vielleicht ist es so, wir müssen so tun als ob, es eine Realität
gibt, aber gleichzeitig uns bewußt sein, daß wir diese nur
konstruieren.
Der Hirnforscher, so lesen wir erst kürzlich, unterscheidet zwischen 3 Mechanismen, über welche Wissen in das Gehirn kommt: die Evolution, die Wissen über die Welt in den Genen speichert und dieses Wissen im neu ausreifenden Gehirn festhält; dann die Ontogenese, während der erworbenes Erfahrungswissen in irreversible Verschaltungsänderungen umgesetzt wird (die wohl kaum von den genetisch bedingten zu unterscheiden sind); schließlich die normalen Lernvorgänge, die erworbenes Wissen durch Änderungen der Effizienz bereits konsolidierter Verbindungen speichern.
Da die von den Kulturwissenschaften bearbeiteten Phänomene nichts anderes sind als die Erzeugnisse jener kollektiven Hirnleistungen, die der kulturellen Evolution zugrunde liegen, sollte es möglich sein, so der Hirnforscher, die Beschreibungssysteme, die Hirnfunktionen auf Wechselwirkungen materieller Komponenten zurückführen, Beschreibungssystemen anzunähern, die sich mit den Produkten individueller und kollektiver Hirnfunktionen befassen.
Soweit, so gut! Doch dann die Frage: Ist die Hirnforschung dabei ihren reduktionistischen Ansatz auf alle relevanten Ebenen lückenlos auszudehnen? Wird sie die Phänomene neuronaler Kommunikation auf ihre molekularen und zellulären Grundlagen zurückführen und ist sie dabei, Verhaltensphänomene, einschließlich psychischer und mentaler Funktionen, durch neuronale Kommunikationsprozesse zu erklären.
Schließlich die noch wichtigere Frage: Wie verhält es sich aber dann mit unserer Erfahrung, daß wir frei entscheiden können? Wie verhält es sich mit Schuldzuschreibungen und unserem Kulturgut der Verantwortlichkeit? Wo sollen wir das selbstbestimmte Ich verorten, das wir wahrnehmen, als sei es von Hirnfunktionen losgelöst?
Hat der Hirnforscher hier nicht eines vergessen? Hat er nicht selbst gesagt, daß jede Beobachtung die Realität erzeugt, die sie beobachten will. Befindet nicht jeder Beobachter sich in der unbefriedigenden Situation, daß er nur beobachtet, was die Beobachtung ihn beobachten läßt? Hat er nicht selbst der Vorstellung widersprochen, daß in der Außenwelt Tatbestände vorliegen, welche unabhängig vom Beobachtungsprozeß ein objektives Dasein besitzen?
Es läge also ein naturalistischer Fehlschluß vor, würden
die philosophischen Wissenschaften nur auf naturwissenschaftlich-materialistischer
Basis erklärt werden. Andererseits ist tatsächlich zu überlegen,
ob nicht philosophische Fragen heutzutage unter Berücksichtigung
der neurophysiologischen Basis noch interessanter würden, realistischer?.
Von jeher will die Biologie, das erfassen, was ist, und geht es in der
Philosophie um das, was es sein soll. Im Grunde ist dies die alte Differenz
zwischen Körper und Geist.
Und vielleicht ist es so, wir müssen so tun als ob, es eine Realität
gibt, aber gleichzeitig uns bewußt sein, daß wir diese nur
konstruieren.