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schöner wohnen mit andrea zittel
besprechung
"Designs for living" nennt Andrea Zittel die Objekte, die sie unter dem Logo A-Z Administrative Services seit den frühen 90er Jahren entwickelt. Die Gegenstände werden durch diese Etikettierung nicht nur vordergründig aus dem Kunstkontext in den des alltäglichen Gebrauchs überführt, sondern sind durch die Künstlerin im Zuge eines Effizienzbedürfnisses selbst erprobt worden. Erst im Nachhinein werden die Objekte zu Museumsstücken und sind aufgrund dessen als Teile eines umfassenden Programms der Konzeptkünstlerin Zittel zu bewerten.
Die Einzelausstellung
in der Sammlung Goetz eröffnen die zwischen 1995 und 1998 entstandenen
Personal Panels. Schlichte, aber edel gearbeitete, kittelähnliche
Kleider, drapiert auf schlichten Schneiderpuppen. Unterschiedliche
Stoffe, jedoch immer der gleiche Schnitt - als kühles Rechteck
wird es an der Wand zum Bild mit geometrischem Muster ("Panel").
In einer Skizze verdeutlicht Zittel eine weitere Verwendungsmöglichkeit:
hier dient einer der Kittel als Tischdecke. Mehr noch ist diese Zeichnung
als Hinweis für den Besucher zu deuten, die gezeigten Objekte
als flexibel in ihren Gebrauchsmöglichkeiten zu sehen.
Bewahrt
man sich diese Offenheit, werden die im nächsten Raum ausgestellten
Werke schnell mit möglichen Verwendungsideen besetzt: Hat man
es bei dem blank polierten Edelstahlgebilde mit einer Vase, einem
Spucknapf, einem Nachttopf oder einer Klangschale zu tun? Die an Wand
und auf dem Boden ausgebreiteten Teppiche markieren in ihren Farbflächen
Bett und Nachttische, Tischfläche, Stühle und Platzdecken.
Zittel entwarf diese Objekte aus der Not heraus, sich in einem engen
New Yorker Appartment einrichten zu müssen. Hinter ihren Entwürfen
steckt der Wunsch nach Vereinfachung und Optimierung, ebenso wie das
Nachdenken
und Experimentieren, was man eigentlich tatsächlich braucht und
ob nicht manchmal weniger mehr sein kann.
Während bei
den Personal Panels Zeitersparnis (die allmorgendliche Frage:
Was soll ich anziehen?) und eine finanzielle Einschränkung für
die Entwicklung der Kleidung entscheidend war, ist eine optimierte
Ausnutzung des Lebensraumes bei der Idee der Teppiche entscheidend.
Einen weiteren Aspekt der Reduktion lassen die im Untergeschoss aufgestellten
Tische erkennen. Anstelle von Tellern finden sich bei den A-Z Dishless
Dining Tables Vertiefungen in den Tischplatten. Wie benutzerfreundlich
diese Objekte tatsächlich sind, bleibt hier unbeantwortet.
Während die kleineren Objekte bereits Teil der Sammlung Goetz
waren, ist mit der A-Z Cellular Compartment Units Customized By
Sammlung Goetz eine größere Arbeit eigens für
die Ausstellung entstanden. Im engen Austausch mit der Sammlerin Ingvild
Goetz und unter Berücksichtigung ihrer Wünsche hinsichtlich
Struktur, Ausstattung und Funktion der Räume wurde die sechs
kleine Räume und einen Steingarten umfassende Wohneinheit entwickelt.
Ein Anliegen der Künstlerin: die Auftraggeberin möge die
Compartment Units über einen gewissen Zeitraum auch selbst
bewohnen. Wieder ist räumliche Beschränkung das Thema. Aus
der Reduktion wird stets ein Nutzen gezogen - in den Wohnsegmenten
fallen im Sinne einer Klausur körperliche Eingeschlossenheit
und geistige Meditation zusammen.
Eine weitere Arbeit,
genannt Free Running Rhythms and Patterns, entstand aus einem
Selbstversuch, den die Künstlerin unter der Fragestellung durchführte,
inwieweit sich einengende Zeitstrukturen umgehen lassen.
Tagebuchartig auf Tafeln festgehalten ist das Protokoll einer Woche,
in der die Künstlerin, abgeschottet von äußeren Licht- und Geräuschquellen,
ohne Hinweise auf den Ablauf der Zeit, in ihrer eigenen Zeit lebte.
Für den Besucher muss die Auseinandersetzung mit den Objekten
Andrea Zittels nicht im Museum zu Ende sein: alle Objekte sind Auflagenwerke
und käuflich zu erwerben.
paulina palomino
andrea
hartmann