kunst_article
schon gesehen?
...daß in der Neuen Pinakothek eine 8 verborgen liegt?
Wer sich den Grundriß der Neuen Pinakothek einmal genau anschaut, wird erkennen, daß die Säle der Gemäldegalerie, welche um zwei Innenhöfe angeordnet sind, die Form einer 8 bilden. Unter entsprechendem Richtungswechsel der Führungslinie reihen sich 22 Säle und 9 Kabinette aneinander. Doch die 8 erstreckt sich nicht nur in zwei Dimensionen. Durch ansteigendes und absteigendes Bodenniveau der Säle ist sie sogar dreidimensional erfahrbar. Hat man die Hälfte der Säle durchschritten, ist man im ersten Stockwerk angelangt. Daraufhin kehrt der Besucher in der zweiten Hälfte des Rundgangs sanft absteigend auf das Niveau der Eingangshalle zurück. Durch den An- und Abstieg der Säle ist die Überschneidung der beiden Hälften der 8 möglich, ohne daß der Besucher einen Saal zweimal betritt und dadurch in Verwirrung gerät. Unbemerkt führt und leitet ihn die 8 in ihren Windungen durch die europäische Malerei des 19. Jahrhunderts, wie sie außer in der Nationalgalerie in Berlin sonst nirgends in Deutschland in diesem Umfang zu sehen ist. Der Besucher ist jedoch nicht gezwungen stets den vollen Rundgang zu absolvieren. Der Weg kann nach Belieben abgekürzt werden, indem man nur die halbe 8 abgeht oder über offene Arkadengänge entlang der Innenhöfe noch mehr Säle ausläßt.
Der Kern der Sammlung geht auf König
Ludwig I. von Bayern zurück. In seinem Auftrag erbaute August
von Voit 1846-53 ein öffentliches Museum für die königliche
Privatsammlung. Dieser Vorgängerbau der heutigen Neuen Pinakothek
fiel 1944 einem Bombenangriff zum Opfer. Die zuvor ausgelagerten
Gemälde überstanden den Krieg unbeschadet, doch waren
sie nun heimatlos geworden. Von 1946 bis 1953 wurden Gemälde
der Alten und Neuen Pinakothek im Haus der Kunst ausgestellt.
Nachdem die Ruine der "alten" Neuen Pinakothek 1949 abgerissen
worden war, erfolgte 1966 die Ausschreibung eines Ideenwettbewerbes
für einen Neubau. Aus fast 300 Vorschlägen wurde der
Entwurf des Münchener Architekten Alexander von Branca ausgewählt.
Der Neubau erfolgt dann von 1975 bis 1981.
Seine Worte lassen sich auch auf sein Bauwerk übertragen.
Mit dem Beschreiten des Rundgangs begibt sich der Besucher auf
einen Spaziergang durch die menschliche Historie. Eine liegende
8 ist in der Mathematik das Symbol für Unendlichkeit. Der
Mensch kann nur einen kleinen Teil davon abschreiten und überblicken.
Auch nur einen kleinen Ausschnitt seiner Vergangenheit überblickt
der Besucher bei einem Gang durch die Neue Pinakothek.
Eine
liegende 8 ist aber auch eine in sich geschlossene Form. Sie
entspricht dem Ausstellungskonzept, das von einer inneren Geschlossenheit
der Kunst des 19. Jahrhunderts ausgeht, wie sie sich aus unserer
heutigen Sicht ergibt. Sie reicht von Goya, David und der Sammlung
englischer Malerei bis zum Jugendstil und dem Symbolismus.
Derzeit erstreckt sich der Rundgang zwar, erweitert durch die Gemälde der Alten Pinakothek, über einen größeren Zeitabschnitt - 600 Jahre Malerei - doch auch diese stellen immer nur einen Ausschnitt aus der Geschichte dar.
Von Branca formulierte einen entsprechenden Gedanken: "Das Wesen der Kunst in einem tieferen Sinne ist (...) die Darstellung dessen, daß diese Welt offen ist, ihr Horizont weit und ihre Dimension unendlich und daß diesen Dimensionen die Tiefendimension des Menschen entspricht, der sich selbst in der Zurückverfolgung seines Wesens nicht ausloten kann."
Weitere Bauwerke von Brancas in
München:
- LVA München-Neuperlach
- DG Bank (ehem.
Raiffeisenbank)
- Olympia Pressestadt
- Umbau Residenztheater
-
Palais Bernheimer
- City Hilton Hotel und Mariott Hotel
Überall sieht man Menschen, die nach und nach die grünen Flecken der Stadt lichten und die stacheligen Bäumchen, hübsch in Großmaschiges verpackt, in ihre Wohnungen schleppen.
Aber seit wann ist das so, wie kam es dazu, wo liegen Wurzeln und Gründe für dieses eigentlich seltsam anmutende Gebaren zur Weihnachtszeit?
Die Entwicklung des Weihnachtsbaumes hat keinen eindeutigen
Anfang, vielmehr setzt sie sich aus verschiedenen Bräuchen
verschiedener Kulturen zusammen, denen jedoch eines gemeinsam
ist: die Winterzeit und die Verwendung von immergrünen Pflanzen.
So z.B. Efeu, Misteln oder Lorbeer, die bereits in der römischen
Antike zu den im Dezember stattfindenden Saturnalien zu Ehren
des Fruchtbarkeitsgottes Saturn verwendet wurden.
Kaiser Aurelian
erklärte in seinen Tagen den 25. Dezember, also in etwa
das Datum der Sonnenwende, zum Festtag des unbesiegbaren Sonnengottes
-sol invictis. Ein Datum, das uns auch heute noch bekannt vorkommt,
denn, im Zuge allgemeiner Christianisierung, erklärte Papst
Julius im Jahre 350 n.Chr. just dieses Datum zum Tage der Geburt
Christi.
Daß die heidnischen Gepflogenheiten zur Feier
des neu anbrechenden Jahres, wie z.B. das Verschenken von kleinen
Gaben an grünen Zweigen, auch an dem nun christianisierten
Datum der Sonnenwende beibehalten wurden, versteht sich fast
von selbst.
Doch auch in den nördlicheren Gefilden der
Germanen gab es die Benutzung von Grünzeug zur Winterszeit.
Dort wurden vor allem Tannenzweige ins Innere des Hauses gehängt,
vornehmlich über Eingänge und in dunkle Ecken, um bösen
Geistern das Eindringen und Einnisten in der guten Stube zu erschweren.
Zugleich gab das Grün Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings,
der den nahrungsarmen Zeiten ein Ende setzte.
Noch bis ins 19.Jahrhundert hinein schmückte man in Norddeutschland seinen Christbaum mit Adam und Eva, inklusive der Schlange, aus Holz oder gebacken.
Die Zünfte und Vereine waren es schließlich, die sich ein immergrünes Bäumchen in die Stube holten. Bis zum 30-jährigen Krieg wurde die Sitte der Stubenbegrünung mit Zweigen auch beim gemeinen Volk beliebt, so daß Naturschutz auch damals ein aktuelles Thema wurde. Die Kirche, der große Waldgebiete gehörten, schritt nun gegen das Plündern des Waldes zur Weihnachtszeit ein, da sie zudem den heidnischen Zweck, der nach wie vor dahinter stand, nicht billigen konnte.
Erst nach dem Krieg ging der Baum auch in private Stuben von wohlhabenden Bürgern ein, wo er mit Papierblumen, Backwerk und Früchten geschmückt wurde. Üblich war der hängende Weihnachtsbaum. Man hängte ihn entweder mit der Spitze nach oben oder unten auf, eine Möglichkeit, die bis zum Einzug der Stuckdecken im 19. Jahrhundert oft beibehalten wurde.
Ende des 19. Jahrhunderts kann sich die Kirche der allgemein so großen Beliebtheit des Bäumchens nicht mehr erwehren und bindet es schließlich in ihre Festlichkeiten mit ein. Der Christbaum ist endlich da.
Der Jugenstil möchte ihn von allem überflüssigen Schnickschnack befreien, ihn einheitlich in Weiß und Silber halten und bringt so schönen Schmuck wie gläserne Eiszapfen hervor.
Doch so ästhetisch bleibt er nicht lange, der Nationalismus fordert seinen Tribut und behängt das unschuldige Bäumchen während des ersten Weltkrieges mit Bömbchen, U-Bötchen und niedlichen eisernen Kreuzen.
Die Geschmacklosigkeit wird noch weiter gesteigert, als die Nationalsozialisten das Heft in der Hand halten und dieses auch, genannt "Deutsche Kriegsweihnacht" im Advent verteilen, um christliche Inhalte in germanische umzudeuten. So solten denn Christbaumanhänger "ahnenüberkommene Sinnbilder einer germanischen Weltschau" sein, wie z.B. Rune und Hakenkreuz oder Kugeln mit der Aufschrift "Heil Hitler".
Merkwürdige Ausprägungen.
Die Geschichte des Weihnachtsbaumes hält also für jeden etwas bereit, auf das er seine Ablehnung oder Befürwortung stützen kann. Doch meist ist es ja die eigene Geschichte, die einem entweder verklärende Nostalgie oder kühles Schaudern bereitet, wenn man an den nadeligen Gesellen denkt.
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