kunst_article
seelig sind die armen künstler!
besprechung
"Künstler: Keine Lobby, unversichert, krank, alt, vergessen, arm" - subsumiert ein Plakat am Boden, den Weg zum Büffet erschwerend. Und die meisten der ausstellenden Künstler nahmen dies Motto wörtlich: Da gibt es Bilder aus dem Arbeitsamt (jedoch scheut die Spezies des Kunstschaffenden "bürgerliche" Tätigkeit, wie Ruth Gruber auf dem ergänzenden Katalogplakat weiß), hungrige Kinder, schweigende Massen neben einem sich am Boden Krümmenden, Penner (die allerdings durchweg vornehmer als "Clochard" betitelt werden), Kollagen aus (Ohne-)Einkommenserklärungen und Pfändungsbeschluß, Arme, die nach den Darbenden greifen und ohne Rührung in die Abgründe menschlichen Existierens ziehen... . "Ach!", seufzt man unwillkürlich auf, "so viele arme Menschen und solch ein Elend"; es folgt der Griff zum Taschentuch... - So pauschal-dramatisch mußte man die nicht neue Forderung des Schutzverband Bildender Künstler IG Medien nach einem Ausstellungshonorar für die Teilnehmer illustrieren?
Wie wäre es denn mal mit ein bißchen Optimismus, oder besser Galgenhumor?
Bei so viel Armut schweift der Blick ab und zu ab, in den Raum, in dem eine Vielzahl von Veranstaltungen Spuren hinterlassen haben, dann an die Decke, zum verschmutzten Oberlicht - da ist sie ja schon wieder, die Geldnot, von der kunstbegeisterte Initiatoren ohne klingenden Namen, aber mit Engagement und Leidenschaft immer umgeben sind.
Tritt man schießlich wieder ins Freie, trifft man beim Durchqueren des Gartens gewissermaßen die Antithese: echte Clochards, die aber 'Penner' oder 'Asoziale' heißen und die mit verständnisloser Neugierde die verwaschenen Hemden der Vernissagenbesucher mustern und dabei sich ein Bier aufmachen, das sie aus ihren Tüten zaubern. - Ob das mal Künstler waren? Oder ob sie noch ärger dran sind? Schließlich haben sie keinen Grund, für den sich das Leiden lohnt.
Kurzes, aber schmerzloses Fazit: Nicht die Kunst ist der Luxus, sondern das Praktizieren mit Leidenschaft, die Wahl eines Berufes, oder besser der Berufung, die nichts einbringt.