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seifenopern und pornos = neue kunstformen?
besprechung
Der Münchner Künstler beschäftigt sich seit längerem mit den Strukturen dieses Fernsehformats und hat ein umfangreiches Inventar bezüglich der verwendeten Gesten, Gebärden, Situationen und Figurenkonstellationen erarbeitet. Rosenfeldt konfrontiert uns auf vier nebeneinander plazierten und simultan laufenden Projektionsflächen mit den aktuellen Soaps diverser Kulturkreise.
In einer 20minütigen Vorführung, welche der realen Länge einer Soapfolge entspricht, arbeitet der Künstler folgende Aspekte heraus:
Die Filme folgen einer strengen Choreographie. Der Ablauf der Handlung ist auf wenige Innenräume beschränkt und zeigt Standardsituationen wie Gespräche am Esstisch in der Küche, in Cafes oder im Schlafzimmer. Lautstarken Emotionsausbrüchen folgen im allgemeinen die sogenannten "it sinks in" - die Gesichter der Protagonisten, welche die soeben erlebten Konfliksituationen verarbeiten müssen, werden in Großaufnahme gezeigt. Rosenfeldt verstärkt den Effekt indem er die Nahaufnahmen in Zeitlupe wiedergibt. Zusätzlich wandelt er diese Momente in eine riesigen Plakatcollage um, wobei er vom TV-Querformat ins Hochformat wechselt. Wie der Titel seiner Arbeit bereits verdeutlicht, bedienen sich die Seifenopern weltweit einer stereotypen Format- und Gebärdensprache - das ist uns nicht neu. Überraschend allerdings ist Rosenfeldts Ansatz, seine erarbeitete Typolgie der Gesten und Gebärden mit der Gebärdenikonografie der Kunstgeschichte zu verbinden. Der moralisch erhobene Zeigefinger begegnet uns nicht nur in klassischen Kunstwerken sondern auch in den so banal anmutenden soap operas. Deren Protagonisten werden zu Ikonen des Medienzeitalters.
Hier liegen die Parallen zu Piero Steinles Videoinstallation
"Exstase". Den zurückgeworfene Kopf mit den geschlossenen Augen und
dem geöffneten Mund zum Zeitpunkt des sexuellen Höhepunkts findet
er in zahlreichen Werken der Antike, der Renaissance und des Barocks
(wobei dort allerdings nicht von sexuell bedingter Exstase die Rede
sein kann - zumindest nicht auf den ersten Blick). Wie Rosenfeldt
verstärkt der Künstler diesen Moment durch den technischen Effekt
der slow motion - die Gesichter werden zu Ikonen der Verzückung.
Der inhaltliche Aufbau der Pornofilme folgt bestimmten, immer wieder
kehrenden Standards:
Die Protagonisten agieren in einem paradisisch anmutenden Umfeld,
sind jung und attraktiv, ein "Moderator" stellt die jeweiligen Frauen
in banalen Sequenzen vor - anschließend "geht es zur Sache". Steinle
hat seine 40minütige Installation in drei Abschnitte unterteilt:
Im ersten Teil wird der soeben geschilderte "Paradieszustand"
gezeigt: Ihm folgt der "normale Alltag". Im letzten Teil
schließlich wird der Sexualverkehr mit alten und extrem dickleibigen
Frauen dargestellt und . bezeichnenderweise als Hölle tituliert. Pornofilme
sind in eben immer noch in erster Linie ein reines Männerformat
- und somit frauenfeindlich.