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von glück, gunst und gönnern
besprechung
Gunst hat man von Institutionen, Firmen und Banken erfahren, die Ankäufe möglich machten, die bei der derzeitigen Haushaltslage hätten unterlassen werden müssen. Daß der Name der großzügigen Spender unter den jeweiligen Stücken prangt, ist in Museen mittlerweile Alltag, in Kauf zu nehmendes Makel, denn nur die ständige Ergänzung der Sammlung hält ein Museum am Leben. Neuer Höhepunkt ist ein Altmeisterliches Highlight, zwei Kreuzigungsgruppen von Tilman Riemenschneider von ca. 1490. Als selbstlose Gönner sind schließlich die Privatpersonen zu nennen, die aus eigenem Besitz dem Museum ihre Schätze überließen. In der Ausstellung befindet sich nun alles kunterbunt nebeneinander. Bronzene Hirtenhunde aus der Werkstatt Hubert Gerhard (um 1600), Satyrköpfe aus Elfenbein mit echtem Geweih von 1625, hölzerne Hampelmänner und Glasflaschen zum Eindicken von Fruchtsaft - um nur wenige Beispiele zu nennen.
Zwei weitere Privatsammlungen konnte das BNM zudem erwerben. Einmal die der amerikanischen Sammlerin Lillian Williams, die Kleidung des 18.Jahrhunderts zusammentrug. Was sich zunächst etwas staubig anhört, ist im Gegenteil faszinierend. Die Exponate sind außergewöhnlich gut erhalten und von prächtiger Stofflichkeit. Neben Robes à la polonaise und à la pièmontaise wirkt z.B. pfirsichfarbener Seidentaft daneben fast etwas gewöhnlich. Kuriosum ist ein Seidenanzug für einen Affen von 1740. Die 600 Exponate werden zukünftig im südlichen Pavillon des Neuen Schloß Schleißheim mit der Kostümsammlung des BNM zu einem eigenen Museum zusammengeführt.
„Glück und Gönner noch gesucht“ ist schließlich das Motto für die Jugenstilsammlung von Herzog Franz von Bayern. Wichtige Stücke konnten bisher nämlich noch nicht in den Schoß des Museums überführt werden. Ausgestellt hat man sie trotzdem, in der Hoffnung, ein reicher Betrachter erbarme sich angesichts solch prächtiger Werke, wie z.B. eine Vase mit Granatapfeldekor von dem Pariser Hauptmeister Gallé (1898).