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"vortrag" von
Die Kunstgeschichte solle aus dem Dornröschenschlaf der nur auf das “Schöne” bezogenen, bildimmanenten Methoden aufwachen und “lebendiger und selbstbewußter” sich einerseits der eigenen Aufgabe bewußt werden und andererseits sich anderen Disziplinen öffnen. Eine Stilisierung der Errungenschaften früherer Kunsthistoriker, die zu einer “Selbsthistorisierung” führe, zeige dagegen die fatale Kreativitätslosigkeit des Faches.
Als Beispiel dafür, daß die Kritik angebracht sei, verwies Belting auf die kürzlich in der Kunstchronik erschienene Rezension durch Otto Karl Werckmeister, die sich mit seiner Revision vom “Ende der Kunstgeschichte” (1995) auseinandersetzte: Die hier formulierte Kritik an Belting - daß ihm durch sein “emphatisches Engagement” für die zeitgenössische Kunst die von einem Wissenschaftler geforderte Objektivität abginge - quittierte er mit dem Verweis auf die “Subjektivität und Kunstgeschichte”. Immerhin brächte ein subjektives Engagement seitens des Kunsthistorikers weitaus ehrlichere Ergebnisse, als die Illusion von Objektivität.
Mit dem Schlagwort der Globalisierung verwies Belting auf die Chance, einer Öffnung des Faches auf der Ebene eines interkulturellen Diskurses, um auf diesem Wege zu einem vertieften Bewußtsein der eigenen Kultur zu gelangen.
Im Sinne eines anthropologischen Verständnisses der Bilder regte Belting dazu an, das gesamte Bildmaterial der Geschichte und den Umgang mit diesem sowie die Rolle der Kunst generell für den Menschen zu überdenken.
Die Aueinandersetzung mit den neuen Medien bietet die Chance, uns mit unseren Lebensbedingungen auseinanderzusetzen und damit unsere Kultur zu retten.
In einer abschließenden Präsentation eines Videos, in welchem Studenten der Hochschule in Karlsruhe Videoinstallationen Bill Violas zu dokumentieren versuchten (“Slowly Turning Narrative”, 1992 und “Heaven and Earth”), zeigte Belting im Konkreten einen Weg, die neuen Medien als Arbeitsmittel für die kunsthistorische Ausbildung zu nutzen.
Bedauerlicherweise schlug das Projekt gerade durch
den Versuch, ohne ausgearbeiteten Vortrag in eine Diskussion
mit Studenten überzuleiten, fehl, da diese Art der Vermittlung
nicht dazu ausgestattet war, den im Publikum sitzenden Kollegen
zu begegnen. Angesichts des vollbesetzten Hörsaals wurde
die Diskussion weitestgehend von nicht-studentischen Redebeiträgen
bestritten.
Verwirrung war auch bei den Studenten zu spüren,
deren unvorbelastetes Interesse zum einen durch die von allen
Seiten polemische geführte Debatte enttäuscht wurde.
Hinzu kam, daß Beltings Ausführungen nur im Bereich
der Verwendung neuer Medien als Arbeitsmittel konkret
wurden, jedoch im Bereich der Methodik einen eher schwammigen
Eindruck hinterließen.
Man darf auf die kommenden Vorträge
und vor allem auf die abschließende Podiumsdiskussion (am
26.2.) gespannt sein.
Um Stellungnahmen und Diskussionsbeiträge wird gebeten.