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"Wenn man das Spiel nicht gewinnen kann, muss man die Regeln ändern!"

Seit etwa 20 Jahren gehört John Sayles zu den wichtigsten unabhängigen Regisseuren der USA. In seinem neuen Film, der Polit-Satire SILVER CITY, hat sich Sayles erstmals direkt dem Feld der Politik zugewandt - mit deutlichen Anspielungen auf die US-Präsidentschaftswahlen 2004. SILVER CITY spielt vor dem Hintergrund des Gouverneurswahlkampfs im Bundesstaat Colorado. Richard Dreyfus spielt den gerissen-zwiespältigen Wahlkampfmanager des konservativen Wahlfavoriten, Kris Kristoffersson einen erzreaktionären Lobbyisten, Danny Huston einen desillusionierten Ex-Journalist, der als Privatdetektiv eigentlich im Auftrag der Konservativen ermittelt, aber plötzlich im falschen Moment zu viel nachfragt. Grandios ist aber vor allem Chris Coopers Part als Gouverneurskandidat, der mühsam seine vorgestanzten Phrasen reproduziert - und kaum selbst versteht, was er redet. Unübersehbar sind hierbei die Anklänge an die Wahlkampfrhetorik des George W. Bush, dessen Tonlagen und Eigenheiten Cooper hervorragend parodiert. Wie die meisten von Sayles Filmen ist auch SILVER CITY zugleich ein Heimatfilm der anderen Art. Anspielungsreich und hintergründig dekonstruiert Sayles die Mythen der Silberminen, der Naturverbundenheit und des Frontierlebens. Was übrig bleibt, ist Selbstzerstörung. Der Film ist in den USA auf DVD erhältlich, ein Kinostart in Deutschland ist noch ungewiß.
(Das Gespräch wurde von Rüdiger Suchsland anlässlich der internationalen Premiere von SILVER CITY am Rande des Filmfestivals von San Sebastian Ende September geführt)