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zurück zum herd - rosemarie trockel im kunstbau
besprechung
Die Ausstellung "Rosemarie Trockel", die zur Zeit anläßlich der Verleihung
des Kunstpreises München im Kunstbau des Lenbachhauses zu sehen ist,
zeigt sämtliche medialen Facetten, mit denen ein Künstler arbeiten
kann. Trockel hat für ihre Ausstellung neben ihren großformatigen
Kochplattenbildern eigene Installationen, Kurzfilme und Diaprojektionen
aus- sowie eine Auswahl von Kinofilmen zusammengestellt. Aber trotz
- oder gerade wegen - dieser medialen Vielfalt läßt sich ein roter
Faden in Trockels Werk erst in ihren Zeichnungen erkennen.
Im hinteren, abgetrennten und abgedunkeltem Raum der Ausstellung durchlaufen
80 Zeichnungen in schneller Abfolge ein Diakarussell. Die Zeichnungen,
obwohl zumeist in der Technik Bleistift auf Papier gemalt, widersetzen
sich durch ihre Projektion auf die Wand jeder haptischen Wahrnehmung.
Wer eine Zeichnung eingehender betrachten will, muß den zweiten Durchlauf
des Karussells abwarten und selbst dann hat man nicht mehr als ein
paar Sekunden Zeit. Dabei sind die Zeichnungen für sich auch nicht
auf eine lange Betrachtung angelegt, sondern es ist gerade der Schnelldurchlauf,
der Trockels Vorgehensweise verdeutlicht: Ein Thema, viele Ausdrucksformen!
Die immer wiederkehrende Herdplatte zieht sich als Sinnbild durch
den Durchlauf. Der Herd als Metapher für die Hausfrau, für das
Kochen aber auch für zivilisiertes Essen taucht in immer neuen Variationen
in den teils witzigen, teils grausam-melancholischen Skizzen auf.
Eine Zeichnung kann Trockels Ansatz besonders deutlich machen: In
schnellen, skizzenhaften Zügen sind vier Herdplatten aufs Papier gebracht,
daneben, eine Frau, in deren Umrissen sich die kreisrunden Formen
als Brüste wiederfinden. Das einfache Kreissymbol ist nicht nur negatives
Erkennungsmerkmal einer biederen Köchin, sondern gehört auch zu den
sinnlichen Eigenschaften der Frau schlechthin. Auch die anderen Zeichnungen
bewegen sich häufig zwischen den Polen reiner Sinnesfreude und dem
negativ konnotierten Bild der an den Herd gebundenen Hausfrau.
Neu beschuht, und mit unveränderter Wahrnehmung kann man die kleine Empore hinaufsteigen und im Videoraum des Kunstbaus eine Auswahl an Spielfilmen sehen, die Trockel eigens für die Ausstellung ausgewählt hat. Erfrischend zu sehen, wie etwa Billy Wilder mit dem Bild der Frau umgeht; da braucht es weder schnelle Bilder noch drehende Standflächen, um sich des kleinen Unterschieds zwischen Mann und Frau und ihrer jeweils so anders gearteten Wahrnehmung bewußt zu werden!