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Review

10 Fragen an den Dalai Lama

Eine elfte Frage an den Dalai Lama

Seine Heiligkeit im Gespräch

Eine elfte Frage an den Dalai Lama

Wer fragt, soll zuhören: Rick Rays aufdring­li­cher, klischee­las­tiger Film 10 Fragen an den Dalai Lama

Der Film hat drei Ebenen: Er zeigt Schnipsel eines Inter­views, das der ameri­ka­ni­sche Regisseur Rick Ray mit dem »Dalai Lama« – wörtlich »Ozean­glei­cher Lehrer« – führte, dem Mönch Tenzin Gyatso, der seit 1935 als reli­giöses Oberhaupt des tibe­ta­ni­schen Buddhismus fungiert, und nach dessen Glauben er die Reinkar­na­tion eines besonders heraus­ra­genden Menschen ist. Unter­bro­chen wird der Film durch zum Teil seltene histo­ri­sche Doku­men­tar­auf­nahmen und eher touris­ti­sche Natur­bilder Tibets. Gerade letztere über­ra­schen nicht, sondern basteln am Tibet-Look, bedienen alle idyl­li­schen Bilder, die das westliche Publikum bereits im Kopf hat, nicht zuletzt durch stupide Filme wie den Brad-Pitt-Schrott Sieben Jahre in Tibet, und damit vor allem die Trägheit und Schlicht­heit unserer Vorstel­lungen. Auch der Kommentar strickt am Märchen vom verwun­schenen »Dach der Welt«, das von lauter fröhlich lächelnden, ketten­ras­selnden und oran­ge­far­benen Schlümpfen bewohnt ist.
Das entspricht zwar der Projek­tion west­li­cher Wohl­stands­ge­sell­schaften, die sich in Tibet gern ihr Traum­reich spiri­tu­eller Wellness errichten, mit der Realität Tibets aber so viel zu tun hat wie Heidel­berg- und Matter­horn-Post­karten mit der Bundes­re­pu­blik.

Der Film ist, man muss das so sagen, einfach ein ziemlich plumpes Pamphlet für den »Dalai Lama«. Völlig unkri­tisch und inhalt­lich einseitig wird das Leben des »Dalai Lama« und das Schicksal Tibets erzählt. Aber schon Mao Tse-tung hat gewusst: »Das Dogma ist weniger wert als ein Kuhfladen.« Viel­leicht wäre der Lage der Menschen­rechte in Tibet mehr gedient, würde der Film seinen Gegen­stand ernst nehmen und nicht in eine Puppen­stube verwan­deln. So belegt der Film vor allem, woran die hiesige Tibet-Wahr­neh­mung krankt. Krie­che­risch salbadert der Off-Kommentar immerzu von »Seiner Heilig­keit«, mit bedeu­tungs­schwerem Ton fallen India­ner­häupt­lings-Sätze wie »Die Macht der Gewehre ist nur von kurzer Dauer«, bei denen man weniger gerührt, als nervös im Kino­sessel hin- und herrutscht.

Zum Überdruss trägt auch die mehr als mäßige filmische Qualität des Werks ihr Stück bei. Von der gelas­senen Heiter­keit des Dalai Lama ist in den ange­strengten Bildern nichts zu spüren, dem Kommentar hätte ein Stück gött­li­cher Inspi­ra­tion mehr als gut getan, bei der schreck­li­chen Esote­ri­kmusik, die offenbar direkt von irgend­einer Medi­ta­tions-CD über­nommen wurde, kann selbst die nichts mehr helfen.

Die größte Sünde: Regisseur Ray kann nicht zuhören, weiß schon alles und erweckt den Eindruck, sich mit seinem Inter­view­partner zu lang­weilen. Mitten in den Antworten, schneidet er weg vom Gespräch, zeigt austausch­bare Land­schafts­ku­lissen, gönnt uns die Antworten des Lama nicht. Insofern wirkt der Film vor allem wie ein glück­li­cher Marke­tin­ger­folg, der die Unruhen in Tibet als zusätz­liche Werbe­maß­nahme nutzt.

Der Dalai Lama wiederum ist clever und medi­en­ge­wandt genug, um westliche Buddhismus-Spinner a la Ray für seine Ziele zu instru­men­ta­li­sieren. Substanz jenseits der Show ist von ihm nicht zu erwarten: Wann darf die Gewalt­lo­sig­keit aufge­geben werden? Man dürfe sich vertei­digen, wenn man ange­griffen werde, meint der Lama, weil aber alles vonein­ander abhänge, berührten die Inter­essen seiner Gegner auch seine eigenen, deshalb sei Krieg immer auch Selbst­zer­stö­rung. So so, aha. Viel erreicht hat er damit außerhalb des west­li­chen Show­be­triebs nicht.

Daher eine elfte Frage von unserer Seite: Wie viele Divi­sionen hat eigent­lich der Dalai Lama?