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Review

Alles aus Liebe

Maureen und Eddie sind verhei­ratet und lieben einander verzwei­felt. Er treibt irgendwo in der Nähe des Wahnsinns, und seit seine Frau schwanger ist, verschwindet er manchmal für einige Tage. Als er diesmal zurück­kommt, ist die linke Gesichts­hälfte Maureens blutig und verquollen. Die Male stammen von der Hand eines obskuren Gang­nach­barn, mit dem sie aus Verzweif­lung eine alko­ho­li­sche und schließ­lich eska­lierte Nacht verbracht hat. Aus Angst, Eddie könnte den Mann umbringen, spricht sie von einem Sturz als Ursache für die Verlet­zung, doch Eddie glaubt ihr nicht lange. Am nächsten Morgen gleitet er gänzlich in den Irrsinn ab, und um das Schlimmste zu verhin­dern, läßt Maureen ihn in eine Anstalt einlie­fern.

Zehn Jahre später ist sie mit Joey verhei­ratet und führt mit ihm und zwei Töchtern ein wohl­si­tu­iertes Bürger­leben. Dort hinein bricht nun Eddie, der aus der Anstalt entlassen wurde und es stellt sich heraus, daß die gren­zen­lose Zuneigung zwischen ihm und Maureen noch vorhanden ist.
Mit dem Drehbuch seines Vaters John Cass­a­vetes hat der Regisseur Nick Cass­a­vetes eine Geschichte gefunden, die sich kaum um Konven­tionen und Wahr­schein­lich­keiten kümmert und deshalb nicht betroffen macht, sondern Spaß. She’s So Lovely erzählt vom prekären Thema Liebe, und zwar der zweier Männer zu ein und derselben Frau, in genau dem richtigen Tonfall irgendwo zwischen Augen­zwin­kern und echter Emotion.

Glaub­würdig und fesselnd wird der Film vor allem durch die Charak­tere: die Haupt­hand­lungs­träger weden so viel­seitig beleuchtet, daß weder schwarze Peter, noch Engel entstehen: man muß Partei für alle Drei ergreifen und steckt ehe man sichs versieht mitten im Gefühls­di­lemma.

Nach seinen eigenen Worten hat der Regisseur seinen Darstel­lern viel Spielraum gelassen. Weil er eine erst­klas­sige Besetzung ausge­wählt hat, sind die Figuren dadurch inter­es­sant geworden. In Cannes hat man zu Recht Sean Penn (Dead Man Walking) für seine Verkör­pe­rung des Eddie Quinn zum besten Darsteller gekürt,. Die zweite Auszeich­nung, die dem Film dort verliehen wurde, ist der große Preis der tech­ni­schen Kommis­sion, der die Arbeit des Kammera­manns Thierry Arbogast sowohl for She’s So Lovely als auch für Das fünfte Element von Luc Besson würdigt. Wie man es vom Kino aus Hollywood gewöhnt ist, zeichnet sich die Bild­füh­rung durch tech­ni­sche Perfek­tion und Souver­änität aus. Dabei läßt es Arbogast aber nicht bewenden, er inten­si­viert hier ein bißchen, hat da eine Idee und verblüfft den Zuschauer so mit einer ganz eigenen Mixtur.

Verwun­dert wird man vom zweiten Teil des Films. Während die erste Hälfte vornehm­lich zum Mitleiden animiert, wartet die zweite mit immer unwahr­schein­li­cheren Ereig­nissen auf. Leider reichen diese Ansätze aber nicht zum wirk­li­chen Irrwitz, wodurch der Film gegen Ende einiges an Spannung und Faszi­na­tion einbüßt. Auch die schau­spie­le­ri­sche Leistung von Robin Wright Penn als Maureen fällt gegenüber dem Anfang etwas ab. Dies sind aber nur kleine Wehmuts­tropfen in einem ansonsten empfeh­lens­werten Gebräu.