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Review

Am Sonntag bist du tot

Todesurteil: Unschuldig!

Finsteres Christentum

Todesurteil: Unschuldig!

Die Katho­li­sche Kirche hat ein Image­pro­blem: Endlose Skandale um pädophile Priester und lebens­ferne Dogmen haben das Ansehen der Glau­bens­in­sti­tu­tion stark beschä­digt. Diese Situation spiegelt sich auch auf der großen Leinwand wider. In immer kürzeren Abständen erscheinen bissige Satiren, welche diese altehr­wür­dige Insti­tu­tion anpran­gern. Der Ton wird von Mal zu Mal schärfer. Vor kurzem zeigte der kroa­ti­sche Filme­ma­cher Vinko Bresan in Gott verhüte! einen jungen Priester, der das göttliche Vermeh­rungs­gebot per Kondom-Perfo­rie­rung durch­zu­setzen gedachte. Und gerade lief die ätzende belgische Satire In The Name Of The Son an, in dem eine bei einem Bischof Rat suchende Mutter die Auskunft erhält, dass ihr homo­se­xu­eller Selbst­mörder-Sohn sowieso kein Anrecht auf einen Platz im Himmel habe. Nun wird in John Michael McDonaghs sarkas­ti­scher Tragi­komödie Am Sonntag bist du tot ein Priester zur Rechen­schaft gezogen, gerade weil er herz­ensgut und unschuldig ist.

Im Beicht­stuhl einer kleinen Gemeinde in der tiefsten irischen Provinz erfährt der Dorf­priester James Lavelle (Brendan Gleeson) die tragische Geschichte eines über Jahre fort­ge­set­zten Miss­brauchs durch einen pädo­philen Priester. Aber nicht nur das: Um diesem Fall zu vers­tärkter Medi­en­auf­merk­sam­keit zu verhelfen, soll jetzt ausge­rechnet Lavelle für die Verbre­chen seines inzwi­schen verstor­benen Kollegen büßen. Der dem Betrachter verbor­gene Beich­tende gibt dem Geist­li­chen noch genau eine Woche seine Ange­le­gen­heiten zu ordnen, denn am kommenden Sonntag, da sei er tot. In dieser anfäng­li­chen Schlüs­sel­szene des Film verdichtet sich vieles, das John Michael McDonaghs zweiten Spielfilm ausz­eichnet. Es ist insbe­son­dere der sehr zynische Grundton, der dafür sorgt, dass dieser Film in Erin­ne­rung bleibt.

Immer wieder kontras­tiert die Kamera von Larry Smith (Only God Forgives) die archai­sche Stille und Schönheit der zerklüf­teten irischen Natur­land­schaft, mit dem Sodom und Gomorrha im Ort. Es ist diese Land­schaft, in die sich Vater Lavelle zu einsamen Spazier­gängen zurück­zieht, um Anstand zu gewinnen und neue Kraft zu schöpfen. Seine Arbeit ist oft mehr die eines Psych­ia­ters; seine Schäfchen entpuppen sich als eine wilde Ansamm­lung von echten Härte­fällen: Da ist der sich in seinem eigenen Snobismus suhlende Landa­de­lige, der vor Vater Lavelle demons­trativ auf ein wert­volles Gemälde pinkelt. Da ist auch der schüch­terne junge Mann, der darunter leidet, dass er keine Frau bekommt. Dafür habe er jedoch viel Erfahrung mit Porno­grafie. Zur Zeit würden ihn besonders Trans­se­xu­elle – Mädchen mit Schwänzen – beschäf­tigen.

Es ist eine geradezu groteske Freak­pa­rade, die John Michael McDonagh am Zuschauer vorbei­ziehen lässt. Im Gegensatz zu In The Name of The Son, verzichtet McDonagh jedoch trotz all seines Sarkasmus darauf, eine über­deut­liche Message zu verkünden. Statt klaren Schuld­zu­wei­sungen zu geben, zeigt der Film eine Welt, die aus den Fugen geraten ist. Pädophile Priester sind da ebenso nur ein Symptom, wie unschuldig zum Tode verur­teilte Geist­liche. – Als Vater Lavelle darauf hinge­wiesen wird, dass seine Kirche brenne, korri­giert er, deshalb dass es »unsere« Kirche sei, die in Flammen steht.