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Review

Anaconda

Schrecken des Amazonas

Recycelt wird ja heut­zu­tage aller­orten.Was also konnte nach den Kata­stro­phen­filmen- und Easy Listening Revivals der letzten Jahre noch kommen? Findige Menschen sind jetzt auf den Mons­ter­film gestoßen, zu seiner Zeit mindes­tens so unbeliebt wie der ebenfalls seiner Aufer­ste­hung harrende Austro-Pop.

Am grund­sätz­li­chen Rezept brauchte man da gott­sei­dank nicht viel zu ändern. Wir sehen eine nach allen Gesetzen der political correct­ness zusam­men­ge­stellte Forscher­truppe, bestehend aus einer hübschen Latein­ame­ri­ka­nerin (hübsch: Jennifer Lopez), einem blassen Engländer (englisch: Jonathan Hyde), einem noch blasseren US-Boy (blass: Eric Stoltz) und einem toughen schwarzen Rapper (tough: Ice Cube). Zusammen schippern sie den male­ri­schen Amazonas (malerisch: der Amazonas) hinab, auf der Suche nach einem unent­deckten India­ner­stamm. Zu ihnen gesellt sich bald der ebenso abge­feimte wie aufge­dun­sene Schlan­gen­ex­perte Paul Sarone (nicht schön anzusehen: Jon Voight) dessen hehres Ziel es ist die größte und gefähr­lichste Anaconda aller Zeiten einzu­fangen.

Dabei schreckt er vor nichts zurück, Mord und Totschlag inklusive. So führt der Weg unsere forsche Forscher­truppe schon bald ins Revier der mächtigen Riesen­schlange. Die aber mißt ganze 15 Meter und ißt lieber gemischte Reise­gruppen statt sich einfangen zu lassen, und so entbrennt recht bald ein zünftiger Kampf Mensch gegen Natur...

Ließ Steven Spielberg in seinem Mons­terhit Der weiße Hai damals den titel­ge­benden Riesen­fisch nur recht spora­disch auftau­chen, so bietet uns Regisseur Luis Llosa in Anaconda Schlange satt, unge­achtet der Tatsache, daß sein tieri­scher Haupt­dar­steller trotz verbes­serter Trick­technik eher wie ein Sympa­thie­träger aus der »Augs­burger Puppen­kiste« wirkt. Der Ami hat sich offen­sicht­lich dazu entschlossen es von der witzigen Seite zu sehen, in den USA wurde Anaconda ein Hit. Das muß er hier­zu­lande nicht werden, mangelnde Drama­turgie und schlechte Darsteller sind nämlich nicht wirklich lustig, wenn der Regisseur seinen Job zu ernst nimmt. Allen­falls größere, kompro­mißlos zum Amüsement entschlos­sene und mit reichlich alko­ho­li­schen Getränken versorgte Jugend­gruppen dürfen ihre Freude daran haben (müssen aber auch nicht).