Review
Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee
Schlangen, wollt ihr ewig leben?
Schlangen, wollt ihr ewig leben?
Unsterblichkeit. Ewige Jugend. Nicht schlecht. Und besonders praktisch ist es natürlich, wenn man die Unsterblichkeit als Blume pflücken kann – wie in Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee. Im Dschungel von Borneo soll diese Orchidee wachsen. Ihre Blüten enthalten eine Substanz, die bei Einnahme den Alterungsprozess unterbindet. Für eine Pharmafirma natürlich ein gefundenes Fressen, ein möglicher Milliarden-Gewinn. Ein Expeditionsteam wird in den Dschungel geschickt, die Zeit drängt. Bald ist Regenzeit in Borneo und dann ist der Fluss, der einzige Weg zur Wunderpflanze, unpassierbar.
Regisseur Dwight H. Little trat bisher vor allem durch Sequels in Erscheinung, etwa durch Free Willy 2 oder Halloween 4. Auch der neue Film ist eine Fortsetzung: von Anaconda, der 1997 ein Überraschungserfolg an den Kinokassen war. Statt Jennifer Lopez und Ice Cube quiecken und kreischen jetzt allerdings besonders mittelmäßige Schauspieler durch den finsteren Wald. Und anscheinend hat die auftragsgebende Pharmafirma für ihre Mitarbeiter ganz besondere Einstellungskriterien: Die Damen – die blonde und kühle Samantha Rogers (KaDee Strickland) und die dunkelhaarige und feurige Gail Stern (Salli Richardson-Whitfield), beides Spitzen-Wissenschaftlerinnen – sind schön wie der Dschungel bei Sonnenaufgang, die Herren allesamt durchtrainiert wie Olympioniken eines Kraftsports. Es gibt den obligatorischen Witzbold Cole Burris (Eugene Byrd), den charmanten Latin-Lover-Mediziner Ben Douglas (Nicholas Gonzalez), und – natürlich – den skrupellosen Geschäftsmann und Anführer der Gruppe Jack Byron (Matthew Marsden), der für Geld und Ruhm alles tun würde – auch seine Freunde in den Tod schicken.
In Borneo braucht die Abenteuerreise-Gruppe zuerst einen erfahrenen, ortskundigen Expeditionsleiter. Man findet ihn – natürlich – in einer Dorf-Spelunke: Er heißt Bill Johnson (Johnny Messner) und ist Besitzer des schlechtesten Schiffes der ganzen Gegend, der »Bloody Mary«. Manchmal trinkt er zuviel Alkohol, aber ansonsten ist Bill ist ein echter Teufelskerl, der, wenn es sein muss, auch Krokodile fertig machen kann. Er war mal bei den Special Forces. Insgesamt fahren dann acht Leute in den Urwald. Acht Leute, damit ein paar davon aufgefressen werden können.
Bald nach Beginn der Schiffahrt stürzt die »Bloody Mary« einen Wasserfall hinunter und zerschellt. Die Reisegruppe muss zu Fuß weiter, schikaniert von den fiesen Viechern des Dschungels: von Fliegen, die zwicken, von Spinnen, deren Bisse sofort lähmen. Und von den Riesen-Anacondas. Die Schlangen haben von der Orchidee genascht, wachsen deshalb immer weiter und sterben nicht. Der wildniserfahrene Kapitän gibt Tipps zum Überleben, die man ruhig in Stein meißeln darf:
Zusammenbleiben als Gruppe! Besser nicht alleine durch den Dschungel laufen! Halbverdaute Eingeborene liegen herum.
Als das erste Gruppenmitglied von einer Schlange gefressen wird, kommt es zum Streit über den Fortgang der Mission. Die Gruppe will raus aus dem Dschungel auf dem schnellsten Weg, der skrupellose Anführer Jack, der Materialist, nicht. Auf keinen Fall ohne die Orchidee. Jack verrät seine Kollegen und überlässt sie ihrem grausigen Schicksal. Dass so etwas passieren
wird, ist schon nach wenigen Filmminuten klar. Dass die Guten dann doch gewinnen, sowieso. Geschenkt.
Doch leider ist so gut wie alles so vorhersehbar wie ein Meisterschaftssieg von Real Madrid: Wer sich in wen verliebt; wann jemand wo gefressen wird; welche Gruseleffekte wozu verwendet werden. Spannend ist da nichts. Das Mitleid mit den Gejagten hält sich von Anfang an in Grenzen. Zu dumm und stereotyp ist ihr Gerede, zu unglaubwürdig ihr ständiges Mund-Aufreißen vor lauter Schreck. Technisch ist das alles ganz solide gemacht, nur wozu braucht man das alles? Für den einen netten Scherz vielleich, der trotzdem verraten sei: Als die Gruppe bis zu den Knien im Wasser durch einen Sumpf watet, summt Ben, um den Mädels ein bisschen Angst zu machen, die Filmmusik aus Der weiße Hai. Schwupp – und er ist weg. Gefressen von einer Schlange. Lustig.