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Review

Antares – Studien der Liebe

Höllenreigen

Petra Morze und Andreas Patton

Höllenreigen

Ein Auto­un­fall steht am Anfang. Diese alltäg­liche, kleine Kata­strophe wird, ganz am Ende, die Figuren dreier Episoden mitein­ander verbinden. Und so zufällig sie sein wird, wenn sie sich ereignet, so notwendig erscheint sie dann auch im Licht der voran­ge­gan­genen Ereig­nisse. Denn alle drei Schick­sale, die sich in Antares – Studien der Liebe mitein­ander verknüpfen, wirken wie eine einzige rasende Fahrt auf einen Abgrund zu.

Alle drei leben in einer Wiener Traban­ten­stadt: Die bürger­liche Profes­so­ren­gattin (Petra Morzé), die als Kran­ken­schwester arbeitet. Ihr Mann ist ein Lang­weiler und hat seine Leiden­schaften längst in seine Liebe zur klas­si­schen Musik kana­li­siert, sie beginnt eine Affaire mit einer Gele­gen­heits­be­kannt­schaft, die sie sexuell so erfüllt, dass sie aus der Ehe ausbricht. Die zweite Geschichte handelt von einer Super­markt­kas­sie­rerin (Susanne Wuest). Sie ist zwanghaft, aller­dings trotzdem begründet eifer­süchtig, denn ihr Freund betrügt sie mit der Nachbarin. Um ihn an sich zu binden, spielt sie ihm eine Schwan­ger­schaft vor.
Von Anfang an die abgrün­digste Figur ist der herun­ter­ge­kom­mene Immo­bi­li­en­makler Alex (Andreas Kiendl), ein Border­line-Charakter, der seine Aggres­sionen an seinen Mitmen­schen, zuletzt an sich selbst auslässt und immer kurz vor dem Amoklauf steht.

Götz Spiel­manns Antares – Studien der Liebe knüpft formal und atmo­s­phä­risch an andere Filme an, die in den letzten Jahren aus Öster­reich ins deutsche Kino kamen: Die kühl-realis­ti­schen, mit einer gewissen Lust an der Entlar­vung durch Genau­ig­keit arbei­tenden Werke Michael Hanekes und Ulrich Seidls, noch mehr aber die viel­leicht liebe­vol­leren, aber nicht minder präzisen Filme Barbara Alberts kommen einem in den Sinn. Der Titel bezieht sich auf eine rotleuch­tende Supernova im Sternbild »Skorpion«.
Wie der Unter­titel besagt, handelt es sich um »Studien der Liebe«. Mit Genau­ig­keit und Konse­quenz erzählt Spielmann diesen Reigen aus der mensch­li­chen Alltags­hölle. Anstatt die drei Episoden parallel zu erzählen, stellt Spielmann sie hinter­ein­ander – und gerade dadurch erkennt der Zuschauer ihr Vernetzt­sein. Ein faszi­nie­render Film, der unter die Haut geht.