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Review

Anything Else

Ich rede, also bin ich

Christina Ricci und Jason Biggs

Ich rede, also bin ich

Es ist allgemein bekannt, dass Woody Allens Filme, zumindest die, in denen er eine tragende Rolle hat, von ihm selbst handeln. Das ist durchaus unter­haltsam und passt hervor­ra­gend zur Tradition der New Yorker Intel­lek­tu­ellen, die nicht müde werden, sich selbst und ihre Analy­tiker durch­zu­dis­ku­tieren. Mit Anything Else legt er einen weiteren Film dieses Genres vor, der mit fast einem Jahr Überhang nun auch in Deutsch­land ins Kino kommt.

Jerry Falk ist Comedy-Autor. Leider fällt ihm nicht genug ein – sein Privat­leben hat eher tragische Züge. Seine Freundin Amanda entzieht sich ihm, quartiert dafür aber ihre Mutter in seinem Arbeits­zimmer ein. An den Fähig­keiten seines Agenten zweifelt er zunehmend – ist er doch der einzige Klient. Und sein Psycho­ana­ly­tiker kann auch nicht helfen. Die Ratschläge seines Kollegen Felix Dobel – ''Befreie Dich von allem Ballast'' – scheinen klug, aber Falk hofft, dass sich die Dinge auch so einrenken können. Vor allem die Beziehung zu Amanda, die ebenso sehr durch ihre Bindungs­un­fähig­keit belastet wird wie durch seine hinge­bungs­volle Passi­vität.

Die Rolle von Allens jungem Alter Ego spielt Jason Biggs, bekannt geworden vor allem als Haupt­dar­steller der drei American Pie-Filme. Er beweist sich als durchaus fähig, die Rolle des jugend­li­chen Neuro­ti­kers auch in nicht klamau­kigem Kontext auszu­füllen. Biggs greift damit die Rolle auf, die Allen selber so oft gespielt hat: den verun­si­cherten, von Selbst­zwei­feln zernagten Kreativen, dem es schwer fällt, sich zu behaupten. Zur Vers­tär­kung dieses Effekts ergänzt der Regisseur ihn mit einem väter­li­chen Freund und Ratgeber, den er selbst spielt: Woody Allen verdrei­facht sich gleichsam mit seiner imagi­nierten Doppel­rolle als Lein­wand­figur und als Selbst-Darsteller. Aller­dings ist die Spie­ge­lung nicht unver­zerrt – das zeigt schon Dobels Waffen-Feti­schismus, der so gar nicht Allens eigener Einstel­lung entspricht. Man kann den Film auch als gedachte Zeitreise lesen: der ältere Mann (Dobel als ''Double'') versucht sein jüngeres Selbst vor den Fehlern zu warnen, die er selbst lieber vermieden hätte.

Wunderbar zickig gibt Christina Ricci die unreife Amanda, als ihre über­drehte Mutter singt und trinkt sich Stockard Channing durch den Film. Und auch Danny DeVito macht bei seinen Auftritten als klettiger Agent eine gute Figur. Allein die gleich­falls Allen-typische Eloquenz und der erlesene Wort­schatz können auf Dauer ziemlich anstrengen. Wenn die Figuren einmal nicht das Sagen haben, setzt das Gerede aus dem Off ein. Nur die sonnen­durch­flu­teten Cine­ma­scope-Bilder Darius Khondjis retten Anything Else vom Abgleiten ins Hörspiel – was Allen dann doch wichtig schien, immerhin wählte er nach Manhattan erst zum zweiten Mal das große Kino­format.

Anything Else unterhält nicht nur einge­fleischte Woody-Allen-Fans, die lustvoll die Bezüge zu seinem früheren Film Annie Hall (Der Stadt­neu­ro­tiker)herstellen können. Wenn man aller­dings ange­sichts des Haupt­dar­stel­lers Jason Biggs eine Art American Pie 4 erwartet – Allens Humor ist doch ein anderer.