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Review

Auf der Suche nach Ingmar Bergman

Wenn Max von Sydow aus dem Wasser steigt

Unangenehme, schmerzhafte Eindrücke...

Wenn Max von Sydow aus dem Wasser steigt

Ingmar Bergman – selbst wer in den 70ern noch ein Kind war, kannte seinen Namen, hatte von dem »Skan­dal­re­gis­seur« gehört, wie solche Leute damals genannt wurden, wusste, dass es da einen Film gab, der Szenen einer Ehe hieß, in den die Eltern rein gingen und sich danach noch mehr stritten als vorher.

Marga­rethe von Trotta war in den 70er Jahren schon erwachsen, und man würde sich von einem Film von ihr über Ingmar Bergman erwarten, dass sie da ihre Sicht der Dinge erzählt, dass sie uns eine Vorstel­lung davon verschafft, wie man damals diese Filme sah – genau im Post-68-Moment –, als junge Frau, als Verhei­ra­tete, als Linke, worin die Faszi­na­tion für diesen Regisseur lag, der ja erstmal ziemlich bürger­lich daherkam, warum man sich den Launen seines Protes­tan­tismus aussetzte, seinem Mora­lismus, seiner Recht­ha­berei und seinem, ja: Sadismus. Die schönen Kame­ra­ein­stel­lungen seiner Filme erklären das ja nicht allein.

Viel­leicht wäre es auch nach unzäh­ligen Fernseh-Porträts und nach einer Handvoll überaus wohl­wol­lender Hommagen durch kolle­giale Bewun­derer wie Michael Winter­bottom und Olivier Assayas mal an der Zeit, einen Film zu machen, der Bergman nicht immer wieder als »Genie« und »größten Filme­ma­cher aller Zeiten« porträ­tiert, sondern ihn vom Marmor­so­ckel holt, oder der zumindest solche Etiketten ein bisschen in Frage stellt und rela­ti­viert.

Marga­rethe von Trotta hat leider so einen Film nicht gemacht, obwohl sie sich damit den Adorno-Preis der Stadt Frankfurt, den sie gerade für nicht wenige über­ra­schend zuge­spro­chen bekam, sogar verdient hätte.
Statt­dessen ist Auf der Suche nach Ingmar Bergman ein Film, den man sich gut ansehen kann, der einem einiges über Bergman erzählt, »ehrenwert« wie man so sagt, aber doch auch über­ra­schend bieder und ein bisschen lang­weilig. Ein Roadmovie, bei dem Trotta an der schwe­di­schen Küste steht und dann – Schnitt – ein junger Max von Sydow in einem Bergman-Film an etwa der gleichen Küsten­stelle aus dem Wasser steigt; ein Film bei dem Trotta dann auch Olivier Assayas und Ruben Östlund aufsucht, weil die auch zu Bergman irgendwas denken, und wenn nicht, es trotzdem klug formu­lieren können; ein Film bei dem Trotta mit Liv Ullmann im Wohn­zimmer und mit Stig Björkman auf seinem Balkon sitzt und über Bergman redet und wie toll er war. Sätze, die dem großen Meister nicht gefallen hätten, fallen hier nie. Ein Film, wie er für das Jubiläums­jahr vom Bergmans 100. Geburtstag halt gemacht wird.

Und natürlich ist es großartig, was zum Beispiel Assayas im Interview sagt – was aber eben an Assayas liegt, der immer großartig ist. Auch Ullmann und anderen hört man gern zu. Aber das alles kratzt kaum an der Ober­fläche, und was ein junger rebel­li­scher Bergman über diesen Film gesagt hätte, oder eine junge Trotta, oder Adorno, das möchte man lieber nicht wissen.
Trotta gibt nicht nur zu wenig Antworten, sie stellt auch die wirklich span­nenden Fragen nicht. Spannend wäre gar nicht die Majes­täts­be­lei­di­gung, sondern viel­leicht die Frage, warum Bergmans Ästhetik und Geschichten im aktuellen Kino kaum eine Rolle spielen? Was jüngere Regis­seure heute über Bergmans Filme denken? Aber solche Fragen tun weh, auch der Regis­seurin, und darauf hatte sie offen­sicht­lich keine Lust.