Review
Aus dem Dschungel in den Dschungel
- Der Amerikaner als solcher sieht sich im Kino keine fremdsprachigen Filme an. Das ist traurig, aber letzteigentlich nur sein Problem und Verlust.
- Der amerikanische Filmproduzent als solcher hingegen sieht in so manch fremdsprachigem Film dennoch das Potential zum Kassenschlager. Da aber (a.), muß der ganze Film mit einheimischem Talent (oder was sich dafür hält) noch einmal gedreht werden. Das ist dumm – zumal dabei meist alles auf der Strecke bleibt, was den ursprünglichen Film originell und sehenswert machte – aber nach wie vor eigentlich immer noch des Amerikaners Problem.
- Der Deutsche als solcher wiederum wagt sich hin und wieder auch gerne in europäische Filme, zumal in solche, die auch das Wohlgefallen des amerikanischen Produzenten erregen. Da bleibt es nicht aus, daß er Filme wie Drei Männer und ein Baby, Nikita, The Vanishing, Nightwatch oder, im vorliegenden Fall, Un indien dans la ville, bereits gesehen und mehr oder minder genossen hat.
- Die Dependancen der amerikanischen Großverleiher bestehen jedoch darauf, auch die Hollywood-Remakes dieser Filme noch auf diese, unsere bundesdeutschen Leinwände zu bringen. Und da wird dann das Problem des Amerikaners auch plötzlich zu dem des Deutschen.
Das Problem, von dem hier verhandelt werden soll, nennt sich Aus dem Dschungel in den Dschungel, oder im Original griffiger Jungle 2 Jungle. Die Hauptrolle spielt Tim Allen (wer Pech hat, kennt ihn aus der Sitcom »Home Improvement«, zu dt. »Kuck mal, wer da hämmert« – Witzigkeit kennt eben hierzulande wirklich kein Pardon). Das ist ungünstig – denn wenn die Unsympathen dieser Welt parlamentarisch organisiert wären, wäre Tim Allen bestimmt Kabinettsvorsitzender, zumindest aber Regierungssprecher.
Tim Allen spielt den New Yorker Börsenmakler Michael Cromwell. Tim Allen rennt herum und schreit. Das ist, nehme ich an, lustig.
Der bedauernswerte Martin Short spielt Cromwells Freund Richard. Martin Short rennt herum und schreit. Das ist sehr lustig.
Allen und Short rennen zusammen herum und schreien. Das ist so lustig, daß man¹s gar nicht mehr beschreiben kann.
Cromwells Frau Patricia (Jobeth Williams) hat ihn vor Jahren verlassen und ist in den Dschungel von Venezuela geflohen. Das ist verständlich. Jetzt will Cromwell die Modedesignerin Charlotte (Lolita Davidovich) heiraten. Die ist zickig und exaltiert, und das ist bekanntlich... s.o.
Cromwell braucht die Unterschrift seiner Frau unter die Scheidungspapiere, und deshalb fliegt er zu ihr in den Regenwald. Dort lebt sie bei Eingeborenen, und die kennen keine Laptop-Computer, sind klein und braun, und überhaupt irgendwie so ganz anders als wir. Das ist ja so, so LUSTIG.
Nachts furzen die Eingeborenen, und Cromwell fällt aus der Hängematte. Meine Güte, IST DAS LUSTIG!!!
Cromwell muß zu seiner Überraschung feststellen, daß er einen dreizehnjährigen Sohn hat, den Patricia alleine bei ihrem Urwaldstamm großgezogen hat.
Der Sohn heißt Mimi-Siku, was soviel heißt wie Katzenpisse – na, wenn das nicht famos lustig ist. Mimi-Siku wird gespielt von Sam Huntington, und der ist so herzerwärmend blond und lausbubenhaft, daß Michael Jackson sich bestimmt schon nach seiner Telephonnummer erkundigt hat.
Szenen im Dschungel: Cromwell rennt und schreit. Cromwell fällt ins Wasser. Lustig.
Cromwell muß Mimi-Siku mit nach New York nehmen, weil dieser dort zur Vollendung seines Mannbarkeitsrituals Feuer von der Fackel der Freiheitsstatue holen soll. Mimi-Siku ißt Katzenfutter. Mimi-Siku hat ein Blasrohr mit Betäubungspfeilen. Mimi-Siku klettert an Wolkenkratzerfassaden herum. Das ist lustig und aufregend zugleich.
Mimi-Siku hat eine Vogelspinne als Haustier. Viele Leute haben Angst vor der Vogelspinne. Viele Leute rennen und schreien. Heissa, ist das lustig. Cromwell und Richard haben Probleme mit der Russenmafia.
Mimi-Siku erledigt die Russenmafia. Dabei wird gerannt, geschrien und hingefallen, z.T. auch wegen der Vogelspinne. Bei Fugen heißt sowas Engführung. Auf jeden Fall ist es sehr, sehr lustig.
Richard hat eine zwölfjährige Tochter namens Karen (LeeLee Sobiesky). Die ist so herzallerliebst putzig, daß Michael Jackson bestimmt auch gerne ihre Nummer hätte, wenn sie denn nur ein Büblein wär. Mimi-Siku und Karen übernachten zusammen in der Hängematte (fallen aber nicht raus – ergo nicht lustig). Mimi-Siku und Karen stehen am Ende im Fluß und küssen sich. Das ist Kinderpornographie.
Cromwell sieht ein, daß er doch gerne Papi wäre und mit Patricia zusammenleben möchte. Er zieht um nach Venezuela. Er nimmt Handy, Laptop und Sattelitenfunkanlage mit; geändert hat er sich nicht. Das soll ein Happy End sein, ist aber nur gruselig.
Nach 105 Minuten hat man auch diesen Film überstanden. Und das ist gut.