Review
Beavis & Butt-Head machen's in Amerika
Der kaputte Fernseher zwingt Beavis und Butthead, das heimatliche Wohnzimmer zu verlassen. Draußen in der Zivilisation verirren sie sich in einer Krimanalgeschichte, wobei sie zunächst für gefährliche Verbrecher, später aber für Helden gehalten werden. Sie selbst verstehen von all dem nichts.
Ein prima Vorspann erfreut das Auge des Betrachters, Abgefahrenes scheint uns hier versprochen: Die beiden Titelhelden im Seventies-Look zum Klange von Wah-Wah-Gitarren pistolenschwingend. Freudvolle Erwartung räkelt sich durch die Stuhlreihen.
Doch die darauffolgende Story hat nichts wirklich Wüstes im Sinn. Die Fernsehstars werden aus ihrer üblichen Umgebung ins Freie geholt und eine vorhersehbare, unwichtige Krimihandlung rollt an. Kein nennenswerter neuer Charakter wird eingeführt, Beavis und Butthead müssen mit den wenigen Gesten und Worten, die sie kennen, den Film mit Leben erfüllen. Kein leichter Job für Zeichentrickfiguren.
Gelockt von der Hoffnung auf ein neues Fernsehgerät, von Geld und von schönen Frauen geraten die beiden halbstarken Widerlinge immer tiefer in die wilde Realität. Im Kontrast zu dem hysterischen Amerika mit seinem latent faschistoiden Polizeiapparat und seiner debilen Bevölkerung erscheinen Beavis und Butthead bald als geradezu stoische Zeitgenossen mit ihrer unverdrossenen Beklopptheit. Etwaig anfallende Unbill, zum Beispiel einen Fußmarsch durch die Wüste, ertragen sie zwar mit Fluchen (»The sun sucks!«), aber dennoch geduldig, und stets sind sie bereit sich über neue Wunder der Welt zu erfreuen, zum Beispiel die Klospülung (»That’s cool!«). So erleben sie, wahrscheinlich allerdings ohne es sich zu merken, eine ereignisreiche Fahrt durch die Vereinigten Staaten und beweisen dabei, daß ein Leben in Beschränktheit mit steinzeitlichem Wortschatz, mit begrenzter Wahrnehmungsfähigkeit, mit ausgesprochen kurzfristigen Antriebsmotiven – Fressen, Ficken, Fernsehen – eine geradezu philosophische Alternative sein könnte zum hektischen Alltagswirrwarr.
Ein Irrtum ist sie meist, die Verspielfilmung von Fernsehgeschichten. Ehrwürdige, kultumflorte Charaktere werden ihrer wirkungsvollen Kurzauftritte beraubt und in die handelsüblichen Kinomechanismen gepresst, und rummsbumms da ist der Kult vorbei.