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Review

Beltracchi – Die Kunst der Fälschung

Kunstfälschung goes Hip Hop

Der Meisterfälscher bei der Arbeit

Kunstfälschung goes Hip Hop

Er ist zwar kein Robin Hood, denn sein Geld steckte er in Villen und ein komfor­ta­bles Leben, aber er hat diese Schlit­zoh­rig­keit, ein elastisch ange­legtes Moral­emp­finden und ein gutes Gefühl für Timing. Für den Kunst­fäl­scher Wolfgang Belt­racchi war klar, dass der Kunst­markt nur danach giert, noch mehr Kunst­werke zu Höchst­preisen zu verkaufen. Wenn es die aber nicht mehr gibt, dann muss man welche erfinden. Und genau das tat Belt­racchi mit viel Liebe zum Detail, bis ihm eine Schlam­pig­keit zum Verhängnis wurde: titanweiß.

Prot­ago­nist Wolfgang Belt­racchi erzählt freimütig aus seinem Leben und zeigt die Techniken, mit denen seine Fälschungen entstanden. Regisseur Arne Birken­stock bekommt sozusagen eine Schritt-für-Schritt Anleitung zum Kunst­fäl­schen. Vom wertlosen Schinken, erstanden auf dem Flohmarkt, zum Meis­ter­werk à la Max Ernst, Heinrich Campen­donk etc.

Man hat schon etwas übrig für Hoch­stapler, die sich in ihrem Business auch noch glänzend amüsieren. Bilder in Millio­nen­höhe, die für Otto Normal­ver­brau­cher manchmal ein Gekleckse sind und für andere wiederum in den Tresor gehören, als Geld­an­lage. Der Betrug, den Wolfgang Belt­racchi hingelegt hat, steckt voller Raffi­nesse, zeugt aber auch von einem perfekten Handwerk. Was Belt­racchi als Prot­ago­nisten des Films so inter­es­sant macht: er schert sich wenig um die Meinung der anderen und ist ein freimü­tiger Geist.

Der Film macht Spaß, weil er einen anar­chis­ti­schen Kern pflegt. Weil er von Menschen erzählt, die sich ihre eigenen Schlupflöcher gesucht haben, um Einzelne um Millionen zu erleich­tern, aber auch gleichz­eitig vorführt, dass Kunst ein relativer Begriff ist. Pikiert sind die Geschä­digten immer noch, die im Film zu Wort kommen. Dabei wurde das Bild »Rotes Bild mit Pferden« erst als unbe­kanntes Meis­ter­werk des Malers Heinrich Campen­donk gefeiert, um schließ­lich als ein erfun­denes Werk frei nach Belt­racchi zu enden und seinen Schöpfer (und Ehefrau Belt­racchi) hinter Gitter zu bringen.

Regisseur Arne Birken­stock hat seinen Film angelegt wie ein Popkunst­werk: es ist bunt, es ist spritzig und immer auch witzig. Ob er dabei seinen Prot­ago­nisten wirklich gerecht wird, ist die Frage. Vor lauter Bilder­se­quenzen über die Domaine in Frank­reich, das Archi­tek­ten­haus in Freiburg, die Sequenzen zum wilden freien Leben nach Hippie-Manier mit dem Geld voller Taschen, bleibt die Frage nach der Persön­lich­keit Belt­rac­chis hinter der Figur des Kunst­fäl­schers weit zurück.

Was dennoch bleibt: Ein bisschen Porträt, ein bisschen Anleitung zum Kunst­fäl­schen und ein kleiner Einblick auf den über­hit­zten Kunst­markt.