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Review

Blackhat

Pistolen sind geiler als Computer

Film & Mann der alten Schule

Pistolen sind geiler als Computer

Als Googles Sicher­heits­prinz­essin Parisa Tabriz (»Security Princess« ist keine Analogie, sondern ihr wirk­li­cher »Titel«) von Michael Manns Hacker-Thriller Blackhat hörte, griff sie sofort zum Telefon, um ihren Bruder anzurufen. Da er mit dem Agenten von Manns Haupt­dar­steller Chris Hemsworth regel­mäßig Poker spielte, war auch der Rest kein Problem. Sie erhielt nicht nur eine private Preview in Manns Büro, sondern animierte Universal Pictures gleich darauf eine Preview für Hacker und IT-Security-Spezia­listen zu veran­stalten. Das Ergebnis war erstaun­lich. Was bisher als Hacker-Film-Standard gegolten hatte – John Badhams Wargames (1983) und Phil Alden Robinsons Sneakers (1992) – schien nun wirklich einer anderer Epoche anzu­gehören. Zwar habe auch Blackhat seine Fehler wie eine inkorrekt darge­stellte IP-Adresse, aber das Audi­to­rium lobte nicht nur die »besten Hacker-Film-Szenen aller Zeiten«, sondern auch eine immer wieder pädago­gisch sinnvolle, akkurate und sinnvolle Redu­zie­rung der Komple­xität von Cyber-Angriffen, die außerdem – wie korrekt darge­stellt – durchaus nicht immer nur virtuell passieren, sondern dann und wann auch über einen USB-Stick oder eine Fest­plat­ten­por­tie­rung forciert werden müssen.

Und auch darüber hinaus könnte man – zumindest als Nerd – ins Schwärmen geraten, denn Michael Mann hat Mut. Er stellt nicht nur kommen­tarlos die lite­ra­ri­sche Schönheit von gut geschrie­benem Program­mier­code in den Raum (!), er geht auch über die normale Rezeption, was Cyber­kri­mi­na­lität sein kann, hinaus. Natürlich spielt Mann an der Ober­fläche mit dem, was etwa durch den Hack auf Sony und den Folgen für Seth Rogen und Evan Goldbergs The Interview allen klar geworden sein dürfte – wer wen wann und wie hinter­geht ist in der Cyber­kri­mi­na­lität noch schwie­riger als in den bishe­rigen krimi­nellen Welten. Und ob es nun ein Film­studio ist oder wie kürzlich ein Stahlwerk oder bei Mann ein Atom­kraft­werk in Hongkong – ist im Grunde egal. Es sind die Beweg­gründe dahinter, die wirklich inter­es­sieren und die Mann ebenso klar profi­liert wie das eigent­liche Verbre­chen, den Hack: die Gier nach Geld und Macht in einem schwin­del­er­re­genden weltweit vernet­zten Amoklauf, der inzwi­schen auch ein Kürlauf der Betriebs­sys­teme geworden ist. Cooler ist bei Mann UNIX (und nicht Windows oder Apple OS) und auf alle Fälle ein Android (aber kein iPhone), um so richtig loszu­schlagen oder sich aus den Fängen einer Counter Attack zu befreien.

Deshalb stimmt es, was die Nerds aus dem Silicon Valley sagen. Michael Manns Blackhat ist ein hervor­ra­gender Hacker-Film. Aber ist er er auch ein guter Film per se? Nein, mitnichten.

Schon der Haupt­dar­steller Chris Hemsworth (Thor) ist ein Witz und besten­falls der feuchte Traum eines Hackers als eine reale Person. Weder seine plump symbo­lisch zur Schau gestellte Bele­sen­heit – nicht mehr und nicht weniger als einen Klassiker der Post­mo­derne muss es sein – noch seine Code-Akrobatik wirken auch nur ansatz­weise glaubhaft. Aber als dann die von Michael Mann so gern benutzte Ansamm­lung von männ­li­chen Freunden und Feinden ins Feld geführt wird, ist klar, dass Frauen auch in diesem Film Michael Manns nichts zu suchen haben, auch wenn sie ein Keyboard zu benutzen verstehen. Es sei denn, es muss nach Jahren im Gefängnis Druck abgebaut werden oder ein eini­ger­maßen überz­eu­gendes Filmende zusam­men­ge­flickt werden.

Aber es ist nicht nur Manns anti­quiertes Frau­en­bild und die Repli­zie­rung der seit Manns Heat immer wieder vari­ierten Ambi­va­lenz von Männer­be­zie­hungen, sondern auch das Thema an sich, das nervt. Vor allem im ersten Teil versucht Mann die eigent­li­chen Hacks über animierte Bild­se­quenzen bildlich (und spannend) zu gestalten. Dieser sinnlosen und lang­wei­ligen Legoäs­t­hetik scheint Mann schon bald selbst nicht mehr zu trauen. Genauso wenig wie dem eigent­li­chen Instru­men­ta­rium der Hacker, seien es ihre Androids oder die Tasta­turen ihrer UNIX-Rechner.

Konse­quent besinnt sich Mann deshalb schon ziemlich schnell auf altbe­kannte Qualitäten und reichert das neue Waffen­ar­senal kurz­er­hand mit den Waffen der alten Schule an. Ein wenig banal wird damit noch einmal auf die realen Folgen von virtu­ellem Handeln hinge­wiesen, doch geht damit immerhin auch ein realer Ruck durch die Insz­e­nie­rung, nach dem auch Chris Hemsworth wieder vererdet und am richtigen Ort wirkt und nun auch dem letzten Zuschauer klar sein dürfte, dass eine Pistole allemal geiler als ein Computer ist und man Hackern nicht unbedingt trauen sollte.