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Review

Das Leben ist ein Spiel

Anfangs hält man diesen seriösen älteren Herrn noch für einen verkappten Spanner, wie er da so sitzt und eine Dame beim Flirten beob­achtet. Gerade schleppt sie einen etwas tumben Dickwanst auf sein Hotel­zimmer. Bald aber stellt sich heraus, daß hier ein Gauner­pär­chen am Werk ist. Betty verab­reicht dem ahnungs­losen Opfer ein Schlaf­mittel, und Victor hilft ihr beim Beuteernten. Ein kurzer Abschieds­brief von Betty und etwas Restgeld in der Brief­ta­sche wird dem Bestoh­lenen am nächsten Tag das Gefühl vermit­teln, er habe eine wilde Nacht verlebt. Betty und Victor sind also zwei Krimi­nelle, die auf die denkbar menschen­freund­lichste Weise straf­fällig werden.
Der fran­zö­si­sche Altmeister Claude Chabrol hat sich dieses Duo für seinen 50. Spielfilm ausge­dacht, dabei hat er es tunlichst vermieden, die Beziehung seiner beiden Haupt­fi­guren genau zu defi­nieren. So darf der Zuschauer, dessen Phantasie sonst nicht weiter bean­sprucht wird, herum­rät­seln ob Michel Serrault und Isabelle Huppert diesmal ein Liebes­paar, Vater und Tochter, befreun­dete Kollegen oder sonstwas spielen. Ihr Umgang mitein­ander ist bestimmt von geist­rei­chen Dialoge voller liebe­voller Scherze, und Chabrol begnügt sich weit­ge­hend mit der Bebil­de­rung dieses char­manten Plau­der­tons.

Die Geschichte selbst wirkt wenig aufse­hen­er­re­gend. Irgend­wann nehmen Betty und Victor ein allzu gefähr­li­ches Projekt in Angiff, sie wollen nämlich einen Geld­ku­rier der Mafia, an den sich Betty bereits heran­ge­macht hat, um fünf Millionen Franc erleich­tern. So müssen sie eine ganze Weile mit richtigen Böse­wich­tern hadern, bevor sie, nach einem Verwirr­spiel um einen Geld­koffer, mit heiler Haut davon­kommen können.

Michel Serrault ist wie gewohnt sehr erfreu­lich anzu­schauen als alternder Gauner mit super­se­riösem Auftreten, der sich meist als pensio­nierter Armee-Offizier ausgibt. Auch das Zusam­men­spiel mit seiner Kollegin funk­tio­niert hervor­ra­gend; Isabelle Huppert, das Pin-Up-Girl des Peter-Handke-Lesers, tröstet über viele ihrer erzlang­wei­ligen Auftritte hinweg. Es bleibt die Frage, warum Chabrol, der diesen Film als seinen ersten auto­bio­gra­phi­schen bezeichnet, das so dringende Bedürfnis hatte, solch eine zwar nette, aber auch belang­lose Story auf die große Leinwand zu bringen. Sei es drum: Der Besu­cher­an­teil der fran­zö­si­schen Filme in Deutsch­land ist in den letzten Jahren sehr rück­läufig; dem alten Claude kann man zum fünf­zigsten Film­ju­biläum schon mal wieder die Ehre erweisen, und sei es auch nur der alten Zeiten wegen und um ein paar vertraute Gesichter wieder­zu­sehen.