Review
Der schmale Grat
Die Farbe des Krieges
Die Farbe des Krieges
Terrence Malicks Meisterwerk
Saftiggrüne Hügel wiegen im Wind hin und her. Die Sonne bricht hinter Wolken hervor, und ihre Strahlen legen sich über die paradiesisch- friedliche Landschaft. Plötzlich zwei kurze Feuerblitze aus dem Grün, dann wieder Stillenichts ist zu sehen, aber die Schlacht hat begonnen.
Zuvor hatte man einer Einheit von US-Marines bei der Landung am Strand zugesehen: Sie springen aus den gleichen Booten wie in Spielbergs Saving Private Ryan, und darum erwartet der Zuschauer, daß auch hier jeden Moment ein Geschoßhagel das blutige Schlachten eröffnet. Aber nichts geschieht. Alles bleibt still, banal und irritierend ruhig. Erst in den Hügeln beginnt der Kampf.
Terrence Malicks The Thin Red Line war die Sensation dieses Berlinale Wettbewerbs. Ein Kriegsfilm, der gewohnte Bilder benutzt, um ihnen neue Bedeutung zu geben. Man muß diesen Film mit Spielbergs letztem vergleichen, so nahe sind sich beide thematisch – und ganz oberflächlich gesehen auch formal. Aber gerade der Vergleich zeigt die riesige Kluft zwischen der staatstragenden Ideologisierung Spielbergs und der philosophischen Meditation von Malick. Die Geschichte einer US-Einheit im Krieg gegen Japan zeigt das Geschehen aus der Perspektive der Soldaten: Ohne verlogene Heroisierung, aber auch ohne prinzipielle Verdammung. Nüchtern wird noch das Extremste konstatiert, und die Armee aufgelöst in Individuen, von denen jedes eine eigene Geschichte erlebt.
Was an Terrence Malicks erstem Film nach 20 Jahren so überraschend und so überzeugend ist, ist sein langer Atem: eine Ruhe und Langsamkeit, die trotzdem Dynamik vermittelt und in keinem Moment mit Gemächlichkeit zu verwechseln ist, die Spannungen aufbaut, und dem Zuschauer Erlebnisse vermittelt, die sich nicht leicht wieder bannen lassen. Man sieht Bilder, wie man sie seit 20, 30 Jahren, vielleicht seit Antonioni und dem frühen Nicholas Roeg nicht mehr gesehen hat. Und es sind Bilder, die man nicht vergißt.