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Review

Die Apothekerin

Das deutsche Kino der 90er wird langsam erwachsen. Eine erfreu­liche Aussicht.
Mit dem Film Die Apothe­kerin hat Regisseur Rainer Kaufmann einen Schritt in diese Richtung unter­nommen.
Nach der Lite­ra­tur­vor­lage »Die Apothe­kerin« von Ingrid Noll entstand in Zusam­men­ar­beit mit den Dreh­buch­au­toren Kathrin Richter und Ralf Hertwig das Drehbuch.

Hella Moormann (Katja Riemann) ist Apothe­kerin. Sie begegnet Levin (Jürgen Vogel), einem skru­pel­freien, char­manten Zahn­me­di­zin­stu­denten, mit einem sehr reichen Großvater (Joachim Toma­schesky), der nicht mehr lange leben wird. Beim Notar erfahren sie, daß der Großvater Hella den Großteil seines Vermögens hinter­lassen hat, unter der Bedingung, daß Hella und Levin heiraten. Sie werden nicht alleine leben, denn die blutjunge und hübsche Haus­häl­terin Margot (Isabella Parkinson) und der Knast­bruder Dieter (Richy Müller) vervoll­s­tän­digen das Quartett. Diese Figuren und andere Menschen treten in das Leben von Hella und werden, wenn sie Pech haben, womöglich sterben. Ganz zufällig.

Kame­ra­mann Klaus Eich­hammer bleibt immer nahe an seinen Figuren dran. Er unter­s­tützt und gibt den Szenen einen Rahmen. Herbst und Winter, die Jahres­zeiten in denen der Film spielt, sind atmo­s­phä­risch spürbar und Bestand­teil der drama­tur­gi­schen Bild­ge­stal­tung.
Nur manchmal könnte man sich wünschen, daß er der Weite der Land­schaft etwas mehr Raum gelassen hätte. Nicht weil sie dann deko­ra­tiver wirkte, sondern weil die Erfassung von Raum der dichten Drama­turgie mehr Luft geschenkt hätte. Und dazu eine Verbin­dung zur Örtlich­keit gestaltet hätte: einer mittel­großen Stadt wie Heidel­berg und Umland, aus der sich diese Charak­tere entwi­ckelt haben.

Obwohl so viele Menschen in Die Apothe­kerin ihr Leben lassen müssen ist die vorran­gige Qualität des Films sein Humor. Katja Riemann, als Hella, hat nichts von einer eiskalten Mörderin. Die mörde­ri­schen Vorkomm­nisse, die sie provo­ziert entspringen einer Natur, die im Mauer­blüm­chen­kostüm voller Leiden­schaft ist. Wie Rainer Kaufmann schon sagt:
»Die Apothe­kerin ist eben kein Genre-Film, den man einfach als Melodrama, Komödie oder Krimi bezeichnen könnte. Der Film hat von allem etwas.«
Und er macht Spaß. Besonders mit Jürgen Vogel, der einen guten Sinn für Timing und Komik beweist, ohne in Klamauk zu verfallen. Besonders mit Richy Müller, der mit sparsamen Mittel eine inter­es­sante Figur geschaffen hat. Und besonders mit Katja Riemann, als Haupt­figur und mörde­ri­scher Apothe­kerin. Hier mischen sich die Genres und es geht nichts verloren.
Ein netter Film, der gutes Kino liefert, ohne zu sehr offen­sicht­li­ches Opfer kommer­zi­eller Inter­essen und Ziel­gruppen zu sein.