Review
Die Herzogin
Adel vernichtet
Adel vernichtet
»Im Glanz des Adels – im Schatten der Liebe« lautet der Zusatztitel des deutschen Verleihs und bringt damit den Inhalt von Die Herzogin in wenigen Worten auf den Punkt. Einerseits gut, denn so weiß der Zuschauer sofort, was er erwarten kann: Herz, Schmerz und prächtige Kostüme. Andererseits schlecht, denn der Zuschauer weiß auch sofort, was ihn erwartet.
Die junge Georgiana (Keira Knightley) wird mit dem Herzog von Devonshire (Ralph Fiennes) verheiratet. Der reiche, mächtige und ahnsehnliche Mann entpuppt sich als eiskalter Sadist und die Ehe wird für Georgiana zum kaum erträglichen Martyrium. Auf Grund ihrer Schönheit, ihres modischen Geschmacks und politischen Interesses wird die Herzogin von allen verehrt – außer von ihrem Gatten. Dieser schärft ihr lediglich immer wieder ein, dass ihre Existenzberechtigung ausschließlich darin besteht, einen Stammhalter zu gebären. Wegen der Liebe zu ihren Kindern bleibt Georgiana nichts anderes übrig, als sich schließlich in den kalten Mauern des prächtigen Anwesens, in der Rolle der Ungeliebten und schließlich sogar in der ihr auferzwungenen ménage à trois einzurichten.
Keira Knightley ist so ätherisch schön wie immer, ihr Spiel dagegen kann nur manchmal überzeugen. Oft zeigt es sich in Form einer wie eingefroren wirkenden Mimik, mit zusammengepressten Lippen und starrem Blick. Ein nachvollziehbarer Gesichtsausdruck zwar, wenn man mit einem Egomanen wie dem Herzog verheiratet ist – und doch bleibt das Gefühl zurück, dass diese Ausdruckslosigkeit weniger das Resultat von bewusster Inszenierung als von mangelnden Expressions-Alternativen ist.
Insgesamt gesehen überrascht Die Herzogin nur selten. Die Ausstattung, das Licht, die Musik und die Schauplätze sind erwartungsgemäß perfekt. Alles schön anzusehen und anzuhören – aber eben dadurch streckenweise auch entsetzlich langweilig.
Was den Film trotzdem sehenswert macht, sind die raren Ecken und Kanten, die weniger glatten, subtileren Momente. Für die sorgen vor allem Ralph Fiennes in seiner Rolle als Herzog und Hayley Atwell in ihrer Darstellung als seine Geliebte und Zweitfrau Bess Foster.
Fiennes liefert eine überzeugende schauspielerische Leistung ab. Dass man gut daran tut, ihn für dunkle Charaktere zu casten, weiß man seit seinem Auftritt als sadistischer SS-Offizier in Schindlers Liste und als Inbegriff des Bösen, des Lord Voldemort in den Harry Potter-Filmen. In seiner Darstellung als Herzog von Devonshire gelingt es ihm, überzeugend grausam und zugleich oft auch lächerlich zu wirken, eine Mischung, die einer schauspielerischen Gratwanderung gleichkommt, bei der Fiennes jedoch kein einziges Mal abstürzt. In den Szenen mit seinen beiden Hunden etwa muss man zunächst schmunzeln, um kurz später erschrocken innezuhalten: Lässt er den Tieren doch eine liebevolle Aufmerksamkeit zukommen, von der seine Frau nur träumen kann.
Bereits zu Anfang des Films wird diese Spur der Zweideutigkeit angelegt. Als er seine frisch mit ihm vermählte Frau durch die Eingangshalle führt, ruft er in bestimmendem Tonfall: »Hier lang!« und man fragt sich: Meint er nun die Hunde oder die Frau? Die Antwort lautet leider: Höchstwahrscheinlich Zweitere.
Der Sadismus des Herzogs erreicht seinen vorläufigen Höhepunkt, als er Georgiana vor ihren Augen – oder besser gesagt Ohren – mit ihrer besten Freundin Bess betrügt. Und obwohl er sein teuflisches Wesen bisher schon mehr als genug offenbart hat, gelingt es Fiennes kurz darauf erneut, die Zuschauer mit seinem nicht eindeutigen Spiel in die Irre zu führen. Nach dem Betrug setzt er sich, unbeholfen wie ein kleiner Junge, zu seiner tief erschütterten Gattin auf das Kanapeé. Er scheint sich unwohl zu fühlen, wirkt – wieder einmal – bedauernswert lächerlich in seinem engen Kostüm. Seine gesamte Körperhaltung scheint herauszuschreien: »Ich habe etwas falsch gemacht, bitte hab mich wieder lieb!« Man wartet geradezu darauf, dass er sich nun endlich einmal bei Georgiana entschuldigt. Aber nichts da: Er habe seine Aufgabe erfüllt – sie nicht, ist alles, was die Herzogin zu hören bekommt.
Umso wohltuender ist es, als die Herzogin sich zu einem späteren Zeitpunkt zumindest für ein paar Sekunden aus der Opferrolle befreit. Nach dem zu dritt eingenommenen Mahl steht Georgiana, plötzlich seltsam befreit, auf und wendet sich an Bess mit den Worten: »Du kannst ja hier bleiben und Dich um unseren Ehemann kümmern.«
Obwohl Keira Knightley sowohl in ihrer Rolle selbst, als auch in ihrem darstellerischen Können als Verliererin des Trios Herzog-Herzogin-Bess gelten muss, hat auch sie ihren großen Moment. Als sie ihr neugeborenes Kind hergeben muss, das aus der Liaison mit ihrer wahren Liebe Charles Grey stammt, hat man tatsächlich das Gefühl, dass sie zerbricht. Ihr Innerstes kehrt sich endlich nach außen, die Schmerzen des Verlust sind diesmal zu groß, als dass sie sie hinter einer starren Fassade verbergen könnte.