Review
Die Klasse von '99 – Schule war gestern – Leben ist jetzt
»Hey Bulle!«, »Hey Verbrecher!« – schon die Art, wie sich die beiden alten Freunde am Bahnhof begrüßen, skizziert ihre zukünftigen Rollen. Drei Jahre ist es her, seit Felix (Matthias Schweighöfer) aus dem Kaff gezogen ist, in dem beide aufwuchsen, und seinen besten Freund Soeren (Tim Sander) zuletzt gesehen hat.
Jetzt ist er zurückgekommen, das Studium hat er geschmissen und ist zur nahe gelegenen Polizeischule gegangen. Doch die Zeit ist nicht stehengeblieben, und Felix' Hoffnung, einfach an das alte Leben der letzten Schuljahre anknüpfen zu können, erweisen sich schnell als Trugschluß. Denn Soeren hat sich verändert: Aus dem netten Jungen von Nebenan ist ein Provinzschnösel geworden, dem Geldverdienen viel wichtiger ist, als Freundschaften.
Felix braucht eine Weile, um sich die Distanz einzugestehen, die zwischen ihm und Soeren entstanden ist. Eine Menge mit der zu tun hat auch Simona (Anna Bertheau), in die sich Felix einst verguckt hat, und die jetzt die Freundin von Soeren ist, auch wenn der sie mit ziemlicher Gleichgültigkeit behandelt.
Das sonstige Leben ist typisch für die Tristesse der Provinz: Im Ford Escort brettert man über die Landstraße, am Samstagabend lässt man »die Sau raus«, die Zeit dazwischen wird mit Kiffen, Biertrinken und vielen Erinnerungen an die »gute alte Zeit« vor drei Jahren überbrückt. Die Provinz, das Dasein junger Leute zwischen Aufbruchswillen und zielloser Suche, sind das Thema des 28jährigen Marco Petry. Schon mit seinem Debüt Schule hat Petry vor drei Jahren angenehm überrascht: Ein sensibles Stück über einen Abijahrgang sahen über eine Million Zuschauer. Und Petry zeigte sich als einer der ganz wenigen Begabten seiner Generation: Sensibel in der Schauspielführung, klug in der Inszenierung, differenziert in den von ihm selbst geschriebenen Geschichten – und überdies mit einem Näschen fürs Publikum. Alle diese Tugenden zeichnen auch Die Klasse von ´99 – Schule war gestern – Leben ist jetzt aus, seinen zweiten Spielfilm, der jetzt ins Kino kommt.
Eine Geschichte über Jugend und Verschwendung, über das Erwachsenwerden, das mühsam ist, und Opfer kostet. Petry hat sie genau und realistisch, stimmig und mit viel Sympathie für seine Figuren inszeniert. Von kleineren, unwichtigen Ungenauigkeiten abgesehen, ist Die Klasse von ´99 – Schule war gestern – Leben ist jetzt ein ganz erwachsener, ein schöner Film geworden.