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Review

Dora und die goldene Stadt

Indiana Jane gegen den Rest der Welt

Spritziger, wilder Familienfilm

Indiana Jane gegen den Rest der Welt

Für Fans der dezidiert für den ameri­ka­ni­schen Latino-Markt geschaf­fenen Zeichen­trick­serie Dora the Explorer dürfte das Real-Film-Spin-Off DORA und die goldene Stadt ein ziem­li­cher Schock sein. Nicht nur sind die vertüt­telten »Kaugum­mi­fi­guren« dahin, sondern mehr noch ist Dora nicht mehr das kleine Mädchen im Grund­schul­alter, das mit Hilfe ihres Affen Boots gegen den Klau-Fuchs Swiper angehen muss und dabei à la Sesam­straße eine Menge dazulernt.

Nein, in der Real­ver­fil­mung von James Bobin ist (fast) alles anders. Zwar gibt es ein Intro, in dem Dora noch einmal das Mädchen von damals ist und gibt es als histo­ri­schen »Anker« den ganzen Film über weiterhin die animierten Versionen von Boots und Swiper, aber dann ist auch schon Schluss, ist Dora plötzlich ein puber­tie­rendes Mädchen, das plötzlich nicht mehr mit ihren Eltern auf die nächste Feld­for­schung in den Urwald mitdarf, sondern zu ihrem alten besten Freund aus Kind­heits­tagen und Cousin in eine ameri­ka­ni­sche Großstadt ziehen muss. Als Forscher­kind, im Urwald sozia­li­siert, kann das natürlich nicht gut gehen und es ist natürlich gut so, dass es nicht gut geht. Denn so kann Dora ihrer Alters­gruppe endlich einmal zeigen, dass es durchaus seine Vorteile hat, Außen­seiter zu sein.

Mag dieser Einstieg auch ein wenig vorher­sehbar sein, so ist er doch ein idealer erzäh­le­ri­scher Grund­bau­stein, um auf das schräge, wilde Chaos vorzu­be­reiten, in das Dora und ihre Freunde dann gestoßen werden. Der Film greift dabei auf klas­si­sche Aben­teu­er­film-Refe­renzen zurück und spielt dabei auch farblich immer wieder mit dem großen filmi­schen Vorbild von Dora, mit Steven Spiel­bergs Indiana Jones, der wie ein stets grin­sender Schatten mit seiner Peitsche hinter ihr zu stehen scheint.

Doch was zu Anfang fast ein wenig aufge­setzt und zuviel wirkt, verselbst­stän­digt sich im Laufe der toll verdrehten und immer wieder über­ra­schenden Handlung zusehends. Dora, in einer großar­tigen Verkör­pe­rung von Isabela Moner, eman­zi­piert sich von Harrison Fords »Indiana« und wird eine völlig über­zeu­gende, selbst­stän­dige und vor allem selbst­er­mäch­tigte »Jane«. Mit einem Humor, der immer wieder in perfekt getak­teten Slapstick übergeht, um dann, in wichtigen Momenten auch wieder auf Eis gelegt zu werden.

Dadurch wird nicht nur essen­zi­ellen Span­nungs­mo­menten Raum gegeben, sondern auch Isabela Moner und ihren jugend­li­chen Mitstrei­tern, die diese Auszeiten auch unbedingt brauchen, um im Laufe der Handlung zu Erwach­senen werden, also ihr Coming-of-Age zu erleben. Ernst und Groteske liegen dabei stets nah beiein­ander, in einer Balance, die ausge­spro­chen gut funk­tio­niert. Der animierte Fuchs Swiper und Affe Boots puzzlen noch ein paar Brecht­sche Verfrem­dungs­ef­fekte hinzu und machen Dora und die goldene Stadt damit zu einer herr­li­chen, anar­chis­ti­schen Über­ra­schung, in der nicht nur wild mit Gender­s­te­re­o­ptypen umher­ke­gelt, sondern mit dem Aben­teu­er­film-Genre überhaupt. Das macht James Bobins Inter­pre­ta­tion eines eigent­lich nur auf Schul­kinder, die allein vorm Fernseher sitzen, ausge­rich­tetes Format zu einem sprit­zigen, alter­süber­grei­fenden Fami­li­en­film.