Review
Ein Gauner & Gentleman
Was bleibt
Was bleibt
Als Robert Redford im Herbst 2018 bekannt gab, dass seine letzte Filmrolle die des Forrest Tucker in Robert Lowerys Ein Gauner & Gentleman sein würde, war die Irritation groß. Denn letztlich sind Schauspieler dann ja doch jene Menschen, die der Unsterblichkeit am nächsten kommen, überleben viele ihrer Rollen doch nicht nur den Schauspieler selbst, sondern sogar die folgenden Generationen an Zuschauern. Redfords Schlussstrich glich deshalb einem fast schon unerhörten Eingeständnis der eigenen Sterblichkeit.
Doch Lowerys Film macht dieses Eingeständnis wieder wett. Denn die hier erzählte Geschichte um einen Bankräuber, der sein ganzes Leben Banken ausgeraubt hat und auch im Alter nicht davon lassen kann, könnte nicht besser auf Redford zugeschrieben sein, könnte keine bessere Analogie dafür sein, was Redford seit seinen Anfängen bis heute als Schauspieler, Regisseur, Produzent und auch als Filmaktivist (man denke nur an seinen Kampf für den amerikanischen Independent Film und seine Mitarbeit am Sundance Filmfestival) geleistet hat.
Passend zu dieser liebevollen Hommage hat Lowery, dessen letzter Film A Ghost Story sich in eher experimentell-poetischen Bahnen bewegte, einen Film gedreht, der ganz im Zeichen der Zeit seiner Handlung steht, den frühen 1980er Jahren, als der real existierende Forrest Tucker seine letzten Banken überfiel; mal allein, dann wieder mit ein paar Kollegen. Lowery webt in seine Handlung eine zarte Liebesgeschichte mit der verwitweten Jewel (Sissy Spacek) ein und etabliert einen Gegner auf Seiten der Polizei (Casey Affleck als John Hunt), der der Geschichte ihre Dynamik verleiht und auch die in den letzten Jahrzehnten in Filmen wie Michael Manns Heat immer thematisierte charakterliche Nähe von Jäger und Gejagtem, Polizisten und Kriminellen humorvoll reproduziert.
Diese komödiantische Leichtigkeit und fast nebensächliche Inhaltlichkeit, die immer wieder an frühe Gauner- und Gangster-Komödien mit Redford wie Butch Cassidy and the Sundance Kid oder Der Clou erinnert, wird auch in Ansätzen in die Liebesgeschichte mit eingebunden, erhält aber durch die subtil Alter und Sehnsucht verkörpernde Sissy Spacek eine melancholische Note, die dem Film gut tut, weil sie ein wenig das hinterfragt, was Forrest Tucker nicht bereit ist, zu hinterfragen: warum er sich überhaupt einem Lebenszyklus aus Gefängnisaus- und Bankeinbrüchen verschrieben hat. Die hervorragend geschriebenen Dialoge zwischen Jewel und Redfords Alter Ego Forrest Tucker bilden dabei ein faszinierendes Gleichgewicht zu den Dialogen des anderen Ehepaars im Film, seines Jägers John Hunt, der sich mit seiner Frau Maureen (Tika Sumpter) einer ähnlichen Einsamkeit in Paarsamkeit ausgesetzt sieht und ähnlich hilflos agiert, wenn die eigene Frau Forderungen stellt.
Ist die doppelte Paarbeziehung der Anker, der die Generationen im Film verbindet, so sind es die in den Film montierten Sequenzen und Fotos aus alten Redford-Filmen – wie etwa Arthur Penns The Chase (1966) – der Anker zu Redfords eigener Lebenslinie. Und sieht man sich diese Fotos und Sequenzen – wie schnell sie auch wieder verschwinden – an, und sieht gleich im nächsten Moment den über achtzigjährigen Redford mit seinen fragilen Streichholzbeinen die nächste Bank ansteuern, dann wird augenblicklich klar, was bleiben wird von diesem großen Schauspieler, genau dann, wenn Lowerys Kamera ihn eingeholt und umrundet hat und sein Gesicht sucht – dann, genau dann ist da dieses Lachen, das in seiner Penetranz auch nerven kann, ja ganze Filme kaputtgelacht hat, aber dann doch so einzigartig war, dass auch das niemanden gestört hat, weil es eins zu sein scheint mit Redfords Gesicht und alles Alter und alle Pein abstreift, als wäre das Leben tatsächlich nicht endlich.