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Review

Escape Plan

Zwischen zwei Stühlen

Mehr reden, weniger schlagen

Zwischen zwei Stühlen

Fast 25 Jahre ist es her, dass Sylvester Stallone in Lock Up als klein-krimi­neller Auto­me­cha­niker Frank Leone hinter Gittern saß. Damals hatte es ein verbit­tert-böser Gefäng­nis­di­rektor – eiskalt gespielt von Donald Suther­land – auf ihn abgesehen, um einen früheren Ausbruch von Leone zu ahnden. In Escape Plan wurden nun aus einer Flucht viele Fluchten, denn Stallone verkör­pert hier den profes­sio­nellen Ausbre­cher Ray Breslin, der mit seiner Sicher­heits­firma Gefäng­nisse aller Art darauf prüft, ob sie ihre Häftlinge auch dauerhaft wegsperren können. Eines Tages lässt die CIA eine ultra­mo­derne (und ultraille­gale) Haft­an­stalt von Breslin testen, aus der tatsäch­lich kein Entrinnen möglich scheint. Langsam stellt sich der Eindruck ein, dass auch er dort für immer bleiben soll, nicht zuletzt auf Bestreben des Gefäng­nis­di­rek­tors Hobbes.

Wieder einmal ist Stallones Charakter also dem Sadismus eines Ober­wär­ters ausge­setzt; den spielt Jim Caviezel als aalglatten Macht­men­schen, der sich nicht einmal die Finger schmutzig macht, um seine eigenen Bestra­fungs­fan­ta­sien zu befrie­digen. Doch anders als in dem Action­reißer Lock Up von John Flynn, der filmisch den Zellen­mief sichtbar machte, geht es in dem Verwirrthriller Escape Plan von Mikael Håfström in erster Linie um ausge­klü­gelte Flucht­stra­te­gien.

Hierbei erhält Stallone Unter­s­tüt­zung von Arnold Schwar­z­e­negger, der als Häftling Emil Rottmayer Komplize und bester Freund von Breslin wird, um gemeinsam mit ihm einen Weg in die Freiheit zu finden. Stallone und Schwar­z­e­negger, die seit der The Expen­da­bles-Reihe an der Revi­ta­li­sie­rung des testo­ste­ron­ge­la­denen Action­films der Achtziger Jahre arbeiten, über­ra­schen in Håfströms Film durch eine gewisse Zurück­hal­tung. Gerade Schwar­z­e­negger wirkt in seiner Rolle ungewohnt entspannt, fast verlet­z­lich, wenn er Stallone hinterher trottet, weil er beim Pläne­schmieden unbedingt mitmachen will; aber machen wir uns nichts vor, letztlich besitzt Schwar­z­e­negger weiterhin den Charme einer Mattel-Figur – im guten wie im schlechten Sinne.

So wird also erst einmal viel geredet und viel über­listet, während Fäuste und Kanonen weniger zu sagen haben. Hier und da blitzt auch ein bisschen Situa­ti­ons­komik auf, die an die harmlose aber witzige Poliz­ei­komödie Kops erinnert, an der Håfström als Dreh­buch­autor beteiligt war. Håfströms Gefäng­nis­ent­wurf mit seinen gläsernen Würfelar­ran­ge­ments und gesichts­losen Prügel­wär­tern ruft Guan­ta­namo-ähnliche Vorstel­lungen hervor, die sich hier gesamt­ge­sell­schaft­lich über­tragen lassen: Allzeit überwacht im exis­ten­zi­ellen Nirgendwo. Das Szenen­bild bleibt aber auch erzäh­le­risch nur Kulisse, entwi­ckelt sich die Geschichte doch noch reak­ti­onärer als die Ausgangs­lage sowieso schon war, sobald die Moti­va­tion von Breslins Tun völlig frei­ge­legt wird. Dabei hat die Figur des getrie­benen Entfes­se­lungs­künst­lers, der alle anderen ewig in Ketten sehen will, durchaus etwas Faszi­nie­rendes.
Die beiden alternden Drauf­gänger sitzen in Escape Plan zwischen zwei Stühlen, da sie weniger als sonst ihre Physis ausspielen, ohne charak­ter­lich in den Hinter­grund treten zu dürfen. Dieses Span­nungs­ver­hältnis gestaltet sich fraglos reizvoll, sind beide der Heraus­for­de­rung auch irgendwie gewachsen. Aber den Möglich­keiten bleiben in dem eng umris­senen Erzähl­rahmen zu wenig Raum, sich wirklich zu entfalten.

Ungelenkt gestaltet sich zudem der Umgang mit dem Prot­ago­nisten Javed, der mit den zwei US-Helden gegen den über­mäch­tigen Haft- bzw. Staats­ap­parat antreten soll. Wie die rest­li­chen musli­mi­schen Häftlinge bleibt er ein Chiffre für über­bor­dende Reli­gio­sität, ohne irgendein welt­li­ches Interesse. Dass letztlich jeder Aspekt des Films narra­tiven Kniffen unter­worfen wird, damit die Genre­kon­ven­tionen gesichert sind, ist keine Entschul­di­gung für dumme Einfälle. So oder so tilgt der Film in den letzten zehn Minuten jeden eigen­s­tän­digen Gedanken, wenn kreuzbrav alle Fragen und Wendungen ausfor­mu­liert und abgehakt werden, inklusive Rück­blenden für den vergess­lichsten Zuschauer im Saal.