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Review

Femme Fatale

To catch a thief

Rebecca Romijn-Stamos

To catch a thief

Über den Dächern von Cannes

»I am a bad bad girl, rotten to the heart« – Gleich zu Beginn wird man hinein­ge­worfen in das Universum des Kinos, dem sich dieser Regisseur schon immer ganz besonders verbunden fühlte: Eine Frau liegt nackt auf dem Bett und sieht im Fernsehen Billy Wilders Double Indemnity. Barbara Stanwyk spielt hier genau so eine klas­si­sche Femme Fatale, ein verruchtes, unbe­re­chen­bares,schlan­gen­haftes Weib, wie jene, in die sich die junge Frau gleich ebenfalls verwan­deln wird: Laure ist eine Jet-Set-Gangs­terin, Glamour und kühle Gewalt verschmelzen in ihr zu einer fatalen Mischung.

Mit Schlangen hast es Brian DePalma in letzter Zeit öfters. Snake Eyes hieß sein letzter Film, dies nur nebenbei, diesmal geht es gleich zu Beginn schon um eine Schlange – so heißt ein wert­volles Diadem, das Laure gleich stehlen soll. Schlan­gen­haft schlän­gelt sich auch die Musik, eine moderne Variation von Ravels Bolero – in einer Eingangs­se­quenz, wie man sie lange nicht gesehen hat, begleitet sie die Kamera, die Laure begleitet, bei einem Raubüber­fall. Fast eine Vier­tel­stunde dauert das Ganze, nebenbei schlän­gelt sich auch mal ein Gangs­ter­werk­zeug durch ein kleines Loch und scheucht eine Katze auf – nur ein kurzes Schmucks­tück in einem opulenten, von Einfällen über­bor­denden Film.

All das ironi­scher­weise mitten auf den Film­fest­spielen von Cannes. Film und Wirk­lich­keit verschmelzen: Einer­seits ist Femme Fatale fast übervoll mit manchmal spie­le­risch-sinn­vollen, manchmal auch absicht­lich Verwir­rung stif­tenden, Verweisen auf die Film­ge­schichte, ande­rer­seits doch ein grad­li­niger Thriller in der Nachfolge Hitch­cocks. Spannung und Unter­hal­tung mischen sich zu höchster Kunst. Auch Sir Alfred scherte sich um Glaub­wür­dig­keit wenig. Bei DePalma sind es immer Situa­tionen und Bewe­gungen, kleine Etüden, die ihn inter­es­sieren. Dabei, auch das zeigt der Film, behält er das Master­piece immer mit im Auge.

Später, inzwi­schen befindet man sich in Paris, will die Gangs­ter­dame ein neues Leben beginnen. Wie immer in solchen Fällen, jeden­falls im Kino, kommt das alte Leben dem Neuen, kommt die Vergan­gen­heit der Zukunft in die Quere – diesmal in Form des cleveren Paparazzo Nicolas. Ungewollt verrät er Laure an ihre früheren Komplizen, und bald fühlt er sich verant­wort­lich für die Täterin, die zum Opfer geworden ist...

Viel­leicht verhält sich aber auch alles ganz anders. Brian De Palmas neuester Streich ist ein Vexier­spiel ganz im Stil der anderen großen Werke dieses Regis­seurs: Obsession, Dressed to Kill, Body Double oder zuletzt Snake Eyes, mit Verweisen auf den Film Noir, Antonioni und so manches mehr. Ob es wirklich aufgeht, muss jeder selbst über­prüfen, aber ein großes, viel­schich­tiges Vergnügen ist Femme Fatale auf jeden Fall.