Review
First Cow
Männer am Rande der Zivilisation
Männer am Rande der Zivilisation
Auch in ihrem zweiten Western überrascht Kelly Reichardt mit ungewöhnlichen Perspektiven
Zeitgleich mit Jane Campions dichtem, trance-artigen Western The Power of the Dog kommt mit Kelly Reichardts First Cow ein zweiten „Frauen-Regie“-Western in die Kinos.
Kelly Reichardt hat bereits mit Meek’s Cutoff gezeigt, wie alltäglich der Wilde Western sein kann, und dass es mit einer neuen Perspektive, einer Geschichte nur um Frauen, sogar zu einer brennglasartigen Perspektivierung auf unsere Gegenwart kommen kann.
In ihrem neuen Film ist es wieder ein Western, und fast noch eindeutiger zieht Reichardt auch dieses Mal den Bogen in unsere Gegenwart. Doch dieses Mal ist es eine Welt von Männern, eine von Trappern und Siedlern, ein paar Indianern und Chinesen, in denen Frauen so sehr am Rande vorkommen wie die Männer in Meek’s Cutoff.
Reichardt erzählt in fast schon dokumentarischer Dichte mit einer Vielzahl ehtnografischer Details und multikultureller Einflüsse über den Fortschritt, Identitäts- und Nation-Building und vor allem von Freundschaft und beweist auch in ihrem zweiten „Western“, dass dieses Genre noch lange nicht auserzählt ist, dass auch diese Alltagsgeschichte um einen Bäcker, einen chinesischen Geschäftsmann und ein Fort im Nirgendwo es allemal wert ist erzählt zu werden, neu und überraschend, subtil humorvoll und filigran tragisch.